Dellen in der Fahrertür, Risse an der Front- oder Heckschürze: Die Reparatur von ärgerlichen Parkschäden muss nicht immer teuer sein dank Smart Repair. Es können aber nicht alle Schäden einfach und kostengünstig abgewickelt werden. Im Artikel sind einige Beispiele aufgeführt, die mit Smart Repair sinnvoll behoben werden können.

Riss in Front- oder Heckschürze: Komplettaustausch oder Reparatur?

Nur einen kleinen Moment hatte Hans B. nicht aufgepasst: Beim Zurücksetzen touchierte er den Audi seines Kollegen. Folge: ein hässlicher Riss im Kunststoff. Kostenschätzung der Werkstatt: „Neue Frontschürze, Aus- und Einbaukosten, Lackierung – da müssen Sie mit mindestens 700 Euro rechnen.“

Bei solchen Summen kann es nicht schaden,  eine zweite Meinung einzuholen. So auch hier: Der Komplettaustausch war nicht nötig, ergab die Nachfrage in einer Werkstatt, die auf  „Smart Repair“ setzt, also clevere Reparatur. Ist der Riss im Kunststoff nicht zu groß, klebt ihn der Smart Repair-Experte. So auch im Fall des touchierten Audis. Unter dem Strich stand eine Rechnung von 350 Euro. Immer noch reichlich, aber nur noch halb so teuer wie ursprünglich veranschlagt.

Nahezu alle außen verbauten Kunststoffe lassen sich reparieren. Für eine Reihe von Schäden haben sich solche kostenfreundliche Methoden etabliert. Vor allem auf Druck der Versicherer, die so jedes Jahr gewaltige Summen sparen können.

Wann lassen sich die cleveren Reparaturmethoden anwenden?

Dellen im Blech: Aus dem Blech herausdrücken

Beim Hagelschaden können die meisten Autobesitzer ihre Teilkasko in Anspruch nehmen. Bei der Delle in der Seite, weil der Nachbar auf dem Supermarktparktplatz die Tür aufgerissen und sich natürlich nicht gemeldet hat, ist dagegen die eigene Geldbörse gefragt. Mit der Rückformtechnik ist es möglich, kleine Dellen wieder aus dem Blech herauszudrücken. Voraussetzung: Der Schaden ist von innen zugänglich und der Durchmesser nicht größer als fünf Zentimeter. Mit speziellen Stangen drückt der Werkstattmitarbeiter von innen gegen das Blech, so dass die Delle wieder herausspringt. Und zwar so, dass der Lack dabei keinen Schaden nimmt – damit sind Folgearbeiten wie Schleifen, Spachteln und Nachlackieren überflüssig. Diese Technik kann bei Stahl- und Aluminium-Blechen eingesetzt werden.

Ein Kratzer im Lack: Spot-Lackierung hilft

Ein böser Steinschlag oder der innige Kontakt mit dem Gartenzaun haben hässliche Kratzer im Lack zur Folge. Wenn diese nicht zu groß sind – als Faustregel gelten bei punktuellen Schäden Durchmesser von 3,5 Zentimetern, bei Kratzern zehn Zentimeter Länge –, kann die Spot-Technik angewendet werden. Mit einer Airbrush-Pistole trägt der Lackierer die neue Farbe auf. Damit lässt sich sehr viel gezielter arbeiten als mit einer herkömmlichen Sprühpistole. Ob diese kostensparende Lackiertechnik angewendet werden kann, hängt nicht nur von der Größe, sondern auch vom Ort  des Schadens ab. An der Stoßstange fällt eine Reparatur weit weniger auf als mitten auf der Motorhaube. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist die Farbe des geschädigten Fahrzeugs. Je dunkler der Lack, desto weniger sichtbar ist die Spot-Lackierung.

Kunststoff: Kleben statt austauschen

Kunststoffschäden im Innenraum (Armaturenbrett, Seitenverkleidungen) lassen sich mit der Heißlufttechnik verschweißen, schleifen und lackieren. Löcher in Sitzen werden mit einem Stück Polster, das an einer unauffälligen Stelle herausgeschnitten wird, verklebt. Alternativ können auch Fasern im Farbton des Sitzes angerührt und dann eingeklebt werden.

Steinschlag in der Scheibe wird mit Harz gefüllt

Steinschläge hinterlassen hässliche Narben auf der Windschutzscheibe. Solche Steinschlagschäden können mit einem Kunststoffharz gefüllt, so dass sich das Loch nicht zu einem kapitalen Riss ausweiten kann. Vorteil dieser Methode: Zwar zahlt die Teilkasko den Komplettaustausch der Scheibe, die meisten Autofahrer müssen aber eine Selbstbeteiligung von 150 Euro tragen. Die Reparatur der Scheibe übernehmen die meisten Versicherer ohne Abzug. Allerdings dürfen nur Steinschläge bis zu einer gewissen Größe repariert werden, und sie dürfen sich nicht im direkten Sichtfeld des Fahrers befinden. Das ist, grob gesagt, die Fläche eines Din A4-Blatts oberhalb des Lenkrads. Eine Reparatur mit der oben genannten Methode entfällt zudem im Randbereich der Scheibe, der etwa 5 – 8 cm beträgt.

Smart Repair ist keine zweitklassige Lösung

Dass die neuen Reparaturmethoden keine Arbeiten zweiter Klasse sind, hat das Oberlandsgericht Karlsruhe (Aktenzeichen: 19U 57/03) festgehalten: Die  „lackschadenfreie Ausbeultechnik“ entspricht dem Stand der Technik. Damit erhielt eine Versicherung Recht. Diese weigerte sich, eine Reparatur nach der alten, teuren Methode zu zahlen.

 

Hier finden Sie Hilfe bei Schäden an Karosserie, Scheibe oder Rädern

Dellenhotline:  Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik

Smartrepair-Verzeichnis: Systemanbieter von Reparaturlösungen

Karmexx Max Karmel GmbH: Fullservice-Werkstatt

Lackdoktor: Lackspezialist

Carglass: Spezialisiert auf Scheibenreparaturen

Car-Top:  Lackspezialist

Wintec-Autoglas: Scheibenspezialist

Scheibendoktor:  Scheibenspezialist

Wheeldoctor: Spezialist für Felgenreparaturen

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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