Es ist die Geschichte des einmaligen Aufstiegs zweier Männer. Hauptdarsteller eines Krimis um Material und Millisekunden, um Staub und Schotter, um Power und Präzision: der Jochi und der Kurt. Und natürlich der Pikes Peak Hillclimb Golf mit zwei Rennmotoren.

Sagenhafte Leistung

479 kW (652 PS) leistet der Bi-Motor-Golf „Pikes Peak“ mit beiden Triebwerken und ich durfte auf dem Racetrack in Ascari auf dem Beifahrersitz für ein paar Runden den ohrenbetäubenden Lärm der beiden Motoren sowie deren unbändige Kraft genießen. Ein Erlebnis der besonderen Art, das mir ein breites Grinsen ins Gesicht meißelte.

Eine maximale Leistung von je 240 kW (326 PS) liefern die beiden Reihen-Vierzylindermotoren, bekannt aus dem damaligen Golf GTI 16V. Allerdings modifiziert, angeblasen von je einem Turbo und versorgt von Digifant-Einspritztechnik. Aufgrund der speziellen Renngetriebe änderte der österreichische Konstrukteur Kurt Bergmann die Einbaurichtung von quer auf längs und „versenkte“ beide Triebwerke so, dass ein optimal niedriger Schwerpunkt erreicht wurde. Und eben die perfekte Gewichtsverteilung von 50 zu 50.

 

„Die Idee dahinter war ganz einfach: Du kriegst doppelte Leistung und den Allradantrieb noch dazu“, erklärt Bergmann den Hintergrund der damaligen Entwicklung. Und diese leuchtet noch heute sofort ein: Vor 30 Jahren bestand der Großteil der Privatstraße zum Pikes Peak noch aus Schotter, da „brauchst du Traktion, Traktion, Traktion.“

1981 entwickelte Kurt Bergmann als Versuchsträger seinen ersten Volkswagen mit Bi-Motor, einen Jetta I, genannt „Twin Jet“. Es folgten Bi-Motor-Prototypen in Form von Scirocco II und zwei Golf II. Die Twin-Golf wurden tatsächlich von Volkswagen Motorsport im internationalen Wettbewerb eingesetzt. In den Jahren 1985 bis 1987 war ausnahmslos Jochi Kleint der Pilot, und immer trieb er den Golf den Pikes Peak hinauf.

Audi mit Walter Röhrl beim Pikes Peak Hillclimb

Audi war am Start, mit dem Sport quattro S1 und Kleint-Freund Walter Röhrl am Steuer. „Beim Walter musst Du dich warm anziehen“, lacht Jochi Kleint – er kennt sich aus. Kurt Bergmann zuckt nur mit den Schultern und resümiert lässig: „Wennst’ im Windschatten am Walter dranhängst, kannst’ so schlecht net sein …“

1987 wurde es leider nichts mit dem ersten Platz beim Pikes Peak Hillclimb. Nur 200 Meter vor dem Ziel hatte der Golf einen technischen Defekt. „Eine Revance wäre schön gewesen“, sagte uns Kleint, „aber vielleicht schafft Volkswagen es ja dieses Jahr!“

Der Volkswagen I.D. R Pikes Peak

Am 24. Juni 2018 wird Kleints „Kollege“ Romain Dumas mit dem rein elektrischen Rennfahrzeug I.D. R Pikes Peak 1  in Colorado Springs an den Start gehen. Das Ziel ist die Erprobung neuester Technologie für die Serie. Und endlich ein Sieg beim „Race to the Clouds“.

Der Rennwagen leistet 500 kW (680 PS), verfügt über ein Drehmoment von 650 Nm und wiegt unter 1.100 kg. Das Ziel: beim „Race to the Clouds“ den bestehenden Rekord von 8:57,118 Minuten für Elektrofahrzeuge zu unterbieten.

Testfahrten auf der insgesamt 19,99 Kilometer langen Bergrennstrecke in Colorado Springs sind nur abschnittsweise und in sehr begrenztem Umfang möglich. Das Gros der Testarbeit wird deshalb nicht auf dem tatsächlichen Kurs, sondern auf Rennstrecken absolviert. Mit der Enthüllung in Alès geht das Pikes-Peak-Programm von Volkswagen damit in die nächste Phase. Stay tuned!

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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