Die ersten VW Käfer fuhren mit einem 6-Volt-Bordnetz durch die Gegend, bis sich in den 1960er Jahren das 12-Volt-Bordnetz branchenweit durchsetzte. Das bis heute weltweiter Standard ist. Wesentlich effizienter und vielseitiger ist dagegen das von Schaeffler 2013 vorgestellte 48-Volt-Bordnetz. Ein konsequenter technologischer Fortschritt, da mehr Dynamik mit 48 Volt erzielt wird.

Rückblick

Die erste Begegnung mit einem Automobil, das mit einem 48-Volt-Bordnetz ausgestattet war, hatte ich 2015 in Schweden. Mit einem Prototyp namens Audi RS5 TDI konnte ich auf einer Rennstrecke in der Nähe von Malmö erste, äußerst beeindruckende Testrunden absolvieren.

Die Kraft der 48 Volt nutzte Audi unter anderem für einen elektrischen Verdichter, eine Art dritten Turbo, der das Drehmoment von 900 Nm bereits bei 1.000 Umdrehungen pro Minute zur Verfügung stellt. Im direkten Vergleich mit einem Audi RS6 mit 560 PS konnte der 48-Volt-Sprinter auf den ersten 200 Metern locker mithalten.

Die zweite Begegnung mit 48 Volt war wieder mit einem Audi, allerdings einem Serienfahrzeug. Im vergangenen Sommer bewegte ich den unglaublich agilen SQ7 durch den Elsass und war von Performance wie auch dem effizienten Umgang mit dem Kraftstoff absolut überzeugt. Nachzulesen im Auto Steckbrief dieses dynamischen Audi.

Energiebedarf

Mit dem Einzug von immer mehr Elektronik in moderne Automobile stieg der Energiebedarf drastisch an. Das 48-Volt-Bordnetz ist für die Lösung dieser neuen Probleme wie geschaffen. Durch die Vervierfachung der Spannung von 12 auf 48 Volt lässt sich bei reduzierten Leitungsquerschnitten die Leistung von 3 auf 12 kW steigern. Trotz dieser Steigerung zählen die 48 Volt zu den Niedervoltanlagen und liegen somit noch in einem für Menschen ungefährlichen Bereich.

48 Volt Einsatzgebiete

Schaeffler zeigt mit einer Reihe von Versuchsträgern die Einsatzgebiete des 48-Volt-Bordnetzes auf. Jüngstes Beispiel ist der High Performance 48 V auf Basis eines Audi TT aus dem Jahr 2016. Eine dauerhaft verfügbare elektrische Leistung von 20 kW lässt ihre Kraft zu den beiden Hinterrädern fließen, während der Verbrenner die Vorderachse antreibt.

Dieser ist mit einem 48-Volt-Riemen-Starter-Generator verbunden, der unter anderem das Start-Stopp-System wesentlich schneller ansprechen lässt. Allein der E-Motor erzeugt ein Anfahrmoment von bis zu 2.000 Nm, was rein elektrisches Fahren bis zu 35 km/h ermöglicht. Aktives Segeln bei konstantem Tempo ist bis 70 km/h machbar.

Ergebnis: Mehr Dynamik mit 48 Volt

48 Volt sollte schnellstmöglich in die Praxis transferiert werden. Durch die Hybridisierung des Antriebs kann der Verbrauch um bis zu 15 Prozent gesenkt und zudem die Leistungs gesteigert werden. Damit lässt sich der CO2-Ausstoss bei überschaubaren Kosten signifikant verringern. Ein Plus für die Umwelt und eine relativ einfache Lösung für die Erreichung der Klimaziele.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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