Der Nissan Leaf war 2018 das meistverkaufte Elektroauto in Europa. Nun gibt es ihn als Leaf e+ mit einer um 50 Prozent größeren Batterie. Ist das die rund 6000 Euro Aufpreis wert – oder ist man auch schon mit der 40 kWh großen Batterie gut unterwegs?

Rund zweieinhalbtausend Leaf wurden im vergangenen Jahr in Deutschland zugelassen. Damit landete die seit Anfang 2018 ausgelieferte zweite Generation des familientauglichen Elektro-Kompaktwagens in Deutschland nur auf Platz sieben; Marktführer war der Renault Zoe vor dem VW E-Golf. Auf ganz Europa hochgerechnet bleibt dem Leaf aber der Platz an der Sonne; er war 2018 meistverkauftes Elektroauto.

Nissan Leaf: Batterie mit 40 kWh Kapazität, 285 Kilometer Reichweite

Die Kerndaten für den Nissan Leaf in der Standardausführung: Seine Batterie hat eine Kapazität von 40 kWh. Diese 40kWh sind nach WLTP-Messverfahren gut für 285 Kilometer im gemischten Betrieb, in den oberen Ausstattungen sind es 270 km. Wird der Leaf nur innerstädtisch eingesetzt mit einem hohem Rekuperationsanteil, dann sind laut Angaben des Herstellers bis zu 415 Kilometer möglich.

Das sind alltagstaugliche Werte, die der 110 kW/150 PS starke Elektroantrieb liefert. Aber: Bei kühleren Temperaturen im Herbst stehen nur noch knapp 240 Kilometer auf der Reichweitenanzeige, wenn die Batterie randvoll geladen ist. Im Stadt- und Überlandverkehr ist man damit eine ganze Weile unterwegs. Fast 80 Prozent aller Autobesitzer fahren am Tag maximal 60 Kilometer.

Beim Abspulen von Langstreckenkilometern auf der Autobahn zählt die Anzeige jedoch recht schnell herunter. Hier verwirklicht man recht schnell sein persönliches Tempolimit und lässt es mit 120 km/h gut sein, denn dann reicht es für knapp unter 200 Kilometer am Stück.

Ausreizen sollte man das aber nicht, denn das Ankommen auf letzter Rille ist nicht unbedingt nervenschonend. Außerdem kommt es schon einmal vor, dass eine Ladesäule nicht so will, wie es der Fahrer gerne hätte. Und überdies lädt die Batterie am schnellsten, wenn man sie im Bereich zwischen 20 und 80 Prozent Füllgrad nachlädt.

Schuko-Steckdose, Typ 2 und CHAdeMO-Schnelllader

Der Leaf kann an der normalen Haushaltssteckdose geladen werden. Das dauert aber rund 18 Stunden und ist damit nur bedingt alltagstauglich, wenn die Batterie einmal komplett leer ist. Außerdem verfügt er über einen Typ2-Stecker, über den bis zu 6,6 kW pro Stunde in die Batterie fließen. Am schnellsten geht es mit dem CHAdeMO-Schnelllader. Der wird auch an Schnelladern auf Autobahnraststätten eingesetzt.

Für das Freigeben der Ladesäule benötigt man einen RFID-Chip. Den gibt es vom Ladesäulenbetreiber oder von einem Provider wie Chargemap oder Plugsurfing. Auch über die jeweiligen Apps lässt sich der Ladevorgang starten und über das hinterlegte Zahlungsmittel bezahlen.

Hängt man das große CHAdeMO-Kabel an den Leaf, ist die Batterie nach gut einer Dreiviertelstunde schon wieder zu mehr als 80 Prozent voll, denn der Leaf verarbeitet Ladeströme bis 50 kW.

Mit der Standardausführung des Leaf ist man gut unterwegs, wenn die Langstrecke eher die Ausnahme ist. Durch sehr günstige Service- und Betriebskosten qualifiziert sich der Leaf für Pendler, die jeden Tag 10 bis 80 Kilometer einfachen Arbeitsweg haben. Selbst wenn sie am Arbeitsplatz nicht aufladen können, kommen sie noch gut nach Hause und können die Batterie zu Hause wieder auffüllen. Wenn der Akku nahezu leer ist, belaufen sich die  Kosten dafür auf rund acht Euro. Wer den Leaf als Dienstwagen nutzt, profiziert nun auch von der halbierten Dienstwagensteuer.

Nissan Leaf e+:  62 kWh Kapazität, 385 Kilometer Reichweite

Auf der Autobahn muss man seine Reisegewohnheiten auf den Prüfstand stellen. Denn hier heißt es, öfter Pause zu machen, um Energie zu schöpfen. Bis 300 Kilometer ist das noch gut machbar, bei größeren Entferungen wird es ein wenig mühsam.

Für solche Fälle wird der Leaf e+ mehr als nur eine Überlegung wert sein, trotz der rund 6000 Euro Aufpreis. Dafür bringt das neue Modell nicht nur eine Batterie mit, die 62 kWh Kapazität hat, sondern auch einen stärkeren  Motor. Der leistet 160 kW/217 PS und ist überdies einen Ticken effizienter als der kleiner E-Antrieb. Er verbraucht laut WLTP nur  18,0 kWh Strom pro 100 Kilometer, beim Standardmodell sind es rund zweieinhalb Kilowattstunden mehr. Damit soll der Leaf e+ für fast 400 Kilometer Reichweite gut sein.

Fahren nur mit dem rechten Fuß: das e-Pedal im Nissan Leaf

Serienmäßig bringt jeder Nissan Leaf die Technik des e-Pedal mit. Damit ist One-Pedal-Driving möglich: Der Fahrer steuert alle Fahrfunktionen außer Lenken mit dem rechten Fuß. Er startet, beschleunigt und bremst das Auto, und er hält es so auch an Steigungen im Stand.

Nimmt der Fahrer den Fuß komplett vom Pedal, verzögert der Leaf schnell bis zum Stillstand. Deshalb steuert bei dieser maximalen Verzögerung das System die Bremslichter an. Die Ladeleistung durch Rekuperation erreicht in solchen Situationen Höchstleistungen: Bis zu 90 kW werden kurzzeitig in die Lithium- Ionen-Zellen gedrückt.

Im Stadtverkehr erspart der virtuose Umgang mit dem rechten Fuß eine Unzahl an Bremsvorgängen. Studien in den USA und Japan haben laut Nissan ergeben, dass die Fahrer rund 90 Prozent der Fahrzeit im dichten Stadtverkehr auf das Bremspedal verzichten können, wenn sie e-Pedal aktiviert haben und vorausschauend fahren.

Auf Landstraße oder Autobahn  ist das e-Pedal nur bedingt erste Wahl. Vor allem dann, wenn der Fahrer auf leicht abschüssiger Strecke lieber den Fuß vom Gas nimmt, um das Fahrzeug segeln zu lassen und so bei nahezu null Verbrauch größtmögliche Strecke zu machen. In solchen Fällen tut man sich am leichtesten, das e-Pedal auszuschalten – und bei Bedarf, etwa einer Ampel auf der Bundesstraße, manuell als Motorbremse zu aktivieren.

ProPilot nimmt dem Fahrer des Nissan Leaf Routineaufgaben ab

Der Nissan Leaf ist gut ausgestattet mit Assistenzsystemen. ProPilot nennt sich die höchste Ausbaustufe, die ab der 38.500 Euro teuren Austattungslinie N-Connecta serienmäßig an Bord ist. Mit der stärkeren Batterie im Leaf e+ kostet diese Ausstattungsvariante 44.700 Euro. Preise jeweils abzüglich Elektroprämie.

Beim Suchen nach einem freien Parkplatz und beim anschließenden Einparken helfen vier hochauflösende Kameras und zwölf Ultraschallsensoren. Sie erkennen freien Parkraum rund um das Fahrzeug. Mit einem Knopfdruck gibt der Fahrer dem Leaf den Auftrag, das Auto in die gefundene Lücke zu manövrieren. ProPilot Park übernimmt alle Lenk-, Beschleunigungs- und Bremsvorgänge, bis das Auto an seinem Platz steht.

Mitschwimmen im stockenden Verkehr

Komfortabel und zuverlässig arbeitet der adaptive Tempomat, der Kernbestandteil von Pro Pilot ist. Der Frontradar hält den Leaf auf Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug, ist die Autobahn frei, regelt sich das System auf das eingestellte Tempo ein. Aktiviert wird ProPilot mit einem Knopfdruck, die Geschwindigkeit regelt der Fahrer mit zwei Schaltwippen im rechten Bedienfeld auf dem Lenkrad.

Die Erfassung vorausfahrender Fahrzeuge funktioniert zuverlässig, sobald sie den größten Teil der Fahrspur abdecken. Entwickelt sich stockender Verkehr zum Stau, bremst ProPilot bis zum Stillstand ab, ohne dass der Fahrer die Bremse aktiv bemühen muss. Denn nach dem Anhalten rollt der Leaf nicht wieder los. Es sei denn, innerhalb von drei Sekunden kommt der Verkehr wieder ins Fließen. Ist das nicht der Fall und die Autos stehen länger, muss der Fahrer durch einen kurzen Tritt aufs Fahrpedal oder durch Knopfdruck das System wieder aktivieren. Die Technik übernimmt, beschleunigt den Leaf wieder aufs eingestellte Tempo oder cruist hinter dem Vordermann her.

Kurze Zeit hält der Leaf auch alleine die Fahrspur

Ein weiteres wesentliches Element von ProPilot ist der Lenkassistent. Dieser Assistent lenkt den Leaf selbständig und hält ihn mittig in der Fahrspur. Dafür liefert eine Frontkamera das Datenmaterial. Das funktioniert sehr gut, solange die Fahrbahnmarkierungen halbwegs erkennbar sind.

Und auch wenn der Fahrer die Finger vom Lenkrad nimmt, bleibt der Leaf in der Spur. Jedoch warnt das System nach kurzer Zeit mit einer Kaskade an Warntönen und durch kurzes Anbremsen. Zuletzt bremst das System das Fahrzeug langsam bis zum Stillstand herunter und warnt den nachfolgenden Verkehr durch Einschalten der Warnblinker.

Auch das weitere Angebot an Assistenzsystemen ist gut. Serienmäßig in allen Ausstattungslinien sind Fernlicht-, Spurhalte- und Totwinkel-Assistent, Berganfahrhilfe, Querverkehrs-Warner, Verkehrszeichenerkennung und autonomer Notbrems-Assistent mit Fußgängererkennung.

 

 

Technische Daten

Wie gut ist der Nissan Leaf? Im Auto360.de Test: Nissan Leaf N-Connecta

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Permanenterregter Elektro-Synchronmotor (PSM)

Getriebe: 1-Gang-Getriebe

Leistung in kW (PS) bei U/min: 110 (150)/3.283–9.795

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 320/ 0–3.283

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 8,4

Höchstgeschwindigkei in km/h: 144

Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 20,6

Reichweite nach WLTP in km: 270

Reichweite Praxis in km: 200

 

Batterie und Laden

Batterietyp: Lithium-Ionen

Energie in kWh: 40,0

Anzahl Zellen: 192

Nennspannung AC/DC in V: 350

Gewicht der Batterie in kg: 300

Ladedauer AC, 2,3 kW, 100 % in h:min: 18:00

Ladedauer AC, 6,6 kW, 100 % in h:min: 8:30

Ladedauer DC 50 kW, 80 % in h:min: 0:45

 

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.490/1.788/1.530

Radstand in mm: 2.700

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.580

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 1.995

Kofferrauminhalt in l: 395–1.265

Bereifung: 215/50 R 17

Felgen: 6,5 x 17″ Leichtmetall

 

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 38.500 Euro

In Deutschland aktuell abzüglich 4000 Euro Elektroautoförderung

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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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