1972 revolutionierte der Renault 5 die Kleinwagenklasse mit großen Türen und einer praktischen Heckklappe.

Der Nachfolger des R4 basierte auf Kundenumfragen und wurde entsprechend dieser Bedürfnisse konstruiert. Als geistiger Vater des Renault 5 gilt Bernard Hanon. Der aus den USA stammende Professor für Management an der New York University brachte zwei wesentliche Erkenntnisse mit nach Europa. Das Faible junger Menschen für das Unkonventionelle und die Umbrüche in der Gesellschaft, wie die Studentenrevolten zeigten.

Das kindliche Äußere des Renault 5 mit den großen Scheinwerferaugen und den großen Kunststoffstoßfängern korrespondiert bestens mit den für die 1970er Jahren typischen Knallerfarben Giftgrün und Orange. Ob die drei Aschenbecher der Popularität von Gauloises und Gitanes geschuldet waren, liegt im Bereich der Spekulation.

Antrieb und Fahrverhalten

Während in Frankreich der aus dem R4  bekannte Vierzylinder mit 34 PS im Renault 5 L die Basis bildet, wird in Deutschland das modernere Triebwerk mit 36 PS angeboten. Der TL leistet sogar 44 PS, die den nur 775 Kilogramm schweren Kleinwagen auf eine Spitze von 137 km/h treibt. Die Seitenneigung bei schnellen Kurvenfahrten war ähnlich spektakulär wie beim R4, das Fahrverhalten war dennoch dynamisch und äußerst agil.

Die sparsamen Motoren passten in die Zeit der Ölkrise, sodass auch männliche Kunden von dem Kleinen angetan waren. Spaßiger wurde es 1975, als eine Alpine-Variante mit satten 93 PS auf den Markt kam. Aus der Formel 1 adaptierten die Entwickler den Turbolader in den R5. Der Renault 5 Alpine Turbo überzeugte 1981 mit 108 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 191 km/h.

Ein Jahr zuvor rollte ein extremer Renault 5 Turbo auf die Straßen. 160 PS stark, 20,2 Zentimeter breiter und den Motor hinter den Vordersitzen platziert. Die brachiale Leistung des 1,4-Liter-Turbomotors wurde auf die Hinterachse übertragen, an der Räder der Dimension 220/55 VR 365 montiert waren. In 6,9 Sekunden katapultierte sich dieser Racer aus dem Stand auf 100 km/h, was ihm einen Platz in der Riege der Supersportwagen sicherte.

Varianten und die zweite Generation

1980 debütierte der Renault 5 mit einem sechs Zentimeter längeren Radstand als Viertürer. Die zweite Generation, in Frankreich Supercinq genannt, folgte 1984 nach mehr als 5,5 Millionen Exemplaren der ersten 12 Jahre. Mit 3,59 Metern um 8,5 Zentimeter länger, wurde der Neue von Anfang an auch gleich als Viertürer angeboten.

Die Motorenpalette reichte von bescheidenen 41 PS aus einem 1-Liter-Vierzylinder bis hin zu dem 1,4-Liter-Turbo des 115 PS starken GT Turbo. Ab 1986 hielt dann der geregelte Katalysator Einzug und im gleichen Jahr kam zudem der 1,6-Liter-Diesel mit 55 PS auf den Markt. Mit einem Drittelmix von 5,1 Litern pro 100 Kilometer zählte er seinerzeit zu den sparsamsten Modellen.

22 Jahre und 9.008.912 Exemplare später wurde die Produktion des beliebten Franzosen eingestellt. Obwohl seit 1990 der Nachfolger Clio angeboten wurde, verlor der Renault 5 nichts von seiner Popularität die bis heute anhält. Eine Art Nachfolger des R5 der elektrischen Sorte wurde 2021 als Konzeptfahrzeug präsentiert. Das Serienfahrzeug könnte 2024 in den Handel kommen.

Motorsport mit dem Renault 5

Der kleine Flitzer war prädestiniert für den Motorsport. Ab 1974 wurde der Renault 5 mit dem eigenen Markenpokal noch populärer. Einer der Rennfahrer, die damals ihre Karriere starteten, war Joachim „Jockel“ Winkelhock, der später große Erfolge mit einem BMW M3 in der DTM feierte und 1999 unter anderem das 24-Stunden-Rennen von Le Mans gewann. Bis heute ist er zudem Markenbotschafter bei Opel.

Tipps für Sammler

Rost ist an nahezu allen Ecken ein Thema beim Renault 5. Trotz mehr als 9 Millionen produzierter Exemplare überlebten nur wenige. Laut Classic-Analytics kostet ein gut erhaltener R5 6.800 Euro. Mit über 100.000 Euro sind die dickbackigen R5 Turbo deutlich teurer.

Dietmar Stanka