Steckbrief Ford Fiesta

1976 erblickte der Ford Fiesta das Licht der Welt. Bis dato wurden von dem Kleinwagen weltweit 17 Millionen Exemplare abgesetzt. Eine stattliche Anzahl, die von der achten Generation weiter gesteigert wird. Ich hatte am 5. und 6. Juli die Gelegenheit, das in Köln entwickelte und gebaute Automobil zu fahren. Sozusagen zwei Tage vor der offiziellen Markteinführung, die am Samstag den 8. Juli 2017 stattfindet.

Erwachsen geworden

Fertigungsqualität “Made in Germany”, ein Claim, auf den Ford besonders stolz ist, wie mir Isfried Hennen, Pressesprecher von Ford Deutschland, erzählte. Der gegenüber dem Vorgänger um 71 Millimeter gewachsene Ford Fiesta bringt eine Vielzahl nie dagewesener Funktionen, Assistenten und Ausstattungsdetails mit.

Von außen weiterhin eindeutig als ein echter Fiesta mit seinen skulpturalen Formen und dem ausdrucksstarken Kühlergrill identifizierbar, wuchs er im Innenraum über sich hinaus. Dank des um vier auf 2.493 Millimeter gewachsenen Radstands sitzen auch die Fondpassagiere bequem.

Ein Riesenschritt in Sachen Ergonomie und Cockpitgestaltung wurde mit dem neuen Ford Fiesta endlich umgesetzt. Weg vom Mäusekino, das mit einer seltsamen Bedienung eine fast unendlich weit weg scheinende Navigationskarte anzeigte. Weg auch von der Flut an Knöpfen und Tasten, die ein längeres Studium erforderten.

Hin zu einem aufgeräumten Armaturenträger, hin zu einem entweder 6,5 Zoll großen Touchscreen oder noch besser zu einem 8 Zoll großen Tablet-artigen Bildschirm, der mit einer herausragenden Grafik versehen ist.

Ausstattungsvielfalt des neuen Ford Fiesta

Wer am Samstag nicht gleich zum Ford-Händler seines Vertrauens flitzt, um einen der ersten neuen Ford Fiesta zu ergattern, wird sich in den kommenden Monaten über interessante Modellvarianten freuen können. Vorab aber eines. Nach wie vor ist der Fiesta mit drei und fünf Türen zu bekommen. Der Aufpreis für die beiden hinteren Zugänge beträgt 800 Euro.

Für die Ungeduldigen sei gesagt, dass sie zügig einen der drei Ausstattungslinien namens Trend (ab 12.950 Euro), Cool & Connect (ab 14.900 Euro) sowie Titanium (ab 17.050 Euro) erwerben können. Wer sich Zeit lassen möchte, darf sich ab Herbst 2017 über den luxuriösen Vignale (ab 20.600 Euro) und die sportliche S-Line (ab 17.800 Euro) freuen.

Hält man es noch ein bisschen länger aus, folgen im Frühjahr 2018 das um drei Zentimeter höhere Crossover-Modell Active (grundsätzlich als Fünftürer) und mein Liebling, der Fiesta ST mit einem 200 PS starken 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbo, der sogar über eine kraftstoffsparende Zylinderabschaltung verfügt.

Vielfalt der Pakete

Wer schon bei den Versionen ins Grübeln kommt, wird sich noch länger mit der Konfiguration seines neuen Ford Fiesta beschäftigen müssen. 25 Ausstattungspakete bieten die Kölner feil. Vom Cool & Sound über das Winter-Paket und zudem unter dem Namen “Style your Fiesta” neun Styling-Pakete für die Farbgestaltung im Innenraum und der Lackierung.

Assistentenvielfalt

Bis zu fünfzehn Assistenzsysteme hat Ford für den neuen Fiesta in Petto. Diese basieren auf zwei Kamera- drei Radar- und zwölf Ultraschallmodulen. In ihrer Summe können diese Bausteine einen 360-Grad-Bereich und das Fahrzeug überwachen und die Straße bei Geradeausfahrt auf einer Länge von 130 Metern scannen.

Ganz neu ist der Pre-Collision-Assistent mit Fußgängererkennung, der Personen auch nachts erkennt. Ein aktiver Parkassistent übernimmt auf Wunsch automatisch das Ein- und Ausparken und der Cross Traffic Alert warnt beim Rückwärtsfahren vor kreuzenden Fahrzeugen.

Motorenvielfalt

Eindeutige Favoriten sind für mich die 1-Liter-EcoBoost-Dreizylinder, die in den drei Leistungsstufen mit 74 kW (100 PS), 92 kW (125 PS) und für ST-Line und Vignale mit 103 kW (140 PS) offeriert werden. Dieses Triebwerk wurde am 21. Juni 2017 bereits zum sechsten Mal in Folge als International Engine of the Year ausgezeichnet und verfügt über einen ruhigen Lauf und einen sparsamen Umgang mit dem Kraftstoff.

100 Kubikzentimeter mehr weisen die beiden nicht von einem Turbo beatmeten Dreizylinder-Benziner mit wahlweise 52 kW (70 PS) bzw. 63 kW (85 PS) auf. Während die EcoBoostler mit einem manuellen Sechsganggetriebe ausgestattet sind, müssen sich die 1,1-Liter-Motoren mit fünf Gängen begnügen. Wer es automatisch mag, muss sich mit dem 100 PS starken EcoBoost anfreunden, dem einzigen Angebot in diesem Bereich.

Der Freund der Selbstzünder wird sich an den beiden nagelneuen 1,5-Liter-Vierzylindern erfreuen. 63 kW (85 PS) leistet der schwächere, 88 kW (120 PS) der stärkere der beiden Turbodiesel.

Wie fährt sich der neue Ford Fiesta?

Während der Presseveranstaltung in Magdeburg hatte ich die Gelegenheit mit dem 100 sowie 125 PS Benziner und dem 120 PS starken Diesel durch die Gegend zu düsen. Klarer Kraftprotz der drei Ford Fiesta ist der Selbstzünder, der mit einem Drehmoment von 270 Nm und einer Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 9 Sekunden Pacemaker ist.

Deutlich dahinter die beiden Benziner mit jeweils 170 Nm und 9,9 bzw. 10,5 Sekunden für den Beschleunigungswert. Im Verbrauch sind alle Motoren zurückhaltend unterwegs, Ford spricht von 3,5 Litern beim Diesel und jeweils 4,3 Litern bei den Benzinern.

Das Fahrverhalten aller drei Derivate ist ausgewogen gestaltet. Fahrwerk konnten die Ford-Leute schon immer und auch beim Fiesta ist den Entwicklern eine gute Spreizung zwischen Komfort und straffer Sportlichkeit gelungen. Ebenso überzeugend ist die Laufruhe und die geringe Lärmentwicklung im Innenraum.

Fazit

Der neue Ford Fiesta kommt gerade rechtzeitig. Der stärkste Mitbewerber namens VW Polo ist erst für den Herbst vorgesehen. Da könnte man in Köln punkten und die Zulassungszahlen deutlich für sich gewinnen. Verdient hat es sich der neue Fiesta in jedem Fall.

Fotos: Thomas Starck

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Ford Fiesta 1,0 l EcoBoost Titanium

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Dreizylinder-Benziner

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

Hubraum in ccm: 998

Leistung in kW (PS) bei U/min: 74 (100)/6.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 170/1.500 – 4.000

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 10,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 183

Tankinhalt in l: 42

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 4,3

CO2-Emission kombiniert in g/km: 97

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.040/1.735/1.476

Radstand in mm: 2.493

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.164

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 1.665

Kofferrauminhalt in l: 292

Bereifung: 195/55 R16

Felgen: 6 x 16″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 18.150

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka