Vor gut 30 Jahren waren Coupés fast so beliebt, wie heute SUV.

Mit dem Calibra brachte Opel 1989 nach zwei Generationen Manta einen 2+2-Sitzer auf den Markt, der über acht Jahre bis 1997 insgesamt 238.647mal gebaut wurde. 93.978 Einheiten wurden bei Valmet Automotive in Uusikaupunki gefertigt und sind an der Ziffer 9 in der Fahrgestellnummer (FIN) erkennbar.

So muss man sich nicht wundern, wenn einem auf der Suche nach einem Opel Calibra in Finnland gebaute Autos angeboten werden. Der größere Rest lief im Stammwerk Rüsselsheim vom Band und trägt die Ziffer 1 in der FIN.

Zum Verkaufsstart im Sommer 1990 wurde der Calibra mit den beiden 2-Liter-Motoren angeboten, die auch im Vectra A verbaut waren. Der schwächere mit zwei Ventilen pro Zylinder mit 115 PS, der 16-Ventiler mit 150 PS. Mit dem Vectra teilte sich der Calibra zudem die Plattform sowie das Armaturenbrett.

Allradantrieb und Turbolader

1992 ging mit dem 16V Turbo der stärkste Calibra mit Allradantrieb an den Start. 204 PS und ein Drehmoment von 280 Nm sind auch heute noch beachtliche Werte. Vor allem, wenn man sich die Höchstgeschwindigkeit von 245 km/h und die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 6,8 Sekunden betrachtet.

Aber selbst die schwächeren Modelle waren mit 205 und 223 km/h sauschnell. Dem herausragenden cw-Wert von 0,26 sei Dank. In diesem Zusammenhang müssen auch die mit sieben Zentimetern äußerst schmalen Scheinwerfer erwähnt werden. Die darin verbauten Ellipsoid-Leuchten müssen mit ihrem Design auch heute nicht den Vergleich mit modernen LED-Leuchten scheuen.

Neben dem Turbo ragte der 2,5-Liter-V6 aus der Angebotspalette hervor. 170 PS stark und mit 237 km/h ebenfalls verdammt schnell. Überzeugend die Laufruhe, die diesen Calibra in einen Gleiter bester Couleur verwandelt.

Die sportlichen Erfolge

Opel spielte in den 1990er Jahren im Tourenwagensport ganz vorne mit. Neun Siege, 17 weitere Podestplätze, die Markenwertung für Opel und der Fahrertitel für Manuel Reuter machten 1996 die zweite (und zugleich letzte) Saison des International Touring Car Championship zu einer außergewöhnlichen Opel-Veranstaltung.

In der DTM steuerte Keke Rosberg, der als Formel-1-Weltmeister 1982 in die Annalen des Motorsports einging, von 1993 bis 1995 einen Opel Calibra V6 4×4. Im ersten Jahr war der Finne noch für das Opel Team Joest am Start, in den beiden Folgejahren mit seinem eigenen Team.

Daraus resultierten einige Sondermodelle wie unter anderem die schneeweiße Keke Rosberg Edition, die Calibra DTM Edition sowie die Calibra Cliff Motorsport Edition, mit der Opel die Meisterschaften in der DTM 1994 und 1995 sowie der ITC 1996 feierte. Die Calibra Last Edition beendete ab März 1997 die Bauzeit des formschönen Coupés.

Tipps für Sammler

Den in Finnland gebauten Exemplaren wird ein besserer Rostschutz nachgesagt. Und der ist auch extrem wichtig beim Calibra. Es sollte unbedingt auf die möglichen Schwachstellen bei den Türschwellern, den hinteren Radläufen, der A-Säule, der Motorhaube und dem Heckabschlussblech geachtet werden.

Sollte der Längsträger an den Federaufnahmen der Hinterachse verrostet sein, kann es brutal teuer und damit vollkommen unrentabel werden. Ersatzteile sind leider relativ teuer und spezifisch für den Calibra gebaute Teile kaum zu bekommen. Clubs und Foren können in solchen Fällen weiterhelfen.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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