Sommerreifentest 2018: Die Automobilclubs haben aktuelle Pneu für Kleinwagen, Kompaktklasseautos und Mittelklassemodelle unter die Lupe genommen. Ergebnis: Gute Reifen müssen nicht teuer sein.

Wer nach dem Winter neue Sommerreifen für sein Fahrzeug braucht, sollte sich vor dem Reifenwechsel rechtzeitig umschauen. Der Preisvergleich beim Reifenkauf kann viel Geld sparen. Bei der Entscheidung für ein bestimmtes Reifenmodell hilft der Blick in einen aktuellen Sommerreifentest. Die Ergebnisse der neuesten Tests kurz zusammengefasst:  Zweitmarken der großen Premiumarken oder Hersteller aus der zweiten Reihe schließen im Sommerreifentest von ADAC oder ACE mit guten bis sehr guten Noten ab. Somit sind sie eine gute Alternative zu den etablierten Premiummarken.

Der ADAC und seine Partnerclubs TCS aus der Schweiz und ÖAMTC aus Österreich haben sich in diesem Jahr Sommerreifen der Größen 205/55 R 16  vorgenommen. Diese Reifendimension wird häufig in der Kompaktklasse eingesetzt. Als zweites Testfeld hatten die drei Clubs die Reifendimension 175/65 R 14 im Test, diese passen auf viele Kleinwagenmodelle.

Sommerreifentest Kompaktklasse: Die Größe 205/55 R16

Was bereits beim letztjährigen Test von Winterreifen auffiel, setzt sich laut ADAC  im aktuellen Sommerreifentest fort: Preisgünstige Zweitmarken erzielen gleich oder ähnlich gute Ergebnisse wie die Konzernmütter. In der Golf-Dimension 205/55 R 16 erreicht der Bridgestone-Ableger Firestone mit dem Roadhawk die identische Gesamtnote 2,3. Ähnlich bei Conti-Tochter Semperit: Der Speed-Life 2 schnitt nur minimal schlechter ab als der Conti Premium Contact 5.

Den Test in dieser Reifendimension entschied der Michelin Premacy 3 mit der Gesamtnote 2,1 für sich. Ihm folgten mit ebenfalls guter Gesamtnote Bridgestone Turanza T001 Evo, Continental Premium Contact 5, Firestone Roadhawk, Hankook Ventus Prime 3 K125 und Semperit Speed-Life 2. Am Ende des Feldes mit Gesamtnote ausreichend der Infinity Ecosis und der Vredestein Sportrac 5, die beide durch den Schnellauftest fielen.

Sommerreifentest für Kleinwagen: Die Größe 175/65 R14

Bei den 175er Reifen, die als Standardbereifung auf Kleinwagen passen (Testfahrzeug im Sommerreifentest des ADAC: Ford Fiesta) holten nur zwei Reifenmodelle die Gesamtnote gut. Als Sieger setzte sich der Falken Sincera SN832 Ecorun knapp gegen der Semperit Comfort-Life 2 durch. Es folgt ein breites Feld an Reifenmodellen, die mit dem Gesamturteil befriedigend benotet wurden. Seinen Schwächen bei Nässe verdankt der Sava Perfecta die Note ausreichend.

Diese Nassbremsschwäche kann durchaus teuer werden. Während der Continental PremiumContact 5 als Bester dieses Testpunkts aus Tempo 80 auf nasser Fahrbahn nach 42,7 Meter zum Stehen kommt, kommt das Auto mit den montierten Sava Perfecta erst nach 52,5 Metern zum Halten. Das sind zwei Wagenlängen und im Ernstfall viel verbogenes Blech.

 

Sommerreifentest für die Mittelklasse: Die Größe 235/45 R18

Auf etwas dickere Reifenformate setzten Automobilclub ACE, sein österreichischer Partnerclub ARBÖ und Gesellschaft für Technische Überwachung (GTÜ). Getestet wurden elf Reifen der Größe 235/45 R18. Auch hier fiel das Fazit so aus: „Wer seinem Mittelklasse-Pkw ein sportliches Aussehen verleihen möchte, muss bei der Reifenwahl nicht zwangsläufig auf teure Reifen setzen.“  Insgesamt war das Feld der Sommerreifen so eng beieinander wie bei keinem bisherigen Reifentest von GTÜ und ACE. Alle elf Sommerreifen erhalten das Testurteil „empfehlenswert“.

Testsieger ist der Falken Azensis FK510. Er überzeugt in den einzelnen Testdisziplinen, erzielt mit 40,89 Metern Bremsweg aus 100 km/h den Bestwert auf nasser Strecke. Aber auch der Preis stimmt. Mit 554 Euro für einen Satz Reifen liegt der Falken im Mittelfeld aller getesteten Reifen. Insgesamt lag das Testfeld in in einer Preisspanne zwischen 362 und 774 Euro. Überraschend gut auf dem zweiten Platz rangieren Kumho Ecsta PS71 und Nokian zLine. Beide sind mit knapp 450 Euro (Kumho) und etwa 500 Euro (Nokian) sogar noch günstiger als der Testsieger.

Beim Bremsen aus 100 km/h auf trockener Fahrbahn schnitten Pirelli P Zero (33,58 Meter) und Continental  Premium Contact 6 (33,90 Meter) am besten ab. Schon gleich dahinter der deutlich billigere Maxxis Premitra 5 aus Taiwan mit 34,25 Metern.

ACE/GTÜ bewerten für das Gesamtergebnis nicht nur die technischen Qualitäten, sondern auch die Wirtschaftlichkeit. Das kostet den Conti-Reifen einige Plätze. Denn würden nur die technischen Eigenschaften bewertet, wäre der Premium Contact 6 mit seinen guten Werten auf trockener und nasser Strecke auf Rang zwei gelandet. Der Preis von 740 Euro für den Komplettsatz lässt ihn allerdings auf den fünften Platz zurückfallen.

 

 

Tipps für den Reifenkauf

Wer für die Sommersaison neue Reifen benötigt, sollte nicht nur die Preise bei verschiedenen Reifenhändlern vor Ort, in seiner Auto-Stammwerkstatt oder im Internet vergleichen. „Vor allem ein Blick auf Zweitmarken kann sich lohnen, aber auch auf Einzelkategorien“, sagt Reinhard Kolke, Leiter des ADAC Technikzentrums. „Denn für Vielfahrer rechnet sich ein etwas höherer Anschaffungspreis durch niedrige Verschleißkosten“, so der Experte.

Eindrücklich unterstreichen dies die Ergebnisse in der Kategorie 205/55 R16.

Das Testfahrzeug, ein VW Golf VII 2.0 TDI mit halber Zuladung,  erzielt mit Testsieger Michelin Primacy 3 mehr als 45.000 Kilometer Laufleistung. Das sind fast 20.000 Kilometer mehr als mit dem mit „ausreichend“ bewerteten Infinity Ecosis.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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