Das Wetter ist Ende November so eine Sache. Entweder ist es recht neblig oder allgemein trüb und regnerisch oder die Sonne lässt die wenig verbliebenen Blätter gülden strahlen.

Wenn nun der neue VW Golf erstmalig von einer größeren Meute an Autojournalisten aus aller Welt gefahren wird, sollte das Wetter schon mitspielen. Deshalb finden solche Ausfahrten im Regelfall im südlichen Europa statt. Die Wahl fiel auf Porto und das Douro-Tal. Bekanntermaßen ein landschaftlicher Traum und gespickt mit kurvenreichen Landstraßen.

Der VW Golf in der achten Generation

Wir haben uns über das Design des neuen VW Golf innen wie außen schon aussagekräftig geäußert. Müßig sich noch einmal darin zu ergehen. Wichtig erschien uns dagegen der praktische Nutzen des neuen digitalen Cockpits, der neuen Schalter und Bedieneinheiten und einfach das Gefühl im neuen VW Golf unterwegs zu sein.

Die Instrumentenanzeige mit Tacho und Drehzahlmesser im Blickfeld des Fahrers hat eine Größe von 10 Zoll und lässt sich individuell anpassen. Mittig ist serienmäßig der 8,25 Zoll große Touchscreen des Infotainmentsystems Composition installiert. Dieser kann optional durch den 10 Zoll großen Bildschirm des Discover Media oder Discover Pro inklusive Navigation ersetzt werden.

Über das Infotainmentsystem werden außer dem Licht sämtliche Funktionen des neuen VW Golf gesteuert. Will heißen, dass das Cockpit nahezu keine Schalter und Knöpfe aufweist. Was aber auch heißt, dass die gewohnte Ergonomie eines Volkswagens erst einmal über den Haufen geworfen wurde.

Aber keine Angst. Die Menüs sind selbsterklärend und der quadratische Homebutton führt sofort zurück in die Gesamtübersicht. Wichtig ist unserer Ansicht nach aber ein bisschen Übung vor dem ersten Start mit dem neuen VW Golf. Unterhalb des Bildschirms stehen Slider für die Temperaturregelung und die Lautstärkeregelung zur Verfügung. Noch eine Stufe tiefer sind Knöpfe, mit denen direkt unter anderem die Fahrmodus-Einstellungen sowie die Klimaanlage abgerufen werden können.

So fährt sich der neue VW Golf

Hatten wir anfangs vom schönen Wetter in den südlichen Gefilden Europas gesprochen? Tja, so hübsch wie erwartet war es leider nicht. Am Flughafen in Porto erwartete uns dichter Nebel und auf der Fahrt ins Douro-Tal begann es heftig zu regnen. Gleiches galt für unser erstes Fotoshooting und den Loop ums Hotel.

Was aber gar nichts machte, da wir bei den regennassen Straßen die herausragende Performance des neuen VW Golf kennenlernen konnten. Auf der ersten Teilstrecke waren wir mit dem 1,5-Liter-TSI mit 110 kW (150 PS) unterwegs, den Loop und den Rückweg am nächsten Tag absolvierten wir mit dem gleichstarken eTSI.

Fangen wir bei der präzisen Lenkung an, die jede auch nur minimale Bewegung sofort umsetzte. Verbunden mit dem dick gepolsterten Lenkrad eine Offenbarung der besonderen Art.

Wenn Volkswagen von einer signifikanten Schärfung der Fahrdynamik spricht, nicken wir zustimmend. Mit dem Fahrdynamik-Manager und der adaptiven Fahrwerksregelung des DCC wird eine Feinjustierung erreicht, die in diesem Segment bis dato als einmalig gelten darf.

Die Fahrmodi

Die Fahrmodi Eco, Comfort, Sport und Individual stellen die erste Basis dar. Im letztgenannten Modus können je nach Gusto einzelne Elemente wie die Lenkung, das Triebwerk oder das Fahrwerk angepasst werden.

Beim Comfort-Modus wird die Karosserie für mehr Fahrkomfort weitest möglich von der Straße entkoppelt. Im Sport-Modus spielen eine maximale Dämpfung und eine daraus resultierende minimierte Karosseriebewegung zusammen.

Sensationell finden wir den digitalen Schieberegel für das DCC, mit dem sich der persönliche Fahrmodus auf nie gekannte Art und Weise einstellen lässt. Die elektronische Sperre XDS und dass DCC bestimmen die Querdynamik und zudem die Traktion. Ganz ehrlich, solchermaßen souverän waren mit einem Frontantrieb auf nassen Straßen noch nie unterwegs.

Bei einer Nachtfahrt testeten wir zusammen mit einem Entwickler das neue LED-Matrixlicht des VW Golf. Das IQ Light verfügt über 22 LEDs pro Matrixmodul, mit dem je nach Modell bis zu 10 unterschiedliche, zum Teil interaktive Lichtfunktionen angesteuert werden.

Als Beispiele seien das Landstraßenlicht und das Fernlicht erwähnt, die durch die Geschwindigkeit aktiviert werden. Oder auch das Abbiegelicht, das vom Fahrer aktivierbare Schlechtwetterlicht, das dynamische Kurvenlicht, aktiviert mit dem Lenkradeinschlag sowie die Schilderentblendung.

Was ist eTSI?

Wir ließen die Bezeichnung eTSI absichtlich im Raum stehen. Die neue Motorengeneration des VW Golf umfasst zum Marktstart im Dezember 2019 fünf Antriebsvarianten, zwei Benziner mit 96 kW (130 PS) und 110 kW (150 PS) sowie zwei Diesel mit 85 kW (115 PS) und 110 kW (150 PS).

Zudem den Mild-Hybrid mit 48-Volt-System und einem Siebengang-DSG mit 110 kW (150 PS). Neben dem 12-Volt-Bordnetz verfügt der eTSI über einen 48-Volt-Riemen-Startergenerator und eine 48-Volt-Lithium-Ionen-Batterie. Mit Hilfe der Rekuperation wird Energie gespeichert und dem 12-Volt-Bordnetz zugeführt.

Der Riemen-Starter-Generator ersetzt Anlasser und Lichtmaschine und fungiert gleichzeitig als kleiner Elektromotor zur Verbesserung des Anfahrverhaltens. Bei Gaswegnahme wird zudem das Segeln mit komplett abgeschaltetem Verbrennungsmotor ermöglicht. Sämtliche Maßnahmen senken den Kraftstoffverbrauch, der bei unseren Testfahrten in Bergen rund um das Douro-Tal und auf dem zügig zurückgelegten Weg nach Porto bei rund 6 Litern lag.

Ausstattungslinien

Es ist alles neu beim Golf, der als Basismodell einfach nur seinen Namen trägt. Die Preise starten bei unter 20.000 Euro. Mehr war Ende November 2019 noch nicht zu erfahren. Denn die Preise werden laut Volkswagen wohl erst am 6. Dezember 2019 bekanntgegeben, sodass wir erst dann den Schleier lüften können. Gleiches gilt im Übrigen für die Gewichte und die Verbrauchswerte.

Serienmäßig ist jeder VW Golf der achten Generation mit LED-Scheinwerfern, einem Spurhalteassistenten, dem Front-Assist mit City-Notbremsfunktion und vorausschauender Fußgängerkennung, einer Klimaautomatik, schlüssellosem Zugang sowie Bluetooth ausgestattet. Bei all dieser Fülle finden wir die 15-Zoll-Stahlfelgen allerdings etwas popelig.

Okay, dafür rollt die Version Life auf 16-Zöllern aus Leichtmetall. Und hat zudem unter anderem die Einparkhilfe, eine in zehn Stufen einstellbare Ambiente-Beleuchtung, beleuchtete Make-up-Spiegel und den variablen Ladeboden an Bord.

Die Ausstattungslinie Style bringt zudem 17-Zöller, Sportsitze vorne, Lederlenkrad und Lederschaltknauf, LED-Scheinwerfer mit Abbiege- und Allwetterlicht sowie eine Dreizonen-Klimaautomatik mit.

Sportlich wird des außen und innen mit der R-Line, die wie auch der Style über den Travel-Assist verfügt. Mit diesem lässt sich assistiertes Fahren bis zu einer Geschwindigkeit von 210 km/h bereits jetzt in die Praxis umsetzen.

Wird der Travel Assist über das Multifunktions-Lenkrad aktiviert, fährt der neue VW Golf mit Hilfe der automatischen Distanzkontrolle ACC und dem Spurhalte-Assistenten Lane Assist vollkommen automatisiert im Verkehr mit. Allerdings muss der Fahrer immer mindestens eine Hand am dem mit einer kapazitiven Sensorik ausgerüsteten Lenkrad haben.

Wird das Lenkrad über einen Zeitraum von mehr als 15 Sekunden nicht berührt, wird der Fahrer durch optische und akustische Warnsignale und Bremsdruck gewarnt. Reagiert er dann immer noch nicht, wird der Notfallassistent aktiviert, der den Golf bis zum Stillstand bringt.

Fazit

Die Überraschung war, dass es keine Überraschung gab. Naja, stimmt nicht so ganz. Klar ist auch der neue VW Golf der achten Generation ein Golf wie er sein soll, ja muss. Die Veränderungen sind fein justiert, die Verarbeitung noch einmal besser geworden und die Bedienung mit dem neuen digitalen Cockpit nach ein bisschen spielen, einfach und klar.

So wird auch dieser Golf ein Erfolgsmodell, Elektromobilität hin oder her. Und zum Schluss nochmals zum Wetter. Auch wenn die Sonne nicht über Portugal lachte, schimmerte unser VW Golf im trüben Lichte im güldenen Glanz seiner Lackierung.

Fotos: Martin Meiners

Technische Daten

Im Auto360.de Test: VW Golf Style 1.5 eTSI

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 4-Zylinder-Benziner mit Mild-Hybrid

Getriebe: Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe DSG

Hubraum in ccm: 1.498

Leistung in kW (PS) bei U/min: 110 (150)/5.000 – 6.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 250/1.500 – 3.500

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 8,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 224

Tankinhalt: n.n.

Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr: n.n.

CO2-Emission kombiniert in g/km: n.n.

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.284/1.789/1.456

Radstand in mm: 2.636

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: n.n

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: n.n

Kofferrauminhalt in l: 380 – 1.237

Bereifung: 225/55 R17

Felgen: 7 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer und Rabatt: n.n

Dietmar Stanka