Einen McLaren 570S Spider auf einer Testfahrt im warmen Süden zu bewegen ist für einen Motorjournalisten zwar sehr reizvoll, dennoch ist es auch das tägliche Brot dieses Berufs. Einen McLaren 570S Spider am Firmensitz im englischen Woking abzuholen und damit Ende November nach München zu fahren ein spezielles Unterfangen.

McLaren in Woking

Zurück auf Anfang und der Reihe nach. Die Firmenzentrale in Woking ist definitiv immer einen Besuch wert. Eingebettet in der Landschaft von Surrey hat McLaren ein archetektonisches Wunderwerk geschaffen. Umgeben von einem künstlich angelegten See sind die Verwaltung, die Formel-1-Manufaktur und die Produktionsstätte der Sportwagen ein Kleinod der besonderen Art.

Als ich wegen stürmischer Witterung in London-Heathrow fast eine Stunde später als geplant bei McLaren ankomme, begrüßt mich eine freundliche Dame mit: „Hi, I’m Amanda McLaren. Welcome at our facility.“ Ich gebe zu, dass ich für einen Augenblick sprachlos war. Da steht die leibhaftige Tochter von Bruce McLaren und nimmt sich Zeit, um nicht nur aus dem Nähkästchen zu plaudern, sondern mir auch das gesamte Anwesen zu zeigen.

Sie erzählte mir von ihrem Vater, der viel zu jung bei einer Testfahrt in einem CanAm-McLaren in Goodwood tödlich verunglückte. Von ihren Kindheitsbegegnungen mit Onkel Jackie Stewart und Onkel Jack Brabham. Und von Ihrem Wegzug in die ursprüngliche Heimat ihrer Eltern nach Neuseeland. Bis Mike Flewitt, seit 1. Juli 2013 CEO von McLaren, sie bat, als Markenbotschafterin nach England zurückzukehren.  Sie und ihr Mann folgten dem Ruf und erfreuen sich seither an dem Erfolg des Unternehmens.

Der Roadtrip

Ja, wir hätten noch stundenlang miteinander quatschen können – wir werden unser Gespräch im kommenden Jahr fortsetzen – aber der Tunnel rief und mein Testwagen stand betankt und Winterreifen abfahrbereit vor der Tür.  Ein Linkslenker natürlich, schließlich wird dieser McLaren 570S Spider einige Zeit als Testwagen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eingesetzt.

Was mich gleich zum nächsten Thema führt: Der ausführliche Fahrbericht kommt noch, wenn wir von Auto360.de dieses Fahrzeug Ende Dezember zur Verfügung gestellt bekommen. Die ersten gut 140 Kilometer bis zum Eurotunnel bei Folkestone konnte ich bei trockenen und teilweise sonnigen Wettern zurücklegen. Nach einer knappen Stunde Wartezeit inklusive Waggonverladung ging es dann unter dem Kanal nach Frankreich.

Kaum auf der Autobahn in Richtung meines Nachtquartiers im Hotel  D’angleterre in Châlons-en-Champagne fing es an, wie aus Kübeln zu gießen. Die Winterreifen von Pirelli bewahrten mich vor unfreiwilligen Rutschpartien während die Scheibenwischer auf Hochtouren arbeiteten und die LED-Scheinwerfer die Nacht durchschnitten.

Am nächsten Morgen hatte ich die Hoffnung, dass der Regen nun vorbei wäre. Pustekuchen. Auf den knapp 700 Kilometern bis nach München goss es teilweise heftig und ich war froh, nicht schon wieder in finsterer Nacht unterwegs sein zu müssen.

Herausragend aber die Langstreckenperformance des McLaren 570S Spider. Egal ob bei Nässe oder den wenigen Autobahnkilometern, auf denen ich dem Fahrzeug aus der Sports Series die Sporen geben konnte. Das fein abgestimmte Fahrwerk und die tolle Balance sind geschaffen für die Straße und die Rennstrecke. Und auch, um mal schnell in weniger als 12 Stunden von England nach Bayern zu düsen.

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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