1,5 Liter Hubraum, drei Zylinder, 147 kW (200 PS) und 290 Nm Drehmoment.

Der neue Ford Fiesta ST bietet alles, um seinen Ruf als Gaudibursche unter den schnellen Sportwagen aus dem Kleinwagen-Segment gerecht zu werden. Knurriges Getöse, ein Fahrwerk mit der notwendigen Härte und einen perfekten Halt bietendes Gestühl von Recaro.

Dezent-sportlicher Auftritt des Ford Fiesta ST

Er sieht ein bisschen aus wie ein kampfbereiter Tiger. Tief geduckt steht er auf breit in den Radhäusern in Szene gesetzten schwarzen Pneus. Das Maul gefletscht und jederzeit zum Angriff bereit. Die sportlich-dynamische Präsenz des Ford Fiesta ST ist gegenüber seinen Geschwistern deutlich herausgearbeitet.

Die intuitive und ergonomische Bedienung hat bei Ford mit den neuen Modellen Fiesta und Focus Gott sei Dank wieder Einzug gehalten. Vorbei mit riesigen und in den Fahrgastraum ragenden Bedienelementen mit verwirrenden Schaltern und Knöpfen. Die neue Klarheit ist sehr gut und benötigt kein vertiefendes Studium des Handbuchs.

Wo Antriebskräfte fein dosiert für Vortrieb sorgen

Die drei Zylinder knurren kräftig. Oder wie es ein Beobachter formulierte: “Was hast Du denn da für eine Hummel? Der brummt ja ganz schön kräftig.” Ja, der Sound ist gut abgestimmt. Ein perfekter Mix mit der notwendigen sportlichen Attitüde ohne aber aufdringlich oder gar nervig zu sein.

Wo wir Ford seit Jahren immer wieder in den Himmel loben, sind die bestens abgestimmten Fahrwerke. Das gilt selbstverständlich auch für den Ford Fiesta ST. Das Quäntchen mehr an Fahrspaß lässt sich mit dem 1.100 Euro kostenden Performance-Paket herausholen.

Uns geht es dabei weniger um die Launch-Control, mit der ein Rennstart nachempfunden werden kann. In erster Linie begeisterten uns die drei Fahrmodi Normal, Sport und Rennstrecke sowie die herausragende Arbeit des mechanischen Sperrdifferenzials von Quaife. Dieses zieht den Fiesta ST aus jeder Kurve und erhöht den Fahrspaß mit dem knapp 1,3 Tonnen schweren Gaudiburschen um ein Vielfaches.

Die Funktion ist schnell erklärt. Das mechanische System unterbindet ein Durchdrehen des entlasteten inneren Rades und leitet zudem den größeren Teil der Antriebskraft auf das kurvenäußere Rad. Unterstützt wird die Sperre durch die elektronische Torque-Vectoring-Fahrdynamikregelung. Diese erhöht durch einen aktiven Bremseingriff am kurveninneren Rad die Agilität der Lenkung und verhindert das ansonsten typische Untersteuern von frontangetrieben Fahrzeugen.

Die Post geht ab

Ein paar nackte Zahlen dokumentieren die Gesamt-Performance des Fiesta ST. Aus dem Stand geht es in 6 Sekunden auf 100 km/h. Gefühlt mag das sogar ein bisschen schneller sein. Oben ist laut Hersteller bei 232 km/h Schluss. Der Tacho pendelte sich auf einer freien Autobahn sogar bei 250 km/h ein.

Ist man so schnell unterwegs, saugt der 1,5-Liter-Dreizylinder mit Turbolader gerne auch mal 9 oder mehr Liter durch seine Einspritzdüsen. Im Mix kamen wir nach 14 Tagen und mehr als 1.200 Kilometern auf rund 7,7 Liter. Ein in unseren Augen durchaus akzeptabler Wert, der mit mehr Zurückhaltung locker unterboten werden kann.

Denn bei Teillast oder eben lockerem Cruisen unterbricht die Motorsteuerung des Fiesta ST die Kraftstoffzufuhr eines der drei Zylinder und schaltet ihn ab. Das geschieht innerhalb von nur 14 Millisekunden und ist absolut nicht spürbar.

Ausstattungsumfänge

Im Sommer 2019 setzte Ford den Preis für den Fiesta ST auf 19.990, anstatt 22.600 Euro an. Dreitürig und in der Einstiegsvariante, die aber auch schon einiges zu bieten hat. Unter anderem eine manuelle Klimaanlage, den Berganfahr-Assistenten, Ford Sync3 Light mit AppLink und dem acht Zoll großen Touchscreen sowie Nebelscheinwerfer mit Abbiegefunktion und dem Scheinwerfer-Assistenten mit Tag-/Nachtsensor.

Mit dem 500 Euro teuren Styling-Paket kann man seinen ST mit ein paar hübschen Ziernähten in blau sowie mattschwarz lackierten 14-Zöllern aufpeppen. Das Leder-Paket kann man sich unserer Ansicht nach getrost schenken. Wer will denn schon auf der Nordschleife auf Ledersitzen schwitzen?

Okay, in diesem Paket sind ein paar Features inbegriffen, die durchaus Beachtung finden sollten. Beispielsweise das B&O Soundsystem mit 675 Watt, die Lendenwirbelstütze für die Vordersitze oder auch das Navi und die dunkler getönten hinteren Scheiben. Das gibt es aber auch alles einzeln zu kaufen.

Was uns zu den in unseren Augen empfehlenswerten Ausstattungsdetails führt, die man seinem Fiesta ST gönnen sollte. Eventuell die hinteren Türen, die 800 Euro kosten. Dazu ganz klar das Performance-Paket, das Winter-Paket mit beheizbaren Vordersitze, für 350 Euro und vielleicht auch noch das Easy-Driver-Paket mit elektrisch anklappbaren Außenspiegeln und Parksensoren hinten.

Dann die LED-Hauptscheinwerfer, die mit 750 Euro durchaus preiswert zu nennen sind. Die hinten dunkler getönten Scheiben für 200 Euro sowie das Navi inklusive Digitalradio DAB+ für 950 Euro. Und fertig ist der kleine Flitzer. Mehr über die Vielzahl von Assistenzsystemen ist im Fahrbericht des aktuellen Ford Fiesta nachzulesen.

Fazit

So ein bisschen skeptisch waren wir ja schon, als anstatt vier nur noch drei Zylinder die Hubarbeit des 1,5-Liter-Triebwerks bewältigen sollten. In unserer 14-tägigen Testphase Mitte Juni 2019 wurden wir eines Besseren belehrt. So viel an Gaudi haben wir tatsächlich fast nur noch mit Fahrzeugen aus diesem Segment. Mögen sie uns noch lange erhalten bleiben. Sind doch Automobile wie der Ford Fiesta ST auch eine Art von Jungbrunnen.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Ford Fiesta ST

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Dreizylinder-Benziner

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

Hubraum in ccm: 1.497

Leistung in kW (PS) bei U/min: 147 (200)/6.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 290/1.600 – 4.000

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 6,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 232

Tankinhalt in l: 45

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,0

CO2-Emission kombiniert in g/km: 136

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.068/1.783/1.469

Radstand in mm: 2.493

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.283

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 1.655

Kofferrauminhalt in l: 292 – 1.093

Bereifung: 205/45 R17

Felgen: 7,5 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 23.400

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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