Nicht nur die 68er Generation fand den Renault 4, kurz R4, cool und revolutionär.

Der kompakte Viertürer revolutionierte auch den Automobilbau und setzte als weltweit erste Kombi-Limousine Maßstäbe, die zum Teil bis heute gelten. 1961 debütierte der viertürige Kleinwagen mit großer Heckklappe auf der IAA in Frankfurt.

Pierre Dreyfus, seiner Zeit Vorstandsvorsitzender der Renault S.A., hatte bereits 1956 die Idee, als er einen Zeitungsartikel über die demographische Entwicklung in Frankreich las. Ein Auto wie der R4 sollte junge Leute genauso ansprechen, wie ein Rentner-Ehepaar. Ein Auto, das wie eine Bluejeans Klassengrenzen sprengt und sich für jede Gelegenheit eignet.

Deshalb ist der Auftrag an die Entwicklungsingenieure durchaus radikal zu nennen. Hatte der Vorgänger 4CV Heckantrieb, sollte der R4 faktisch neu erfunden und ein Fronttriebler werden. Zudem basierte er als erstes Volumenmodell auf ein Baukastensystem mit Plattformstrategie.

Dies machte es möglich neben der viertürigen Kombi-Limousine, den ebenfalls äußerst erfolgreichen Kastenwagen Fourgonnette nur einen Monat später auf den Markt zu bringen. Drei Jahre später wurde das Portfolio mit dem Sinpar 4×4 und einem Pickup erweitert. 1969 kam mit dem Plein Air, ein Cabrio ohne Türen im Stil der Buggies dazu und 1970 folgte das Freizeitmobil Rodeo mit einer Kunststoffkarosserie.

Antrieb und Fahrverhalten

Grundsätzlich verfügte der R4, der ab 1965 offiziell in Renault 4 umbenannt wurde, über einen Vierzylinder-Benziner. Die Leistung war über die Bauzeit von 31 Jahren bescheiden zu nennen. Die Spanne reichte je nach Hubraum (747 cm³ bis 1.108 cm³) von 23 bis 34 PS. Das hinderte Renault aber nicht, den R4 1962 und 1963 bei der Rallye Monte Carlo einzusetzen.

Die Revolverschaltung war mit einem synchronisierten Dreigang-Getriebe verbunden, vor 60 Jahren noch nicht selbstverständlich. Der Einbau des Motors erfolgte nach dem Front-Mittelmotor-Prinzip. Durch die damit erreichte neutrale Gewichtsverteilung mutet das Fahrverhalten narrensicher und sogar sportlich an.

Das Fahrwerk mit einzeln aufgehängten Hinterrädern tat ein Übriges, um für hohen Fahrkomfort und Spurstabilität zu sorgen. Der bis zu 120 km/h schnelle Kompaktwagen war sparsam und gleichzeitig genügsam, was Wartung und Pflege anbetraf.

Lange Bauzeit

Sagenhafte 31 Jahre wurde der Renault 4 technisch nahezu unverändert gebaut. Bereits 1964 waren eine halbe Million Exemplare unterwegs. Über die Jahre wurden viele Details nach und nach verbessert und die eine oder andere optische Retusche vorgenommen. 1965 unter anderem mit einem neuen Hauptbremszylinder und einer überarbeiteten Heizungs- und Lüftungsanlage.

1967 kam ein Viergang-Getriebe zum Einsatz und ein Jahr später wurden die Scheinwerfer in den neu gestalteten Kühlergrill integriert. Ab 1973 werden die deutschen Modelle mit 34 PS ausgeliefert und 1977 gehören eine Zweikreis-Bremsanlage, Halogenscheinwerfer, eine beheizbare Heckscheibe sowie Automatikgurte, Kopfstützen und eine Verbundglas-Frontscheibe zum Serienumfang.

1988 verabschiedet sich der Renault 4 mit dem Sondermodell Salü für 12.590 DM aus Deutschland. 1992 endet die Produktion mit dem Sondermodell Bye-bye nach einer Gesamtproduktion von 8.135.424 Exemplaren.

Tipps für Sammler

Portugal und der Süden Frankreichs sind die idealen Gebiete, um einen weitestgehend rostfreien Renault 4 zu ergattern. Aber auch in Deutschland sind noch viele Exemplare verfügbar. Kein Wunder, wurden doch rund 900.000 R4 verkauft. Rat und Hilfe finden Interessenten beim Renault 4 Club Deutschland.

Dietmar Stanka