Das Design des Saab 96 ist speziell. Oder auch individuell und originell.

Das galt 1960 genau wie heute. 20 Jahre wurde das 4,30 Meter lange Automobil gebaut. Insgesamt mehr als 547.000 Einheiten und dazu noch einmal über 110.000 von der Kombiversion Saab 95.

Nach Deutschland verirrten sich nur rund 2.000 Exemplare dieses Modells. Das lag, neben der gewöhnungsbedürftigen Optik, auch an den gesalzen Preisen. 1960 kostete ein Saab 96 7.200 Deutsche Mark, ein Opel Kadett wurde dagegen für rund 5.000 DM angeboten.

Als Antrieb wurde anfangs ein 850 cm³ großer Dreizylinder-Zweitaktmotor mit 28 kW (38 PS) verwendet. Mit dem 96 Sport stieg die Leistung auf 38 kW (52 PS). Mit gut 145 km/h war der Schwede seinerzeit zügig unterwegs.

Der Zweitakter brachte aber eine Menge Nachteile mit sich. Dazu gehörten sein extremer Durst, ein unrunder Leerlauf und hohe Abgaswerte. Ab 1967 wurde deshalb der 1,5-Liter-Viertakter des Ford Taunus eingebaut. Mit bis zu 50 kW (68 PS) lief der Saab immerhin 7 km/h schneller als mit dem alten Antrieb.

Neben dem zweitürigen 96 wurde im Saab Stammwerk in Trollhättan die Kombiversion 95 gefertigt. Ein besonderer Gag war eine dritte, aufklappbare  Sitzbank, die entgegen der Fahrtrichtung montiert war.

Saab 96

Saab 96

Fahrvergnügen mit dem Saab 96

Ist man mit dem Saab 96 zu zweit unterwegs, sollte man sich gerne kommen. Es geht nämlich reichlich eng zu, Schulterfreiheit war bei dem Flugzeughersteller Saab noch kein Thema. Gut, dass der Schalthebel am Lenkrad positioniert ist.

Aus dem hohen Norden kommend, ist der kugelige Genosse ein ideales Winterauto. Die Wärmezufuhr ähnelt dem eines gut gefüllten Kamins und für den Popo gibt es tatsächlich eine Sitzheizung. Die großen Räder und der Frontantrieb sorgen auch auf verschneiten und eisigen Pisten für den nötigen Vortrieb.

Saab 96 V4 von 1977

Saab 96 V4 von 1977

Erfolge im Motorsport

Große Aufmerksamkeit erreichte der Saab 96 schnell mit großen Erfolgen im Rallye-Sport. Von 1960 bis 1962 gewann der Schwede die britische RAC-Rallye. 1962 und 1963 ließ er die Konkurrenz bei der Rallye Monte Carlo alt aussehen. Mit Erik Carlson am Steuer war die Rallyeversion des kugeligen Schweden nahezu unschlagbar. Sein letzter großer Erfolg war der Sieg der Barum Rally Zlín im Jahre 1967. Carlson war die schwedische Rallye-Legende der 1950er und 1960er Jahre und machte seinem Beinamen Carlson auf dem Dach wegen seiner spektakulären Fahrweise alle Ehre. Mit seinen Rallyewagen rollte er nämlich des Öfteren über das Dach ab.

Saab 96 Rallye-Monte Carlo 1963

Saab 96 Rallye-Monte Carlo 1963

Tipps für Sammler

Stabil und langlebig wurde damals gebaut. Die Motoren von Ford sind deutlich wartungsärmer als die Dreizylinder von Saab. Ein guter Schrauber sollte sich dennoch um die Einstellung des Ventilspiels kümmern. Der in der in der Sammler-Szene bekannte und mit der Zeit auftretende Verschleiß der drei Stirnräder sollte auch von einem Fachmann begutachtet werden. Eine gute Adresse ist in Deutschland der Saab-Club e.V.

Saab 96 1960

Saab 96 1960

Dietmar Stanka