Betrug beim Online-Gebrauchtwagenkauf: Mit einer neuen Masche werden Kaufinteressenten abgezockt, meldet die Polizei Köln. Im letzten Jahr registrierte sie 120 Fälle, bei denen sich das Gebrauchtwagenschnäppchen als Hehlerware entpuppte.

Die Käufer kommen aus der ganzen Bundesrepublik, angelockt von einer Gebrauchtwagenofferte, die einige tausend Euro günstiger ist als vergleichbare Autos in den Internetbörsen. Kleine Schäden, Notverkauf – die Gründe dafür, die von den Verkäufern angegeben werden, sind vielfältig. Von den im vergangenen Jahr angezeigten 120 Betrugsversuchen beim Gebrauchtwagenkauf waren am Ende 95 erfolgreich. An der Zulassungsstelle flog auf, dass das Fahrzeug gestohlen war. Die Täter sind über alle Berge, das Geld ist weg.

Ein Kommissar erzählt: so funktioniert die Betrugsmasche

Kriminalhauptkommissar Jürgen Endres, bei der Kölner Kripo seit fast 20 Jahren im Bereich Kfz-Kriminialität tätig und seit 2018 Ermittlungsgruppenleiter im Kriminalkommissariat 74, beschreibt, wie ein typischer Fall dieser Betrugsmasche beim Gebrauchtwagenkauf abläuft.

Gebrauchtwagenkauf: Hauptkommissar Jürgen Endres warnt vor Betrug

Hauptkommissar Jürgen Endres

Familie K. sitzt gemeinsam vor dem Computer, sucht auf den gängigen Internetseiten nach einem neuen Familienauto und wird auf ein Wahnsinnsangebot aufmerksam. Das Objekt der Begierde wird dort zu einem deutlich niedrigeren Preis als vergleichbare Autos angeboten. Herr K. greift zum Telefon. Eine männliche Stimme meldet sich: „Hallo! Ja, der Wagen ist noch zu haben.“ Nach wenigen Minuten wird man sich handelseinig. Das Tolle daran: Auf Nachfrage geht der Verkäufer mit dem Preis nochmals um 1000 Euro runter.

Kein Treffen am Wohnort – sondern im weit entfernten Köln

Er bietet ein Treffen zum Kauf an. Aber anders als in der Annonce beschrieben, steht der Wagen nicht in Starnberg, sondern in Köln. Der Vater läge dort im Krankenhaus, so die Geschichte. Ein Treffen wird für drei Tage später vereinbart. Damit der Kaufvertrag vorab ausgefüllt werden könne, bittet der Anbieter darum, ihm eine Kopie des Personalausweises mit Anschrift des Interessenten zuzuschicken. Herr K. kommt der Bitte nach. Schließlich geht es das Traumauto zum Schnäppchenpreis. Als er im Gegenzug um eine Kopie der Zulassungspapiere bittet, sagt der Verkäufer, dass er keine Kopie schicken könne – wegen möglicher Betrüger im Internet.

Am vereinbarten Übergabetag wird per SMS die Anschrift in Köln übermittelt. Doch dann ist zur vereinbarten Zeit niemand am Treffpunkt. Stattdessen ein Anruf – „Vater geht es schlecht, wir müssen die Übergabe um ein paar Stunden verschieben“. Geduldig, das Schnäppchen und die lange Anreise im Hinterkopf, wartet Familie K. und merkt nicht, wie sie vom Verkäufer und weiteren Komplizen beobachtet wird. Dadurch soll ausgeschlossen werden, dass der Verkauf unter den Augen der Polizei erfolgt und eine Festnahme droht.

Übergabe in Dunkelheit auf einer Wohnstraße

Nach einiger Zeit fühlt sich der Verkäufer sicher. Keine Polizei. Das Treffen wird erneut vereinbart, in einer Wohnstraße. Es ist bereits 21 Uhr und es ist dunkel. Anstelle des Anbieters erscheint seine Frau. Ihr Mann sei beim Vater im Krankenhaus. Sie stehe jedoch mit ihm telefonisch in Verbindung.

Der Wagen hält was er verspricht:  Baujahr 2020, 4000 km gelaufen und 6000 Euro unter dem Preis vergleichbarer Autos. Die Probefahrt läuft prima und es kommt zum ersehnten Kauf. Der Vertrag ist ausgefüllt, Zulassungspapiere liegen vor, das Geld in der Tasche.

Dann gibt die Verkäuferin plötzlich an, den Zweitschlüssel vergessen zu haben und auch die angebotenen Winterreifen seien noch zu Hause. Man einigt sich darauf, nochmals 1500 Euro einzubehalten und diese bei Erhalt von Schlüssel und Reifen zu übergeben. Alles wird korrekt im Kaufvertrag festgehalten und beide Parteien unterschreiben. Das Geld wechselt den Besitzer und die Verkäuferin verabschiedet sich schnell. Familie K. hat es geschafft. Das Wunschauto zum Top-Preis gehört ihnen. Es ist sogar noch zugelassen und so begibt sich Familie K. auf die Heimreise nach Bayern.

Kauf geplatzt: Böse Überraschung bei der Zulassung

Am nächsten Tag geht es zur Zulassungsstelle, um wie vereinbart das Auto sofort umzumelden. Zuvor ist es natürlich auf Hochglanz poliert worden. So sind dann auch alle Spuren beseitigt. Doch dann kommt das böse Erwachen. Die Dame am Schalter der Zulassungsstelle sagt, dass die Papiere nicht zum Fahrzeug gehören und der Wagen in der polizeilichen Fahndungsliste steht. Die Polizei wird hinzugerufen, diese stellt den Wagen sicher. Wie sich herausstellt, stammt das Auto aus einem Einbruch in Frankreich. Der Versuch, den Anbieter telefonisch zu erreichen, scheitert. Das Telefon ist tot. An der angegebenen Anschrift ist der Verkäufer nicht gemeldet.

So endet der Online-Gebrauchtwagekauf im finanziellen Desaster. „Denn an einer gestohlenen Sache kann man laut § 935 BGB generell kein Eigentum erwerben – der Wagen und das Geld sind unwiderruflich weg“, so Endres. Die Ermittlungen nach den Verkäufern gestalten sich nach Erfahrungen der Polizei aufgrund der geringen Spurenlage und den unter falschen Personalien registrierten Telefonen schwierig. „Wenn die Betrüger ermittelt werden, ist das Geld nicht mehr aufzufinden und bei ihnen ist meistens nichts zu holen.“

Papiere: gestohlen oder oft plump gefälscht

Bei den Zulassungspapieren handelt es sich oft um echte Dokumente, so der Hauptkommissar. Diese wurden bei Einbrüchen in Zulassungsstellen in verschiedenen Städten und Kreisen gestohlen. In anderen Fällen werden die Papiere gefälscht, und das mitunter sehr amateurhaft. Die Fahrzeuge stammen, so die Kölner Kripo, aus nächtlichen Einbrüchen oder anderen Straftaten in Belgien, Frankreich oder den Niederlanden. Endres: „Teilweise werden die Fahrzeuge dreist bei deutschen Autovermietern angemietet und sofort im Internet zu Knüller-Preisen angeboten. Sind die Mietfahrzeuge zu neu oder haben zu wenige Kilometer runter, werden diese kurzerhand mit einem Streifschaden versehen, um einen Grund für den kurzfristigen Verkauf und auch den niedrigen Preis vorzugaukeln.“ 

Online-Gebrauchtwagenkauf: So verhindern Sie den Betrug

Wer böse Überraschungen beim Online-Gebrauchtwagenkauf verhindern will, für den hat die Kriminalpolizei Köln folgende Tipps:

  • Achten sie beim Kauf darauf, den Wagen an der Wohnanschrift des Anbieters zu besichtigen
  • Seien sie achtsam, wenn an der angegebenen Anschrift der Name des Anbieters nicht auf der Klingel verzeichnet ist und dieser erst nach Ihnen am vereinbarten Ort eintrifft. Warum sollte man auf der Straße einen hohen Geldbetrag in bar übergeben?
  • Schauen sie sich die Zulassungspapiere gut an. Rechtschreibfehler in amtlichen Dokumenten weisen auf eine Fälschung hin. So wird aus dem Geländewagen schnell ein Gelendewagen.
  • Achten sie auf die in den Zulassungspapieren eingetragenen Ausstellungsbehörden. Auf der Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) ist auf der Rückseite die Ausstellungsbehörde bereits aufgedruckt. Stimmt diese mit der Behörde auf der Vorderseite überein oder wurde sie nachträglich verändert?
  • Lassen sie sich während der Verkaufsverhandlungen den Personalausweis des Verkäufers zeigen. Handelt es sich um einen vorläufigen Personalausweis, welcher leicht zu fälschen ist? Zeigt der vorgelegte Ausweis tatsächlich das Bild des Anbieters? Oft werden aus Taschendiebstählen erlangte Ausweise für Verkäufe genutzt.

Gefälschter Fahrzeugschein

Und nicht zuletzt sollte man sich immer die Fragen aller Fragen stellen: Warum wird das Auto so viel günstiger angeboten als vergleichbare Gebrauchtwagen in den Onlinebörsen? Niemand hat etwas zu verschenken – und Gier beim Online-Gebrauchtwagenkauf kann schnell teuer werden

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Fotos: Polizei Köln; Aufmacherfoto: REK/pixelio.de

Klaus Justen
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