888 PS, 999 Nm. Die „Number of the Beast“, die 666, gerät angesichts solcher Zahlen deutlich ins Hintertreffen.

Auf dem Highway to Hell überschlagen sich die Höllenglocken und selbst der Teufel zieht sich angesichts dieser Höllenkatze ins hinterste Eck zurück. Die vom europäischen Dodge Importeur AEC aufgepimpte Challenger SRT Hellcat XR ist ein Teufelsgerät der besonderen Art. Dabei aber durchaus kein Hexenwerk. Schließlich wurde die Hellcat von den Dodge Entwicklern ursprünglich auf eine Leistung von 900 PS ausgelegt.

Leistungssteigernde Maßnahmen

Die serienmäßige Challenger Hellcat ist mit 772 PS und einem Drehmoment von 881 Nm nicht gerade als schwachbrüstig zu bezeichnen. Um das „bisschen“ mehr an Leistung für den XR von AEC herauszuholen, waren relativ wenig Maßnahmen nötig.

Dem 2,4 L Twin-Screw Kompressor wurde ein kleineres Performance Triebrad eingepflanzt. Die kleinere Übersetzung lässt dieses Triebrad unter Last zudem weit über der Werksdrehzahl rotieren. Dazu wurde das Motorsteuergerät umprogrammiert und Schwupps, wurden zusätzliche 161 PS und 110 Nm an Drehmoment aus dem gusseisernen 6,2-Liter-V8-Hemi-Block herausgezaubert.

Eine Optimierung erfuhr auch die Torqueflite Achtgang-Automatik von ZF, um die hinzugewonnene Kraft besser zu sortieren. Essentieller waren dagegen die Eingriffe ins Fahrwerk. Das optional für 5.000 Euro erhältliche AEC Competition Gewindefahrwerk verleiht der Dodge Challenger SRT Hellcat XR die ungemein wichtige Fahrstabilität.

Feinarbeit

Schließlich wird die Hellcat XR Sonderedition erst bei 320 km/h elektronisch eingebremst. Bevor das Geheule losgeht. Ja, die Höllenkatze könnte noch schneller. Was aber unglaublich mehr Eingriffe sowie andere Reifen und weitere aufwändige Testverfahren bedeutet hätte.

Apropos Reifen. Gerollt wird auf 305/35 ZR20 Pirelli P-Zero High Performance Pneus, die die ausgestellten Radhäuser des serienmäßigen Widebody der Hellcat perfekt ausfüllen. Montiert sind die Italiener auf schwarzen Devil´s Rim Alufelgen. Ebenfalls aus Italien sind die Entschleunigungswerkzeuge.

Brembo liefert für die Hellcat eine Performance Bremsanlage, die vorne über 6-Kolben-Sättel und hinten über 4-Kolben-Sättel verfügt. Unter den typisch rot lackierten Zargen sind vorne innenbelüftete Bremsscheiben in der Größe 390×34 mm montiert.

Die aus reinem Carbon gefertigte Motorhaube, gleiches gilt übrigens auch für den Frontspoiler, die Seitenschweller, den Kofferraumdeckel sowie den Diffusor, ist mit zwei Splittern gegen ungewolltes Abheben und Flattern fixiert.

Die NAP Sportauspuff Manufaktur GmbH ist für die Komposition der nicht gerade als Flötentöne zu nennende Symphonien verantwortlich. Die Klappenauspuffanlage wurde speziell für den gusseiseren Hemi entwickelt und spielt die Tonleiter brabbelnder und blubbernder V8-Gesänge rauf und runter.

Fahrererlebnisse

Das Anlassen und das erste Loswummern des fetten V8 verläuft noch relativ unspektakulär. Ein Druck aufs Gaspedal und die Ohren fangen an zu flattern. Wie AEC die Prüfer davon überzeugt hat, dass die diese Dodge Challenger SRT Hellcat XR die zulässigen Phonzahlen ganz und gar nicht übersteigt, bleibt uns ein Rätsel.

Egal, wir düsen los und hören in den unteren Drehzahlen praktisch nur den Kompressor säuseln und winseln. Es pfeift gehörig und erst als wir knapp 3.000 Umdrehungen erreichen, wummert der V8 mit einem mächtigen Getöse los.

Gleichzeitig schwänzelt das Heck bei dem Mehr an Gasdruck, wird aber ruckzuck wieder eingefangen. Aber nicht im Trackmodus, dann ist quer das neue Geradeaus. Anders gesagt, wer nicht ein herausragender Autofahrer ist, am besten mit einer Reihe erfolgreich absolvierter Fahrer- oder besser noch Rennstreckentrainings, ist hinter dem Steuer dieses PS-Monsters komplett fehl am Platz!

Es geht aber auch gemächlich. Beispielsweise im Auto- oder Custom-Modus, die neben Sport und Track zur Wahl stehen. Stellt man sich die entsprechenden Werte für Lenkwiderstand, Getriebeverhalten, Dämpferabstimmung und Gaspedalannahme im Custom-Modus zusammen, kann locker und lässig dahingeschlendert werden.

Einmal volle Pulle aufs Gas gedrückt, unter Experten auch Kickdown genannt, haut einem der V8 die kompletten 888 PS ins Kreuz und die Hellcat zieht so was von brutal vom Leder, dass das Heck sogar noch jenseits der 120 km/h wild herumschwänzelt. Es bleibt also immer ein Höllengerät, das eine kundige Hand am Volant benötigt.

Das Interieur

Bei all der Begeisterung ob der außerordentlichen Leistung der AEC Dodge Challenger SRT Hellcat XR dürfen ein paar kritische Töne nicht fehlen. Ein bisschen weniger Hartplastik und ein wenig mehr an Ergonomie würden diesem Muscle Car definitiv besser stehen.

Auch die Sitze erhalten trotz der opulenten Bezeichnung Laguna Performance keine Lobeshymnen von unserer Seite. Sie erinnern mit den dicken Seitenwülsten und dem fehlenden Halt eher an Clubsessel. Gestühl von Recaro würde dem Extremsportler deutlich besser stehen.

Bei den Instrumenten ist ein Mix aus analog und verdammt viel Digital angesagt. Die beiden Rundinstrumente für die Geschwindigkeit in Meilen und dem Drehzahlmesser sind mit beweglichen Zeigern versehen, der Bordcomputer informiert digital über eine Vielzahl von Werten.

Mittig auf der Armaturenträger ist der 8,4 Zoll große Uconnect-Touchscreen zwischen zwei Luftausströmern positioniert. Neben Navi, Audio sowie Apps sind für uns die Einstellungen der Fahrmodi essentiell.

Wer dem Sound des V8 überdrüssig wird, kann sich an der 900 Watt starke Soundanlage von Harman Kardon erfreuen. Aus 18 Lautsprechern inklusive Subwoofer tönend kann sich AC/DC und Co. ein Gefecht der besonderen Art mit dem Triebwerk und der Auspuffanlage liefern.

Fazit

Ein echt fettes Teil. Brutal stark und definitiv nur an noch stärkere Hände abzugeben. Die auf 50 Exemplare limitierte und rund 150.000 Euro teure AEC Dodge Challenger SRT Hellcat XR ist das erste Sondermodell von AEC. Weitere Modelle der XR-Reihe sind für die Zukunft geplant. Sind wir also gespannt, was die V8-Zunft von AEC in Kürze für uns bereithält.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: AEC Dodge Challenger SRT Hellcat XR

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: V8-Benziner

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 6.166

Leistung in kW (PS) bei U/min: 653 (888)/6.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 999/4.000

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 3,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 320 (abgeregelt)

Tankinhalt in l: 70

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 17,9

CO2-Emission kombiniert in g/km: 427

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 5.029/2.020/1.461

Radstand in mm: 2.951

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 2.081

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.473

Bereifung: 305/35 ZR20

Felgen: 11 x 20″

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 150.000

 

 

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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