Die Oldtimer Galerie Toffen in der Nähe von Bern ist zweimal im Jahr der Ort für Träume. Bei der großen Oldtimerauktion  kommen im April und Oktober jeweils knapp 100 Zwei- und Vierräder unter den Hammer. Bei der Frühjahrsauktion ließen sich die Kaufinteressenten vor allem in der unteren und mittleren Preisklasse die Schnnäppchen nicht entgehen.

Denn das war der Trend an diesem heißen Samstagnachmittag im Berner Mittelland: Die preisliche Oberklasse tat sich schwer, einen Käufer zu finden. Die Bieter hielten sich vernehmlich zurück, das Geld saß bei der Oldtimerauktion nicht locker. Bei den günstigen Einstiegs-Oldtimern und Youngtimern hingegen ließen sich etliche Spaß-Mobile ersteigern. Und davon machten die Käufer rege Gebrauch.

Fast 100 Fahrzeuge in der Oldtimerauktion

Die Palette der angebotenen Fahrzeuge umfasste ein breites Spektrum:  Vom fast 100 Jahre alten Peugeot Type 172 Quadrilette  aus dem Jahr 1922 bis zum Jaguar X-Type 3.0 V6 von 2001. Beide fanden ihre Käufer: Der Brite ging für 4000 Franken weg, um den Peugeot entspann sich einer der wenigen heißen Bieterwettkämpfe. Bei 23.000 Franken fiel der Hammer, damit lag der Zuschlagspreis fast doppelt so hoch wie der mittlere Schätzpreis.

Bei allen Preisen gilt: Für den Käufer wird noch ein Aufgeld in Höhe von 12 Prozent des Zuschlagspreises fällig. Die derzeitige Frankenschwäche macht den Kauf in der Schweiz für Euro-Käufer wieder interessanter. Vom Kaufpreis in Franken kann man rund 20 Prozent abziehen, um den Preis in Euro zu errechnen. Allerdings muss man berücksichtigen, dass je nach Zollstatus des Fahrzeugs bei der Einfuhr nach Deutschland Zoll und Einfuhrumsatzsteuer den Kauf verteuern.

Das Höchstgebot von 170.000 Franken reicht nicht für den Zuschlag

Das höchste Gebot des Tages erhielt ein BMW Z8 Roadster. Allerdings lagen die gebotenen 170.000 Franken deutlich unter dem Schätzpreis von einer Viertelmillion, so dass der Auktionator den Zuschlag verweigerte. Ebenfalls nicht verkauft wurde das Jaguar XK 120 Autenrieth-Cabrio von 1951, für das ein Käufer 90.000 Franken zahlen wollte. Das war  nur knapp die Hälfte des mittleren  Schätzpreises.

Ebenso große Zurückhaltung zeigten die Kaufinteressenten bei BMW 2002 tii, Mercedes 230 SL Pagode oder anderen Schmuckstücken mit Stern. Auch bei dem im Paket angebotenen Duo von Riley (RMC 2,5 Liter Roadster und RMA 1,5 Liter Saloon) musste der Auktionator am Schluss vermelden: Die Autos gehen zurück.

Den höchsten Preis erzielte somit das Cadillac 370A V12 Convertible Coupé. Das Startgebot von 100.000 Franken kletterte noch auf 130.000, so dass der 1931 gebaute Wagen unter Vorbehalt verkauft wurde. Auf den folgenden Plätzen zwei Porsche: ein 914/6 GT von 1971 für 85.000 Franken und ein 356 B von 1963, bei dem der Hammer bei 75.000 Franken fiel.

Verkauft unter Vorbehalt: Nachverhandeln ist angesagt

Bei immerhin knapp jedem zweiten Auto (42 Stück an der Zahl) war der Kauf mit Hammerschlag des Auktionators perfekt, weil das vom Verkäufer gesetzte Preislimit erreicht wurde. Oder aber, weil der Verkäufer kein Limit setzte. Das sind die Lots in der Oldtimerauktion, bei denen sich mit etwas Glück ein richtiges Schnäppli machen lässt.

Bei weiteren 22 Fahrzeugen erfolgte der Zuschlag unter Vorbehalt. Hier lag das höchste Gebot mehr oder weniger knapp unter dem Limit des Verkäufers. Bei den Nachverhandlungen wird sich dann zeigen, ob sich Verkäufer und Interessent noch einigen und der Kauf perfekt ist. Eine genau Übersicht über die angebotenen und versteigerten Fahrzeuge gibt es auf der Schweizer Oldtimerseite Zwischengas.

Jedes vierte Auto in der Preisklasse bis 10.000 Franken

Bei knapp zwei Dutzend Autos erteilte der Auktionator für 10 000 Franken oder weniger den Zuschlag. Darunter Alltagsautos der 80er Jahre wie Audi 90 (1000 Franken), Chevrolette Corvette C4 von 1988 (5500 Franken) oder Mercedes 280 E W124 von 1981 (6000 Franken). Aber auch automobile Schätzchen wie der Hillman Super Minx Sport GTL (1966, 4750 Franken), Kaiser Jeep CJ-6 (1968, 7000 Franken) oder der DKW 3=6 F93 von 1956 für 10.000 Franken. Der Vierzylinder-Porsche 924 S von 1987 erzielte 5000 Franken.

Liebhaber-Stücke mit zwei Rädern

Neben den vierrädigen kamen auch rund ein dutzend zweirädige  Exponate unter den Hammer. Hier galt der gleiche Trend wie bei den Autos: In der unteren Preisklasse, in diesem Fall drei- bis knapp vierstellig, gingen die Fahrzeuge weg wie frisch gebackene Brezn. Puch Maxi, Kreidler Florett, Jawa 125 oder Solex S 3800 fanden schnell ihre Liebhaber. Mit der Moto Guzzi V65 C landete der Käufer für 1200 Franken vermutlich ein Schnäppchen.

Schweizer Kaufinteressenten konnten die Erinnerung an ihre Militärzeit auffrischen. Die Militär-Zweiräder Condor A350 (3250 Franken) und A 580-I (4750 Franken) gingen weg. Eine Triumph T 140  E Bonneville wurde für 12.000 Franken unter Vorbehalt verkauft, eine BMW R90S erhielt ein Gebot von 13.000 Franken – und blieb stehen.

Nächste Oldtimerauktion im Juni

Bei der nächsten Auktion der Oldtimer Galerie Toffen stehen am 16. Juni in Dolder/Zürich Produkte aus Zuffenhausen im Mittelpunkt. Fünf Cup-Fahrzeuge vom 1988er Porsche 944 Turbo Cup bis zum Porsche 911 GT3 Cup der Baureihe 997 von 2006 bilden den Kern der Oldtimerauktion. Die Herbstauktion am Sitz der Oldtimer Galerie in Toffen findet am 20. Oktober 2018 statt.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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