Steckbrief Dodge Coronet R/T

Denkt man an Muscle-Cars mit dem Kürzel R/T von Dodge fallen sofort die Namen Challenger und Charger. Coronet? Hmm? Eher nicht. Deshalb hole ich ein klein wenig aus, bevor ich zu dem Fahrerlebnis mit der 1967er Dodge Coronet R/T zurückkomme.

1949 wurde das Modell aus der Taufe gehoben, bis 1955 als Spitzenmodell, dann bis 1965 als Einstiegsmodell und ab 1965 als mittleres Modell der Marke. Bergauf und Bergab also der Werdegang der Coronet, die als Limousine, Pullmann-Limousine, Kombi und Coupé bis zum Jahr 1975 in großen Stückzahlen gebaut wurde.

Ganz anders dagegen die seltene Dodge Coronet als R/T. 8.471 Einheiten wurden von dem mit einem 7,2-Liter-V8 mit einer Leistung von 275 kW (374 PS) ausgestatteten Coupé gebaut. Vom Cabrio sollen es sogar nur 658 gewesen sein. Das weckt Begehrlichkeiten, sodass gut erhaltene Exemplare locker an die 50.000 Euro kosten.

Auktionsgewinn

Genau wie die Dodge Coronet R/T, die Karl Geiger auf der Barett-Jackson-Auktion im Sommer 2016 ersteigerte. “Dieses Auto musste es sein”, erzählte mir Karl Geiger in seiner lässig-lockeren Art. “Der Coronet ist ein absoluter Hammer mit seinem fetten V8 und seiner coolen Form. Eine echte Rarität und in einem absoluten Topzustand. Der Motor läuft wie ein Uhrwerk und das Geblubbere des V8 ist der Burner.“

Die Zündanlage wurde im Zuge der Grundrestaurierung der Coronet R/T komplett erneuert. Die gesamte Einheit inklusive Zündungskontrolle, Verkabelung und Steckverbindungen stammt von MSD und bürgt damit für eine hohe Qualität.

Geprüftes Original

Zudem ist die Originalität dieser Coronet R/T von Galen V. Govier, dem Gründer und Geschäftsführer von Galen’s Tag Service (GTS) geprüft worden. Govier gründete vor mehr als zwanzig Jahren in Prairie du Chien im US-Bundesstaat Wisconsin sein Unternehmen, das sich zur Aufgabe gemacht hat, fehlende oder rostige Typenschilder von  Dodge, Plymouth und Chrysler Fahrzeugen herzustellen, die in den Jahren 1962-1974 vom Band liefen. Mit diesem riesigen Erfahrungsschatz ist er gleichzeitig eine Koryphäe für diese Automobile und wird gerne als Sachverständiger zitiert.

Von all diesen Argumenten durfte ich mich bei einer ausgiebigen Testfahrt im Herbst 2016 überzeugen. Die kantige Karosse streckt sich über 203 inches oder 5,15 Meter! Klar, ist ja auch ein Coupé mit richtig viel Platz auf der Rückbank. In den Radhäusern waren ursprünglich Reifen der Größe 7.75 x 14 montiert, die aktuell von BF Goodrich Walzen in der Dimension 245/60 R14 ersetzt sind.

Fantastische Ausstattung

Über das Dach spannt sich Vinyl, trendy in den 1960er Jahren, heutzutage extrem cool, aber pflegeintensiv. Ähnlich wie auch die in creme-weiß gehaltenen Sitzmittelbahnen, die seitlich schwarz flankiert sind. Am Innenspiegel baumeln Plüschwürfel, die den schwarz-weißen Charakter des Interieurs auf witzige Art und Weise betonen. Diese „Fuzzy Dice“ waren im Original gehäkelt und im Zweiten Weltkrieg als Glücksbringer bei der US Air Force beliebt. In der Hot Rod Szene der 1950er Jahre bedeuteten diese Plüschwürfel die Bereitschaft, ein illegales Autorennen zu fahren.

Die vorne sitzenden Passagiere dürfen sich jeweils über einen separaten Sitz freuen. Getrennt von einer breiten Mittelkonsole mit dem Ganghebel thront ein nachträglich eingebauter Drehzahlmesser. Das Armaturenbrett ist übersichtlich, zentrales Instrument ist ein von links nach rechts laufender Tacho. Seitlich davon die Zusatzinstrumente und mittig ein Radio aus alten Zeiten.

Schluckspecht

Schnell noch ein bisschen Benzin in den Tank. Immerhin liegt der Durchschnittsverbrauch einer Dodge Coronet R/T nach offiziellen Angaben bei 5 bis 9 Meilen pro Gallone. Das umgerechnet, bedeutet einen Verbrauch zwischen 26 und 47 Litern auf 100 Kilometern.

Egal, ich will mir den Spaß nicht von solch profanen Nebensächlichkeiten vermiesen lassen und dreh den Zündschlüssel auf Start. Die acht mächtigen Kolben kommen in Schwung und ich rolle in Richtung Autobahn. Ein bisschen Highway-Feeling spüren, bevor ich einige Kilometer weiter auf eine kurvenreiche Landstraße mit leicht welligem Belag abbiege.

Holla die Waldfee. Das eine ist die hammermäßige Beschleunigung, die sich in den Werten von 0 auf 60 Meilen in 6 Sekunden ausdrückt. Innerhalb einer viertel Meile (Quartermile) erreicht die Dodge Coronet R/T eine Geschwindigkeit von 103,7 Meilen pro Stunde aus dem Stand heraus.

Highway Star Dodge Coronet R/T

Geradeaus ist alles wunderbar. Aber wenn es denn mal etwas zügiger um Kurven gehen soll, sind Vorsicht und Erfahrung angesagt. Denn die knapp 1,7 Tonnen schwere Dodge Coronet R/T schaukelt die Insassen leicht torkelnd über Landstraßen. Einfach beherrschbar zwar durch die leichtgängige Servolenkung, die aber an Rückmeldungen so gar nicht denken mag. So ist Genuss angesagt und nicht Geschwindigkeit, ganz zu schweigen von einer Kurvenhatz.

Geschaltet wird die Dodge Coronet R/T von einer 727 Torqueflite Automatik, die von vielen Experten als das Flaggschiff der von Mopar hergestellten Automatikgetriebe bezeichnet wird. Was mich kurz zu einer kleinen Begriffserläuterung führt, die mir erfahrene Leser bitte verzeihen mögen.

Aus Kostengründen sollten im Chrysler-Konzern, der damals Chrysler, Plymouth, DeSoto und Dodge umfasste, für die einzelnen Fahrzeugmodelle Gleichteile verwendet werden. Deshalb wurde 1929 die Chrysler Motor Parts Corporation gegründet, die später offiziell in MoPar umgetauft wurde. Heute ist Mopar der Teilelieferant für Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und zudem ein Servicecenter für die Kundenzufriedenheit.

Fazit

Auf meiner Rückfahrt hinein in die Stadt bekomme ich das ein oder andere Grinsen und einige hochgereckte Daumen zu sehen. Logo, ist ja auch eine echt coole Karre, die ich unter meinem Hintern habe. Zeit wird es trotzdem zu GeigerCars zu kommen. Denn nach gut 100 Kilometern Ausfahrt ist der Tank langsam leer.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Dodge Coronet R/T

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: V8-Benziner

Getriebe: Dreigang-Automatik

Hubraum in ccm: 7.210

Leistung in kW (PS) bei U/min: 275 (374)/4.600

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 650/3.200

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 6,0

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 169

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 26

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge in mm: 4.861

Radstand in mm: 2.971

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.678

Bereifung: 245/60 R14

Preis

Listenpreis in US-Dollar 1967: 3.334

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka