Wer jemals mindestens einen Film der Jurassic Park Reihe angeschaut hat, weiß, dass Raptoren böse und flinke Dinos waren. 

Böse und flink soll auch der Ford Ranger Raptor sein. Eine Adaptation der in Nordamerika extrem erfolgreichen Baureihe F 150 und dem gleichnamigen Modell Raptor. Der Ranger ist zwar deutlich zierlicher als sein amerikanischer Bruder, für europäische Verhältnisse dennoch mit einer herrlich martialischen Optik gesegnet.

Der Auftritt

Ja, so muss ein Pickup aussehen. Kräftig, muskulös und Respekt einflößend. Wer einmal den riesigen Kühlergrill mit dem großen Ford Lettern in seinem Rückspiegel wahrgenommen hat, weiß von was wir hier schreiben. Die flankierende Xenon-Scheinwerfer und LED-Nebellampen sorgen für die Aufhellung dunkler Ecken.

Gegenüber dem klassischen Ford Ranger verfügt der Raptor eine um 150 Millimeter breitere Spur und eine um 56 auf 283 Millimeter erhöhte Bodenfreiheit. BF Goodrich steuerte die Allterrain 285er im 17er Querschnitt dazu, die unter den aus Verbundwerkstoff gefertigten Radläufen auf Alufelgen montiert sind.

Das großartige Design der Außenhaut des Ford Ranger Raptor setzt sich auch im Interieur fort. Die hochwertige Verarbeitung korrespondiert mit den verwendeten Materialien. Diese sind besonders robust gestaltet und zeigen sich mit blauen Nähten und Akzenten aus Leder. Die Sitze überzeugen mit hohem Komfort und dem nötigen Seitenhalt.

Die Ladefläche ist mit einer Länge von 1,57 Meter und 1,56 Meter in der Breite ordentlich groß. Die Heckklappe benötigt aufgrund einer speziellen Mechanik nur noch ein Drittel der Kraft beim Öffnen und Schließen.

Antrieb und Traktion

Unter der mächtigen Haube ist ein fast schon zierlich wirkender 2-Liter-BiTurbo-Diesel eingebaut. Angeflanscht an eine Zehngang-Automatik, die auch den amerikanischen Raptor schaltet. Diese ist übrigens über Schaltpaddel aus Magnesium auch manuell zu bedienen. Die 157 kW (213 PS) stemmen ein maximales Drehmoment von 500 Nm auf die beiden Achsen. Das ist eine fette Leistung, die an deutlich hubraumstärkere Motoren erinnert.

Wie seine braveren Geschwister ist auch der Raptor mit einem zuschaltbaren Allradantrieb ausgestattet. Auf asphaltiertem Untergrund genügt der Hinterradantrieb nahezu immer. Mit dem Drehschalter auf der Mittelkonsole kann man bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h in den Allradmodus wechseln. Durchaus angebracht, wenn die Straßenverhältnisse plötzlich von trocken auf nass wechseln.

Für den härteren Geländeeinsatz kann die Geländeuntersetzung 4L ebenfalls mit dem Drehschalter aktiviert werden. Zudem steht die Bergabfahrhilfe für Vor- und Rückwärtsfahren und die elektronische Sperrung des hinteren Differenzials zur Verfügung.

Ein besonderes Schmankerl des Ford Ranger Raptor ist jedoch das sechs Programme umfassende Gelände-Management-System. Normal steht dabei für einen möglichst hohen Reisekomfort und einen effizienten Kraftstoffverbrauch. Sport bringt mehr Dynamik ins Spiel und Gras/Schotter/Schnee spricht für sich selbst.

Genauso wie Schlamm/Sand sowie Rock für felsigen Untergrund, wenn man sich über längere Strecken konstant mit Schrittgeschwindigkeit fortbewegen muss. Außergewöhnlich ist Baja, die hohe Geschwindigkeiten auf Strecken wie der der berühmten Baja California Wüsten Rallyes zulässt.

Das bisschen Gelände im Bergischen

Na ja. Wir hatten weder hunderte Kilometer Baja California, noch Wüste, noch Schnee und auch keinen Matsch unter den Rädern, als wir durch das Bergische Land fuhren. Einzig eine für den Ford Ranger Raptor lächerlich wirkende Offroad-Strecke auf Forststraßen durch einen Wald in der Nähe von Engelskirchen.

Herausragende “Hindernisse” der liebevoll gepflegten Strecke sind eine hölzerne Brücke, eine Verschränkung und eine einigermaßen steile Abfahrt. Locker und lässig bewegten wir mit unseren Raptor durch den Wald und genossen die hohe Durchzugskraft des BiTurbos.

Die Spreizung zwischen höheren Dämpfungskräften für Offroad-Passagen und geringeren für befestigten Untergrund, gelingt mit Hilfe von Hochleistungs-Stoßdämpfern von Fox. Die weiteren Komponenten des Fahrwerks sind ebenfalls Sahnestückchen.

Für die Vorderräder wurden Aluminium-Querlenker und besonders widerstandsfähige Stützlager verwendet. Hinten sind kombinierte Feder-Dämpfer-Elemente verbaut, die durch ein integriertes Wattgestänge große Auf- und Abbewegungen der Achse erlauben und gleichzeitig die lateralen Einflüsse auf die Karosserie beschränken.

Solchermaßen optimiert, ist auch die Fahrt auf der asphaltierten Straße ein Genuss. Okay, die Allterrain-Schlappen sind mit ihrem groben Profil zu hören. Aber macht dies nicht gerade den Sound eines echten Offroaders aus?

Ausstattungsfeatures des Ford Ranger Raptor

Fehlt was im neuen Ford Ranger Raptor? Den es übrigens nur mit der Doppelkabine und seitlichen Trittbrettern gibt, die ein leichteres Raus und Rein ermöglichen und die hintere Flanke vor Steinschlag schützen. Zudem haben diese robusten Teile auch noch Abflussrinnen für Wasser und Schlamm.

Klar ist Sync3 an Bord, das Kommunikations- und Entertainmentpaket der Kölner. Bedienbar über den acht Zoll großen Touchscreen. Dazu noch jede Menge Assistenten, wie die adaptive Geschwindigkeitsregelanlage, Einparkhilfe vorne und hinten, Rückfahrkamera sowie ein ESP mit integrierten Überrollschutz und Anhängerstabilisierung.

Fazit

Den Preis von 66.771 Euro für einen europäisch geprägten Pickup muss man sich ganz langsam zu Gemüte führen. Die bis dato geäußerte Begeisterung bekommt dadurch leider einen gehörigen Dämpfer. Okay, die Ausstattung des Ford Ranger Raptor lässt kaum Wünsche offen. Die herausragenden Performance-Eigenschaften auf befestigten und wie auch immer unbefestigten Grund ebenso wenig. Dennoch ist dieser Preis mutig hoch angesetzt.

Fotos: Thomas Starck

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Ford Ranger Raptor

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 4-Zylinder-Diesel

Getriebe: Zehngang-Automatik

Hubraum in ccm: 1.996

Leistung in kW (PS) bei U/min: 156 (213)/3.750

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 500/1.500 – 2.500

Beschleunigung 0–100 km/h in s: n.n.

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 180

Tankinhalt in l: 80

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 10,8

CO2-Emission kombiniert in g/km: 281

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 5.363/2.028/2.180

Radstand in mm: 3.220

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 2.558

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 3.130

Laderaum Doppelkabine in mm: Länge: 1.575, Breite: 1.560, Höhe: 541

Bereifung: 285/65 R17

Felgen: 8 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 66.771

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka

Letzte Artikel von Dietmar Stanka (Alle anzeigen)