BMW startet mit dem X5 in die vierte Modellgeneration. Dafür haben die Bayern ihr großes SUV ins Fitnessstudio geschickt. Noch länger, noch breiter, noch höher zeigt sich der erfolgreiche X5 nun. Unter dem Blech steckt viel neue Technik für mehr Komfort, für mehr Fahrsicherheit und auch Ausflüge abseits befestigter Straßen.

Nein, über diesen rutschigen Waldweg jagt doch kein normaler Mensch ein Auto, das knapp 80.000 Euro kostet. In der Senke Schlamm vom letzten Südstaatenregen, im rechten Winkel geht es ums Eck, links Bäume, rechts Bäume – „und am Kurvenausgang aufpassen, da ist ein dicker Felsen“, warnt der Instruktor über Funk. Mit einem BMW X5 geht man doch nicht ins Gelände. „Typisch europäische Sicht der Dinge“, sagt BMW. In Australien zum Beispiel ist der X5 mit Abstand meistverkauftes Modell der Marke. Down Under – das ist nur ganz wenig Sidney und Melbourne, aber ganz viel Outback. Und die letzte Meile zum Haus geht es über Schotter und tiefen Sand.

Man muss sich tatsächlich von dem Gedanken verabschieden, dass Autos wie der BMW X5 in erster Linie für den europäischen Markt gedacht sind. USA, China sind die Hauptmärkte. Da sorgen dann auch Fahrzeugdimensionen, die das Rangieren in einem engen europäischen Innenstadtparkhaus zur Arbeit für Feinmotoriker machen, für keine Schweißausbrüche.

BMW X5: Urvater der SUV-Palette

Vor fast 20 Jahren legten die Bayern mit dem X5 den Grundstein für ihr  auf bald acht Modelle gewachsenes X-Portfolio. Insgesamt knapp 2,2 Millionen X5 verkaufte BMW von den drei Modellgenerationen, wobei das Stückzahlwachstum in den letzten Jahren ein wenig an Dynamik verloren hat. Mit der neuesten Generation, die ab November bei den Händlern stehen wird, wächst der X5 noch einmal.  Weniger in der Länge, da sind es nur 36 Millimeter, so dass sich der SUV nun auf 4,92 Meter streckt. Mitgewachsen sind Radstand und Höhe, so dass auf keinem der Plätze Anlass für Beklemmungen besteht. Vorn sowieso nicht, aber auch nicht im Fond. Und der Gepäckraum misst 650 Liter, die sich durch Klappen der Sitze (serienmäßig im Verhältnis 40:20:40) auf transportertaugliche 1870 Liter erweitern lassen. Wer ein wenig vom Kofferraum aufgibt, kann stattdessen eine dritte Sitzreihe wählen und geht zu siebt auf die Reise.

Am besten spürbar ist das Wachstum in der Breite: Um eine Handbreite oder exakt 66 Millimeter wuchs der X5 auf 2,04 Meter – ohne Spiegel. Das verbannt den X5 in vielen Autobahnbaustellen von der linken Spur. Während der ersten Ausfahrten im US-Bundesstaat Georgia, ganz in der Nähe des Produktionsstandorts Spartanburg, fielen die Dimensionen des X5 nicht weiter auf, was auch an der ausgezeichneten Übersicht liegt, die der Fahrer genießt, an der zielgenauen Lenkung und an ein paar elektronischen Helfern.

Fahrerassistenzsysteme für fast alle  Situationen des Lebens

Mit Fahrerassistenzsystemen lässt sich der X5 nämlich durchaus üppig bestücken. Serienmäßig sind Tempomat und City-Bremsassistent, der nicht nur stoppende Autos, sondern auch Fussgänger und Velofahrer erkennt. Die Verkehrszeichenerkennung übernimmt Tempolimits in die Steuerung des Tempomaten – der Fahrer kann in den Einstellungen vorgeben, dass es auch bis zu 15 km/h mehr sein dürfen, als auf dem Schild angegeben.

Stauassistent mit Spurführung, Spurwechselassistent, Querverkehrswarnung oder Ausweichassistent – die Liste der Assistenzsysteme ist schier unendlich. Ganz neu ist der Nothalteassistent, der bei einem medizinischen Notfall über den Schalter der elektrischen Parkbremse aktiviert werden kann und das Fahrzeug kontrolliert zum Stehen bringt – je nach Fahrsituation auch durch Kreuzen der Spuren und Anhalten auf dem Seitenstreifen.

Mehr dem Komfort angesichts der üppigen Fahrzeugabmessungen dient der Parkassistent, der auch Gasgeben und Bremsen beim automatischen Einparken übernimmt. Und der in Form eines Rückfahrassistenten den Ausweg findet, wenn man sich in einer engen Gasse festgefahren hat. Er merkt sich nämlich die letzten 80 gefahrenen Meter und spult die Fahrmanöver rückwärts wieder ab. Rundumblick auf Auto und Situation erlauben die zahlreichen verbauten Kameras.

Kameras helfen dem X5-Fahrer beim Rangieren und im Gelände

Die helfen auch beim Einsatz im Gelände. Blinden Passagen bei der engen Durchfahrt zwischen Bäumen über eine Kuppe hinweg nimmt das Videosystem ebenfalls den Schrecken – der Fahrer muss nur der Technik vertrauen. Der X5 zeigt sich während der ersten Testfahrten auch rutschigen und steinigen Passagen gewachsen. Das gilt vor allem dann, wenn er das optionale Offroad-Paket an Bord hat. Dann nämlich – und auch in Kombination mit der Ausstattungslinie M Sport – hat der X5 eine geregelte Differenzialsperre im Hinterachsgetriebe.

Beim M Sport dient das zusätzliche Fahrdynamik, im Geländebetrieb darf der X5 durchaus auch einmal ein Beinchen heben, wenn er den Grund unterm Pneu verliert. Er wühlt sich dann eben mit einem angetriebenen Hinterrad auch durch schwierige Passagen.

Im Offroad-Paket kann der Fahrer außerdem einen Fahrmodus vorwählen. Sand, Fels, Schotter oder Schnee stehen zur Wahl. Damit passt das Fahrzeug die Einstellungen für Fahrzeughöhe, Allradantrieb, Gaspedalkennlinie, Getriebesteuerung und ESC an die Gegebenheiten an. Die Zweiachs-Luftfederung erlaubt es, den X5 um 40 Millimeter anzuheben oder abzusenken, bietet also einen Verstellbereich von insgesamt 80 Millimetern.  Dazu kommen Fahrwerksysteme wie das Adaptive M-Fahrwerk mit Wankstabilisierung und die fein dosierbare Aktiv-Integrallenkung, die dem X5 eine Handlichkeit gibt, die man bei seinen Abmessungen einfach nicht erwartet.

Ein wenig Glitzer für den Innenraum des X5

Der Innenraum des neuen BMW X5 präsentiert sich modern und gut verarbeitet mit Materialien, die gut und teuer sind. Der Fahrer blickt auf digitale Instrumente in einem 12,3 Zoll großen Display und kann sich die Anzeigen nach seinen Wünschen konfigurieren. Auch der grosse Zentralbildschirm für Navi, Fahrzeugbedienung und Entertainment misst  12,3 Zoll und bietet die BMW-typischen Bedienwege über Gestensteuerung, Touchscreen oder Sprache. Das optionale Head-up-Display wuchs ebenfalls im Format. Neu und intern bei BMW während der Entwicklungsphase heiß diskutiert sind Designelemente aus Glas, etwa der gläserne Schaltknauf.

An den Start geht der neue X5 im November. Drei Dreiliter-Reihensechszylinder stehen zur Wahl: Neben dem Benziner im  X5 40i mit 340 PS sind zwei Diesel am Start. Die dürften, Dieseldiskussion hin oder her, die meiste Nachfrage der mitteleuropäischen Kundschaft auf sich ziehen.

Im Mittelpunkt des Interesses dabei sicherlich das 78.400 Euro teure Einstiegsmodell X5 30d mit 265 PS und 620 Nm kräftigem Durchzug. Er macht einen sehr souveränen Eindruck und kommt mit den rund zwei Tonnen Fahrzeuggewicht auch dank der sehr gut abgestimmten Achtgang-Automatik spielerisch zurecht. Wer mehr will:  Da gibt es noch den M50d, dessen Selbstzünder mit vier Turbos aufgeladen wird. Das ergibt 400 PS und 700 Nm Drehmoment. Das bedeutet Kraft im Überfluss,  kostet aber rund 25.000 Euro mehr. Berücksichtigt man die Serienausstattungs des X5 M550d, dürfte sich der Aufpreis für den stärkeren Motor allein auf gut 10.000 Euro belaufen.

 

Technische Daten

Im Auto360.de Test: BMW X5 30d  

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 6-Zylinder, Diesel (Common Rail)

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 2.993

Leistung in kW (PS) bei U/min: 195 (265)/4.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 620/2.000 – 2.500

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 6,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 230

Tankinhalt: 80 l

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 6,0 l auf 100 km

CO2-Emission kombiniert in g/km: 158

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.922/2.004/1.745

Radstand in mm: 2.975

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 2.110

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.860

Kofferrauminhalt in l: 650 – 1.870

Bereifung: 255/55 R18

Felgen: 8,5 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 78.400

 

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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