Steckbrief Ford Focus RS

Seit einem guten Jahr ist das Feld der Kompaktsportler deutlich reicher geworden. Der herausragende Ford Focus RS wirbelt mit seinem hecklastigen Allradantrieb von GKN das Feld der Mitbewerber heftig durcheinander. Das 30. Modell mit dem Zusatz RS steht in der Tradition des legendären Ford Taunus 15 M RS aus dem Jahr 1968. Der aber mit seinen 75 PS nicht einmal ansatzweise an die 257 kW (350 PS) des neuen Ford Focus RS herankommt.

Nur noch als Fünftürer

Schade, dass Ford beim aktuellen Focus auf die dreitürige Variante verzichtet hat. Der Focus RS sähe einfach cooler aus, ganz im Stile des ebenfalls 350 PS starken Fronttrieblers RS500, den ich vor mehr als sieben Jahren im Ahrtal erleben durfte.

Tja, nun hat man halt zwei Türen mehr. Die wiederum den Vorteil bieten, dass man hinten bequemer ein- und aussteigen kann und sich einfach etwas verstauen lässt. Einen Kritikpunkt muss ich noch loswerden, bevor ich das Hohelied der Fahrfreude mit dem Ford Focus RS anstimme.

Das mächtige ins Wageninnere ragende Armaturenbrett mit der fetten Mittelkonsole ist einfach zu viel Plastik und noch viel mehr verschenkter Raum. Ford gelobte aber nach dieser bereits persönlich geäußerten Kritik für das kommende Modell Besserung. Weniger ist oftmals mehr, bei der Entrümpelung der vielen Schalter hat es ja auch funktioniert.

Pure Freude im Ford Focus RS

Mit einer unglaublichen Leichtigkeit agiert der mehr als 1,5 Tonnen schwere Ford Focus RS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h wird in 4,7 Sekunden absolviert. Solchermaßen gepfeffert und mit der sensationellen Traktion eines Allradlers gesegnet, hat der Focus RS ganz klar die Nase vorne und das nicht nur in der Liga der kompakten Sportler.

Der RS fliegt um die Ecken, nahezu genauso wie ein auf Rabatz getrimmter Hecktriebler. Diese sensationelle Antriebsverteilung, die bis zu 70 Prozent der Kraft an die Hinterachse leitet, verdrängt jeden Gedanken an Untersteuern. Der Focus RS geht mit dem Hintern um die Kurven, dass es einem die Tränen der Freude aus den Augen drückt. Ich kann mir gut vorstellen, dass auch ein Walter Röhrl Spaß an diesem Gerät hätte.

Dass dabei der Alltagsnutzen nicht im Hintergrund steht, zeichnet den Ford Focus RS zudem aus. Im Normal-Modus morgens zur Arbeit stauen, nachmittags mal schnell hoch ins Mittelgebirge, die Alpen oder einfach nur die Küste entlangfegen. Egal wo man als glücklich zu schätzender Lenker eines Focus RS wohnt, der Spagat zwischen Cruiser und Supersportler ist den Ingenieuren von Ford bestens gelungen.

Für die optimale Haftung auf der Straße hat Michelin zusammen mit Ford den Pilot Super Sport speziell für den Focus RS abgestimmt. Für die Freunde der Nordschleife hält Ford noch ein besonderes Schmankerl bereit. Den Michelin Pilot Sport Cup 2, einen Semislick-Reifen, der noch agilere Fahrmanöver zulässt, als der bereits herausragend konzipierte Serienreifen.

Was muss rein?

Unbedingt das RS-Performance Paket mit 20-Zöllern in grau, dem Ford Navi inkl. SYNC3 sowie dem Sony Soundsystem und am wichtigsten, den Recaro-Schalensitzen mit Teilleder. Kostenpunkt 2.050 Euro. Wer weitere 500 Euro mehr investiert, bekommt die Felgen in schwarz.

Luxus und Annehmlichkeiten bieten zudem das Easy-Driver-Paket für 540 Euro (Active City Stop, elektrisch anklappbare Außenspiegel mit Umfeldbeleuchtung und Einparksensoren hinten) sowie das RS-Komfort-Paket. Dieses umfasst schlüssellosen Zugang, Tempomat sowie eine Rückfahrkamera und fordert weitere 500 Euro.

Wer sich ab und an auf Rennstrecken bewegen will, sollte den Satz Semislicks für 1.700 Euro ordern. Hin zum Ring, Reifen gewechselt, rauf auf die Nordschleife und danach mit den Straßenreifen wieder heimdonnern.

Fazit

Er ist ein ganz großer, wenn nicht sogar der größte und den kompakten Sportlern. Mit seinem hecklastig ausgelegten Allradsystem war das Driften mit vier angetriebenen Rädern noch nie so cool.  Der Ford Focus RS lehrt den anderen das Fürchten. Und das nicht nur in seiner Klasse.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Ford Focus RS

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Vierzylinder-Benziner

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

Hubraum in ccm: 2.261

Leistung in kW (PS) bei U/min: 257 (350)/6.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 440/2.000 – 4.500

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 4,7

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 266

Tankinhalt in l: 62

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 7,7

CO2-Emission kombiniert in g/km: 175

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.390/1.858/1.470

Radstand in mm: 2.648

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.529

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.025

Kofferrauminhalt in l: 260 – 1.045

Bereifung: 235/35 R19

Felgen: 8 x 19″

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 40.675

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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