Steckbrief GMC 100 Stepside Longbed

1936 kostete ein nagelneuer GMC T-14 gerade einmal 566 US-Dollar. Was sich heute wenig anhört, war damals rund die Hälfte des Durchschnittseinkommens eines US-Amerikaners von 1.300 US-Dollar. Pickups wie dieser GMC 100 Stepside Longbed waren damals echte Arbeitstiere. Heute sind solche Pickups auf Hochglanz polierte Spielzeuge, die eine deutliche Wertsteigerung erfahren haben.

Wie auch der in 78 Folgen der ZDF-Serie „Tierarzt Dr. Engel“ und damals noch rot lackierte agierende automobile Star GMC 100 Stepside Longbed. Hauptdarsteller Wolfgang Fierek holte sich diesen Pickup eigens für die Fernsehserie aus den USA. Erst auf ihn und dann auf seine Frau Djamila zugelassen, ging er vor etwa 10 Jahren in die Hände von Karl Geiger.

Der beste Jahrgang

Warum kauft sich aber der Gründer und Geschäftsführer von GeigerCars in München einen 1959er Pickup? „Ganz klare Sache“, erzählt uns Karl Geiger schmunzelnd. „Der GMC ist in meinem Geburtsjahr gebaut worden und das ist ja wohl unbestritten der beste Jahrgang.“ Da kann der Autor dieses Artikels nur zustimmend nicken und sich dem wunderschön restaurierten GMC widmen.

Der eine echte Rarität ist. Vor allem weil er ein GMC ist. Ford und Chevrolet Pickups sind dagegen fast wie Sand am Meer zu bekommen. Und noch ein Detail ist entscheidend. Die lange Ladefläche, Longbed genannt. Da passt auch ein Motorrad drauf. Natürlich eine Harley Davidson Custom-made und mit der Startnummer 59 versehen.

Extra angefertigt, ziert das kleinere Schmuckstück auf der Ladefläche das große mit den vier Rädern. Die vorne einzeln aufgehängt sind. „Weg mit den Blattfedern“, erzählt Dieter Rotter, Oldtimer-Spezialist bei GeigerCars in München. „Ein bisschen Komfort muss schon sein und da war es nur logisch, eine komplette Vorderachse von Heidts Engineered Performance einzubauen.“

Perfekte Performance

Das in Lake Zurich – nordwestlich von Chicago – beheimatete Unternehmen ist auf die Veredelung von Hot Rods und Muscle Cars spezialisiert. Und für einen solchen, genauer für einen Mustang, ist die modifizierte Vorderachse eigentlich gedacht. Passt aber auch in den GMC 100, der dadurch doppelte Querlenker, eine Zahnstangenlenkung, Scheibenbremsen sowie einen Bremskraftverstärker einverleibt bekam.

Über der für einen Pickup seltsam anmutenden Vorderachse wurde ein 5,7-Liter-V8 von Chevrolet eingepflanzt. Dieser wird durch einen Edelbrock Hochleistungsvergaser samt Ansaugspinne mit Sprit versorgt. Angeflanscht ist eine Dreigang-Automatik vom Typ TH350. Weit weg vom Original, das laut Typenschild ursprünglich von einem Reihensechszylinder angetrieben wurde.

Ähnlich veredelt wie das Zweirad zeigt sich auch die Ladefläche des GMC 100. Ein echter Holzboden wich dem puren Blech. Das originale Armaturenbrett musste ebenfalls weichen. Es zog gegenüber einem Instrumententräger von GM Performance den Kürzeren. Gleiches gilt für das Lenkrad, dass zugunsten eines mit Leder ummantelten Dreispeichen-Alu-Volant das Weite suchte.

Der V8 des GMC 100 Stepside Longbed

Die pure Kraft aus 255 PS röchelt und surrt einer Turbine gleich. Das tiefe Blubbern des V8 entfaltet sich erst bei höheren Drehzahlen, die mit dem GMC 100 im Regelfall nicht auf dem Programm stehen. Mit der locker-flockig schaltenden Dreigang-Automatik ist der Pickup zudem absolut langstreckentauglich.

Die Langstreckentauglichkeit von GMC Trucks hat aber nicht nur mit der professionellen Restaurierung des GMC 100 Stepside Longbed von GeigerCars zu tun. In einem Artikel aus der New York Times vom 16. März 2012 erzählt Autor Tudor van Hampton von einer 1927 durchgeführten Langstreckenfahrt mit einem Zweitonner GMC mit Tankaufbau.

Gefahren von Erwin Baker, der wegen seiner automobilen Stunts Cannonball genannt wurde, legte dieser innerhalb von fünf Tagen und siebzehn Stunden auf der Strecke zwischen New York City und San Francisco 3.700 Meilen zurück. Mit dem mit Wasser gefülltem Tank auf der Ladefläche und ohne nennenswerte Pausen erzielte Baker eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 27 Meilen.

Ein gewisser Mr. English wiederholte diesen Trip 2007 in einem von ihm selbst restaurierten 1951er GMC Pickup und erläuterte in dem New York Times Artikel, dass GMC Trucks über Jahrzehnte permanent mit 35 Meilen über eine zweispurige Straße fahren könnten. Das schafft der GMC 100 Stepside Longbed auch locker, vorausgesetzt es ist nicht gerade Ferienzeit und sämtliche Straßen vollgestopft.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: GMC 100 Stepside Longbed

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: V8-Benziner

Getriebe: Dreigang-Automatik

Hubraum in ccm: 5.700

Leistung in kW (PS): 187 (255)/4.600

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 5.400/1.930/1.960

Radstand in mm: 2.840

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.770

Bereifung: 245/60 R14

 

Bereifung: 215/70 R 15 vorne, 255/70 R 15 hinten

Felgen: 7 x 15″ Leichtmetall

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka