Strafen für Verkehrssünden fallen in den meisten europäischen Reiseländern spürbar höher aus als in Deutschland. Und es gelten zum Teil spezielle Verkehrsregeln.

Das Auto ist und bleibt das beliebteste Verkehrsmittel für den Urlaub. Mehr als jeder zweite Reisende tritt auf den eigenen vier Rädern die Fahrt in die Sommerfrische an. Doch auf der langen Tour von Tölz nach Torremolinos warten nicht nur mehr als 2000 Kilometer, Stau und Stress auf die Fahrer, sondern auch unterschiedliche Verkehrsregeln. Aber auch jeder Autofahrer, der sich nur auf einen eher kurzen Urlaubstrip nach Österreich, die Schweiz oder nach Italien aufmacht, sollte eines im Hinterkopf behalten: Wenn es um Strafen bei Verkehrssünden geht, ist es in Deutschland (fast) am schönsten. Viele Verstöße in den Reiseländern werden erheblich strenger bestraft als zu Hause.

Neues Tempolimit auf Frankreichs Landstraßen

Vor allem Temposünden können die Urlaubskasse belasten. Dabei ist seit dem 1. Juli die Gefahr in Frankreich höher geworden, dass man in eine Tempokontrolle tappt. Dort gilt auf Landstraßen neuerdings Tempo 80 als Limit. Bislang durfte man mit 90 km/h durch die Provence  oder entlang der Weinberge im Elsass flanieren.

Ein billiges Vergnügen ist es obendrein nicht, wenn man geblitzt wird. In Frankreich sind es  bei 20 km/h zuviel schon mindestens 135 Euro, die der freundliche Gendarme in Rechnung stellt. In Italien sind es sogar 170 Euro, und bei Verstößen in der Nacht zwischen 22 und 7 Uhr gibt es einen Aufschlag von 30 Prozent. Dieser gilt übrigens auch, wenn man meint, noch schnell über eine Kreuzung huschen zu müssen, obwohl die Ampel bereits rot zeigt.

Raserparagraph: Drakonische Strafen in der Schweiz

Traditionell teuer ist es in Norwegen, wo bei 20 km/h über der erlaubten Grenze bereits knapp 400 Euro fällig sind. Bei 50 km/h über dem Limit ist hingegen die Schweiz unbestritten in der Pole-Position. Ein solcher Verstoß gilt bei den Eidgenossen als Verkehrsstraftat. Da muss man eine Strafe von 60 Tagessätzen aufwärts einkalkulieren. Sprich: zwei Netto-Monatslöhne sind weg, und die Verfahrenskosten fallen auch nicht gerade bescheiden aus. Im Bereich einer Verkehrsstraftat ist man übrigens in der Schweiz innerorts  schon bei 25 km/h und außerorts bei 31 km/h Überschreitung.

Um es es richtig krachen zu lassen, ist die Schweiz das ganz falsche Pflaster. Seit 2013 gilt der Raser­paragraph: Ab 51 km/h Überschreitung bei Tempo 50 oder 81 km/h bei 120 auf der Autobahn ist der Rasertatbestand erfüllt. Das hat eine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr zur Folge, die jedoch bei Ersttätern meist als Bewährungsstrafe verhängt wird. Dazu wird das Fahrzeug eingezogen. Bei besonders krassen Fällen gibt es die in der Schweiz „bedingte Strafe“ jedoch nicht, und wie der  Gotthard-Raser zeigt, können solche Strafen auch grenzüberschreitend vollstreckt werden.

Radarwarner sind verboten…

Wer sich mit Radarwarnern oder Apps auf dem Smartphone gegen Blitzer wappnen will: Erwischen lassen sollte man sich dabei nicht. Denn es drohen nicht nur saftige Geldstrafen, sondern auch Haftstrafen. So sind in Belgien bei eingeschaltetem Radarwarner zwischen 15 Tagen und drei Monaten möglich. Dabei wird aber nur der Einsatz spezieller Radarwarner bestraft. Die POI-Funktion eines Navigationsgeräts, das Blitzerstellen meldet, ist erlaubt. Das gilt so zum Beispiel auch in Frankreich oder Spanien, während in der Schweiz auch diese Form des Hinweises auf Gefahrenstellen und Blitzer strikt tabu ist. In Italien ist selbst das Mitführen eines Radarwarners verboten. Wird man erwischt, wird das Gerät eingezogen und knapp 800 Euro Buße sind fällig, in Österreich kann die Strafe bis zu 4000 Euro betragen.

… Dashcams teilweise erlaubt

Unterschiedlich wird europaweit das Thema Dashcams behandelt. In Italien sind sie wie in Tschechien erlaubt. Das gilt für Frankreich und Dänemarkt ebenfalls. Aber: nach einem Unfall muss man den Unfallgegner unverzüglich darüber aufklären, dass es Videoaufnahmen gibt, die man zur Klärung der Unfallschuld heranziehen will. Bei Reisen in die Schweiz und nach Österreich sollte man die Dashcam im Kofferraum verpacken. In Österreich müsste man für den Einsatz eine Bewilligung der Datenschutzkommission haben. Datenschutzrechtlich ist der Einsatz in der Schweiz ebenfalls umstritten. Hinzu kommt: Wird ein Gerät wie Dashcam oder mobile Navi im Sichtfeld des Fahrers an die Windschutzscheibe geklebt, drohen 500 Franken und mehr als Buße.

Unwissenheit schützt nicht vor Strafen

Auch falsches Parken kann ins Geld gehen, in Spanien kostet das bis zu 200 Euro, in Ungarn bis zu 130 Euro. Da nützt es nichts, wenn man sich darauf beruft, nicht gewusst zu haben, dass die gelben Markierungen an den Bordsteinen ein Parkverbot signalisieren. Hier gilt wie bei allen Verkehrsregeln, die von denen zu Hause abweichen: Unwissenheit schützt vor Strafe nicht. Man sollte sich vor Abfahrt in den Urlaub informieren, welche Höchstgeschwindigkeiten gelten oder ob es spezielle Verkehrsregeln gibt.

So gilt in etlichen Ländern  tagsüber generelle Lichtpflicht (Dänemark, Polen, Schweiz, Tschechien) oder nur auf Außerortsstraßen (Italien). Die Strafen bei Nichtbeachten liegen zwischen 33 Euro (Schweiz) und 75 Euro (Tschechien). Nach Griechenland, Belgien und Schottland ist nun auch in Österreich das Rauchen im Auto verboten. In der Alpenrepublik dann, wenn Jugendliche und Kinder unter 18 Jahren an Bord sind.

Welche Regeln in welchen Ländern gelten, lässt sich leicht im Internet finden. Solche länderspezifischen Informationen gibt es zum Beispiel beim ADAC, auf der Seite des österreichischen Verkehrsclubs ÖAMTC  oder beim AvD .

Prinzipiell sollten sich Autoreisende für alle Passagiere an Bord eine reflektierende Warnweste ins Auto legen. Die ist nämlich quer durch Europa vorgeschrieben und muss bei Panne oder Unfall vor Verlassen des Autos angezogen werden.

Rabatt, wenn Strafen schnell gezahlt werden

Am besten ist es übrigens, Bußgeld-Tickets gleich an Ort und Stelle zu zahlen, denn sonst wird es zum Teil erheblich teurer. Zu spätes Zahlen eines Strafzettels führt in den Niederlanden zu einer Erhöhung der Buße um 50 Prozent, für Wiederholungssünder verdoppelt sich die Strafe. Strafen werden konsequent in Deutschland eingetrieben. In Italien hingegen gibt es einen Rabatt von 30 Prozent, wenn Geldbußen innerhalb von fünf Tagen gezahlt werden.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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