Wenn Autofahrer bei einem Stau auf der Autobahn rechtzeitig eine Rettungsgasse bilden, verbessern sich die Überlebenschancen von Verletzten erheblich. Leider haben viele Autofahrer das Prinzip der Rettungsgasse immer noch nicht verstanden. Oder sie behindern Notarzt und Feuerwehr sogar absichtlich.

Bei einem Notarzteinsatz kommt es auf jede Minute an. Um bis zu 40 Prozent erhöhen sich die Überlebenschancen eines schwerverletzten Autofahrers, wenn die Retter früher ans Ziel kommen, sagt zum Beispiel die Asfinag, die für den Unterhalt der Straßen im Nachbarland Österreich zuständig ist. Und auch der TÜV Süd kommt zum Ergebnis:

Jede Minute, in der die Rettungskräfte schneller an der Unfallstelle sind, erhöht die Überlebenschance statistisch um bis zu zehn Prozent. Soweit die positive Auslegung der Statistik. Leider wird sie in letzter Zeit oftmals eher negativ verwendet. Denn die Berichte über Unfälle auf mehrspurigen Straßen zeigen, dass Rettungskräfte teils massiv behindert werden.

Das liegt einerseits an Gaffern, die nicht langsam genug fahren können, um einen Blick aufs Unfallgeschehen zu erhaschen und damit weitere Staus, auch auf der Gegenfahrbahn produzieren.  Dabei werden dann auch noch Fotos oder Videos geschossen, die sich so wunderbar bei Facebook teilen lassen. Oder für die sich sogar Abnehmer in den Boulevardmedien finden.  Nicht selten werden Rettungskräfte sogar absichtlich behindert.

Rettungsgasse rechtzeitig bilden

Häufigster Grund, dass Notarzt und Feuerwehr später als nötig an der Unfallstelle ankommen: Es wird nicht rechtzeitig im Stau eine  Rettungsgasse gebildet. Dabei ist die Faustformel leicht zu merken: „Staut sich der Verkehr auf mehrspurigen Straßen, fahren die Fahrzeuge auf der linken Spur nach links, alle anderen nach rechts, so dass sich zwischen der linken und der Spur rechts daneben eine ausreichend große, durchgängige Gasse bildet“, erinnert Eberhard Lang vom TÜV Süd an die Fahrschullektion. Das gilt übrigens für alle Fahrzeuge, auch für Motorräder. Grundvoraussetzung fürs Bilden einer Gasse im dichten Verkehr ist allerdings: Ausreichend Abstand halten, um manövrierfähig zu bleiben.

Rettungsgasse auf einer zweispurigen Straße

Staut sich der Verkehr: Fahrzeuge auf der linken Spur fahren an den linken Fahrbahnrand, Fahrer auf der rechten Spur fahren nach rechts. Dabei auf ausreichend Abstand zu den Leitplanken achten – damit notfalls die Fahrzeugtür noch geöffnet werden kann.

Rettungsgasse auf einer drei- oder mehrspurigen Straße

Stockt der Verkehrsfluss: Abstand halten. Auf drei Spuren lenken Fahrer auf der linken Spur ebenfalls an den linken Fahrbahnrand, während die auf der mittleren Spur sich nach rechts orientieren und so zwischen der linken und der mittleren Spur eine ausreichend große Gasse entsteht. Fahrzeuge auf der rechten Spur weichen ebenfalls nach rechts aus. So wird es auch gemacht, falls mehr Spuren vorhanden sind.

Rettungsgasse nach Durchfahrt der Rettungsfahrzeuge halten

Die Versuchung ist groß: Sind die Rettungsfahrzeuge vorbei, wird die Gasse von vielen aufgelöst, obwohl weitere Fahrzeuge folgen könnten. Andere nutzen sie sogar, um direkt hinter den Rettungskräften schneller voranzukommen. Das ist nicht nur rücksichtslos gegenüber den anderen Verkehrsteilnehmern, sondern eine grobe Verkehrsgefährdung, die weitere Unfälle verursachen kann.

 

Wie die Rettungsgasse auch auf drei- oder vierspurigen Autobahnen funktioniert, zeigt dieses Video der Asfinag

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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