Einige Automobilhersteller starteten ihr Unternehmen mit dem Bau von Fahrrädern. So auch Skoda. 1895 gründete der Buchhändler Václav Klement zusammen mit dem Mechaniker Václav Laurin eine Firma zur Produktion von Fahrrädern.

Mich brachten die Tschechen im Frühsommer 2015 von vier auf zwei Räder. Im Rahmen der Pressevorstellung des Skoda Superb wandelte ich in meinem Fahrbericht auf den Spuren des Giro d’ Italia. Der unter anderem durch die Toskana führt, wo ich das erste Mal in meinem Leben des Fotoshootings wegen auf einem Rennrad saß. Klar bin ich seit Kindesbeinen Fahrrad gefahren, anfangs klassische Tourenräder, später Mountainbikes. Aber ein Rennrad? Niemals vorher.

Feuertaufe in Berlin

Wenige Wochen später gab es für mich die Feuertaufe auf dem Rennrad. Skoda lud zum Velothon nach Berlin und ich durfte mich auf der rund 67 km langen Strecke durch die Bundeshauptstadt kräftig abstrampeln. Ich teilte mir meine Kräfte gut ein und kam mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 km/h im Ziel an. Lächerlich, wird so mancher Zeitgenosse sagen, für mich dennoch eine gute Leistung.

Skoda und die Tour der France

Eine Herausforderung der besonderen Art war die Einladung von Skoda zur Tour de France ein paar Wochen später. Mitte Juli ist es auch gar nicht heiß in der Gegend um Toulouse, wo wir zum Einstimmen auf den eigentlichen Tour-Tag eine 70 Kilometer lange Runde drehten. Die Temperaturen stiegen des Nachmittags auf gut 37 Grad, was einer frischen Atemluft entgegenwirkte. Ich kam mir vor, als wenn mir ein 1.200 Watt starker Föhn in den Mund blasen würde.

Wie auch immer, ich kam ans Ziel und bereitete mich geistig und moralisch darauf vor, am kommenden Tag nicht mit dem Rennrad unterwegs zu sein. Aber es kam natürlich ganz anders und extrem besonders. Ich wurde im VW-Bus mit einer Gruppe, die ebenfalls nicht aufs Rad gestiegen ist, nach Les Cabanes gebracht. Einem Städtchen in den französischen Pyrenäen, hübsch gelegen im Tal des Flusses Ariège.

Plateau de Beille

Gleichzeitig die einzige Möglichkeit, auf das berühmt-berüchtigte Plateau de Beille hochzufahren. An diesem Tag der Etappenendpunkt der Tour de France. Die 1.226 Höhenmeter sind mit mittels eines rund 16 Kilometer langen Anstiegs zu bewältigen und werden von den Profis in rund 40 Minuten erklommen.

Die Entscheidung, mir das Fahrrad aus unserem VW-Bus zu holen, mir eine Flasche Wasser aus dem Supermarkt zu besorgen, diese in meine Plastik-Flasche umfüllte und den Weg nach oben antrat, ist eine der besten in meinem Leben gewesen. Ein Backup hatte ich zudem in Petto. Der VW-Bus mit den im Les Cabanes verbliebenen Tour-Kameraden startete etwa eine Stunde später nach oben und hätte mich am Straßenrand auflesen können.

Morgens um kurz nach 9 Uhr war in den Pyrenäen die Temperatur noch sehr angenehm. Um die 20 Grad und Gott sei Dank immer wieder Schatten auf der Passstraße hoch zum Plateau de Beille. Nervig waren nur die extremen Diesel-Qualm ausstoßenden Lkws und Busse der Hundertschaften an Gendarmen, die auf den Berg gekarrt wurden.

Wassermangel behoben

Ein weiteres Problem hatte ich unten im Tal der Ariège nicht bedacht. Etwa 0,7 Liter Wasser sind nicht genug, um solch eine Etappe zu bewältigen. Um den ersten Tropfen bettelte ich bei einem Team, das ebenfalls mit einer Gruppe Rennradfahrer unterwegs war. Die zweite Füllung erhielt ich von einem französischen Ehepaar, das mit dem Camper an der Straße stand. Die dritte und vierte Füllung verdankte ich Mutter Natur, die das Wasser aus dem Fels sprudeln ließ.

Solchermaßen bestens versorgt, quälte ich mich im niedrigsten Gang Meter für Meter hoch in Richtung Plateau. Freundlicherweise zweimal angeschoben von mitleidigen Fans der Tour, die mir mit dem anfeuernden Ruf “Allez, allez” weitere Motivation verschafften. Da ich in Erinnerung hatte, dass etwa einen Kilometer vor dem Ziel die Skoda-Bandenwerbung beginnen soll, hegte ich nach jeder Kurve die Hoffnung, diese bald zu entdecken.

Und tatsächlich, nach der gefühlten hundertsten Kehre sah ich sie vor mir. Die weiß-grünen Werbebanner, deren Farben und Schriftzüge auch mein Trikot schmückten. Ich meine mich erinnern zu können, dass sich die Steigung, die durchschnittlich acht Prozent beträgt plötzlich abflachte und ich noch einmal kräftig in die Pedale treten konnte.

Ein paar hundert Meter weiter war ich dann endlich am Ziel. Nicht ganz oben auf dem Plateau de Beille, aber angekommen bei dem Zelt, dass Skoda für unsere Crew aufgebaut hatte. Unglaubliche Glücksgefühle durchströmten mich und mein Grinsen wurde nur von meinen Ohren aufgehalten. Ich benötigte für die 16 Kilometer und 1.226 Höhenmeter etwas mehr als zwei Stunden. Für mich ein sensationeller Wert und eine herausragende Erfahrung.

Das eigene Rennrad

Wie gut, dass ich in meiner Heimatstadt München Daniel Weber als Freund habe. Der ehemalige Radprofi und jetzige Triathlet beriet mich beim Kauf meines ersten Rennrads nur einige Tage nach meiner Tour de France. Da ich bis dato mit Turnschuhen unterwegs war, musste ich mich an die Klickschuhe gewöhnen, was aber nach wenigen Kilometern passiert war.

Die ersten Rennrad-Runden waren zwischen 30 und 50 Kilometer lang und da sich der Winter 2015/16 erst Anfang Januar mit Schnee meldete, fuhr ich bis ins neue Jahr zumindest noch kleine Runden um die Mittagszeit.

Der zweite Velothon mit Skoda

Vor knapp 1 ½ Jahren habe ich mein erstes Alu-Rennrad in einen Carbon-Racer getauscht. Wenn es Zeit und Wetter erlauben, sitze ich durchschnittlich an zwei bis drei Tagen pro Woche auf dem Rad und bin im Voralpenland zwischen 50 und 75 Kilometern pro Tour unterwegs.

Am 18. Juni 2017 absolvierte ich meinen zweiten Velothon in Berlin. Wieder mit Skoda, die mit einem Starterfeld von knapp 600 Rennradlern die größte Gruppe der knapp 12.000 Teilnehmer stellten. Um 7.30 Uhr fiel der Startschuss und los ging die wilde Fahrt vorbei an der Gedächtniskirche hinaus in den Grunewald.

Dort entlang am Wannsee bis zur Avus. Nachdem diese unterquert war, fuhren wir durch Steglitz und über das Tempelhofer Feld in Richtung Mitte. Das Brandenburger im Blick überquerte ich die Ziellinie nach 1:57:54 65 Kilometer mit einem Schnitt von 33,14 km/h. Für mich ein tolles Erfolgserlebnis, schließlich konnte ich meine Durchschnittsgeschwindigkeit um über 6 km/h steigern.

Solchermaßen motiviert freue ich mich auf Mitte Juli und eine weitere Etappe während der Tour de France. Aber das wird eine andere Geschichte.

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka

Letzte Artikel von Dietmar Stanka (Alle anzeigen)