Das Kürzel VoPo hatte in Deutschland in den späten 1960er und den 70er Jahren zwei Bedeutungen. Hinter dem Eisernen Vorhang galt es der Volkspolizei, im Westen dem Porsche 914, auch VW-Porsche genannt.

1969 erblickte der Mittelmotor-Sportwagen mit einem 1,7-Liter-Vierzylinder-Boxer des VW Typ 4 dass Licht der Welt. Schlappe 80 PS ermöglichten eine für damalige Verhältnisse hohe Geschwindigkeit von über 186 km/h.

Fast wäre nix geworden aus dem kleinen Targa. Denn die mündlich getroffene Abmachung zwischen Ferry Porsche und VW-Chef Heinrich Nordhoff, auf der einen Seite für Porsche ein Modell unter dem 911 zu positionieren und auf der anderen Seite einen Nachfolger für das traumhaft schöne VW-Sportcoupé Karmann Ghia zu finden, scheiterte fast an dem plötzlichen Tod von Nordhoff.

Dessen Nachfolger Kurt Lotz erklärte die Absprache für nichtig und bestand darauf, dass Volkswagen die alleinigen Vertriebsrechte für die Porsche-Auftragsentwicklung erhielt. Nach viel Hin und Her einigten sich die beiden Kontrahenten auf den Kompromiss, den Wagen VW-Porsche zu taufen und durch ein gemeinsames Vertriebsnetz auf den Markt zu bringen.

Eingefleischte Porsche-Kunden akzeptierten die Namensgebung allerdings nicht, sodass vor allem der 914/6 mit dem 110 PS starken Sechszylinder-Boxer des Porsche 911 T unter dem fehlenden Image leiden musste. Solchermaßen links liegen gelassen, wurde dieses Modell nur 3.338-mal gebaut. Was ihn deshalb heute besonders begehrenswert macht.

Die Amis lieben den VW-Porsche

In den USA wurde der VW-Porsche ausschließlich mit dem Porsche-Signet und über das gemeinsame Vertriebsnetz von Audi und Porsche verkauft. Der Mittelmotorsportwagen erfreut sich bis heute größter Beliebtheit und so ist es kein Wunder, dass der größte Teil der bis zur Einstellung des 914 insgesamt 115.631 Sportwagen über den großen Teich verschifft wurden.

Motorsport und Tuning

Die Rennversionen wurden als 914/6 R respektive 914/4 GT bezeichnet. In erster Linie unterschieden sie sich von den Straßenversionen durch Kotflügelverbreiterungen, Verstärkungen der Karosserie, Überrollkäfig, einen zusätzlichen Ölkühler an der Front und einem 2-Liter-Motor mit Doppelzündung.

Tuner hatten mit dem Einbau stärkerer Motoren keine Probleme. Sogar der 3,2-Liter-Boxer von Porsche und die für die hohen Leistungen notwendigen Bremsanlagen und Spurstangen konnten im Porsche 914 verwendet werden.

Weitere Derivate des Porsche 914

Gerade einmal 11 Fahrzeuge wurden vom 916 gebaut. Die ersten drei erhielten den 190 PS starken Boxer aus dem 911 S, die weiteren acht die des 911 Carrera mit 210 PS. Fünf Modelle behielten die Familien Porsche und Piëch, die übrigen wurden an sehr gute Kunden verkauft. Von den beiden 914/8 mit dem luftgekühlten Achtzylinder-Boxer des Porsche 908/3 war eines das Versuchsfahrzeug von Ferdinand Piëch, das andere war das Geschenk zum 60. Geburtstag für Ferry Porsche.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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