Steckbrief Ford GT BiTurbo

Wenn sich Karl Geiger einen mit 530 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 330 km/h völlig untermotorisierten Ford GT der zweiten Generation vornimmt, kann es nur um eine extrem ultimative Leistungssteigerung gehen. Mit Hilfe der Schaufelräder eines Garett BiTurboladers GT35R wurde die Kraft des V8 mal schnell mehr als verdoppelt und ein Ford GT BiTurbo gestaltet.

Getunt ist eben nicht nur getunt

Schnell ist jedoch relativ. Das übliche Geschäft von GeigerCars in München verträgt im Regelfall 25-Stunden-Tage. Egal ob in der Verwaltung, dem Verkauf oder in der Werkstatt. In der Michael Jackwerth, Kfz-Mechaniker und Tuningspezialist bei GeigerCars, seinem Werk nachgeht und sich neben dem Umbau und Tuning von Neufahrzeugen auch um diesen blau-weißen Supersportwagen kümmern darf.

Der flach wie eine Flunder auf der Straße geduckt ist. Gut nur, dass die Türen bis weit ins Dach hineinragen, sodass der Ein- Ausstieg für einen einigermaßen beweglichen Zeitgenossen problemlos vonstattengeht.

Hineingeflutscht in die Schalensitze blickt man auf ein übersichtlich gestaltetes Cockpit mit einer Tachoanzeige, die bis 360 km/h reicht. Dieser Highspeed wird aber nach Aussagen von Michael Jackwerth locker übertroffen: „Ich gehe davon aus, das er an der 400-km/h-Marke kratzen wird. Die Übersetzung des sechsten Gangs erlaubt laut Berechnung voll ausgedreht sogar 420 km/h.“

Rasant gebremst

Sapperlot fällt mir da nur ein. Und wie bremst der blau-weiße Rennwagen für die Straße wieder in Richtung Stillstand? Na klar, mit Brembos. Zweiteilig versteht sich. Versteckt hinter riesigen OZ-Felgen, die nach klar festgelegten Spezifikationen von GeigerCars exakt mit der entsprechenden Einpresstiefe gefertigt wurden. Vorne 19 Zoll groß, hinten 20 Zoll. Ebenfalls sehr speziell sind die Pneus auf den Leichtmetallern.

Konstruiert von Michelin für einen Königsegg und bis zu 400 km/h zugelassen. Vorne 265er im 35er Querschnitt, hinten 345er und einem 30er Querschnitt. Verdammt breit. Macht aber auch Sinn. Schließlich marschiert die Kraft ausschließlich auf die Hinterachse.

Mittels des Garrett-Teilchens wird ein Drehmoment – kurz festhalten bitte – von sagenhaften 1.290 Nm erzielt. Die Gesamtleistung wird von GeigerCars mit 1.099 PS beziffert. Mittels einer manuellen Sechsgang-Schaltung, die wegen der immensen Kräfte mit einer Kupplung von Spec aus Sintermetall verbunden ist, kann der Spaß losgehen.

Fahrspaß ohne Grenzen

Vor den Toren von GeigerCars schwinge ich mich hinein in das Vergnügen Ford GT BiTurbo. Der Motor brabbelt deutlich hörbar mit unverkennbarem V8-Grummeln. Die Kupplung gedrückt, den ersten Gang eingelegt, ein bisschen Gas geben und schon schießt der Ford GT los.

In den zweiten Gang zu schalten, scheint im Stadtverkehr fast unnötig. Gefühlt ist bereits das Standgas für eine Geschwindigkeit von 50 km/h ausreichend. Es dauert ein paar Kilometer, bis alle Ecken mit dem langsam warm werdenden Öl ausreichend geschmiert und geflutet sind.

Erst dann ist der Zeitpunkt erreicht, diesem brutalen Kraftwerk mal richtig die Sporen in die Flanken zu drücken. Erster Gang ausdrehen, schalten und oh. Die Leistung fällt in ein Turboloch, fast so tief wie der Mariannengraben. Aha, eines gelernt, der Turbo braucht im Moment noch hohe Drehzahlen, um seine Leistung zu entfalten.

Noch viel Arbeit

Denn Karl Geiger will zusammen mit Michael Jackwerth das Ansprechverhalten deutlich verbessern. Reichlich Arbeit, die in die 25-Stunden-Tage gepresst werden muss. Jackwerth hat zwei Ideen für die Verbesserung des Ansprechverhaltens: „Wir werden uns in erster Linie die Software noch einmal vornehmen. Deutlich weniger Turboloch verspreche ich mir allerdings erst von einer Lachgas-Einspritzung mit einer Leistung von rund 100 PS.“

Es gibt aber auch in der Praxis jetzt schon realisierbare Turboloch-Vermeidungs-Aktionen. Den GT immer schön auf Touren halten, gut 4.000 sollten es sein, dann geht das Teil so ab, dass Schmitz Katze langsamer wie jede Schnecke wirkt.

Langsamer geht aber tatsächlich auch. Klar, geht immer mit Gaswegnahme. Oder aber am Boost-Controller im Cockpit am Rädchen drehen. Schwupps, schon hat der GeigerCars Ford GT nur noch 900 PS.

Das Kraftwerk des Ford GT BiTurbo

Jetzt noch schnell ein Blick auf diesen unglaublich starken Antrieb. Will man sich das 5,4 Liter große Triebwerk mit 32 Ventilen genauer betrachten, muss zuerst der mittig im Dach platzierte Hebel betätigt werden.

Dann heißt es zu zweit auf der linken und rechten Seite die Klammern lösen und die mächtige Haube nach hinten öffnen. Der Anblick lässt einen durchaus sprachlos werden. Mittig auf die Zylinderreihen aufgepflanzt funkelt der Turbolader im Chromglanz. Darunter der V8, der im aktuellen Ford GT von einem V6 abgelöst wurde.

Wegen des Turbos flog übrigens der serienmäßige Kompressor raus. Weil zudem die Auspuffanlage verändert werden musste, fehlt der Katalysator. Doof, wenn man eine Straßenzulassung benötigt.

Apropos serienmäßig. So viel wurde an diesem Ford GT gar nicht verändert. Okay, das Gewindefahrwerk stammt von Penske und neben einer installierten Halon-Feuerlöschanlage aus dem Motorsport wurde der Heckdiffusor etwas vergrößert. Cockpit und Karosse stammen genauso aus der Fabrik von Ford, wie die Karosse.

Träumereien

Noch ein bisschen schwelgen darf erlaubt sein. Für ähnlich geartete Fahrerlebnisse muss ich tatsächlich tief graben. Mit dem Bugatti Veyron vielleicht? Ja, es gibt sie noch. Die unglaublichen Fahrmaschinen wie dieser Ford GT von GeigerCars. Die einem das Grinsen für ewig ins Gesicht meißeln.

Fotos: Franz-Josef Seidl

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Ford GT BiTurbo GeigerCars

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: V8-Benziner

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

Hubraum in ccm: 5.409

Leistung in kW (PS): 808 (1.099)

Maximales Drehmoment in Nm: 1.290

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 2,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: ~400

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.643/1.953/1.125

Radstand in mm: 2.710

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.595

Bereifung: vorne 265/35 ZR19, hinten 345/30 ZR20

Felgen: vorne 9,5x19″, hinten 12x20″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: unverkäuflich

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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