Von der Pariser Messe am Porte de Versailles bis zum Frankfurter Flughafen sind es 587 Kilometer.

Für nahezu jeden Diesel und eine Vielzahl von Benzinern mit einer Tankfüllung ein Klax. Aber geht so was auch mit einem Elektroauto? Ein Roadtrip mit dem neuen Hyundai Kona Elektro sollte uns überzeugen, dass diese Strecke locker zu fahren ist. Also einsteigen und los geht’s mit uns von der Stadt der Liebe nach Mainhattan.

Start am Porte de Versailles

Die Mondial Auto Paris 2018 war der Startpunkt unseres Roadtrips. 16 Uhr und Rushhour in Paris. Das macht viel Spaß, denn die Straßen der Metropole an der Seine sind gerne mal verstopft. Und damit das passende Revier für ein Fahrzeug wie den Hyundai Kona Elektro.

Aus mindestens dreierlei Gründen übrigens. Erstens wegen der nur 4,17 Meter langen Karosserie des Hyundai Kona, den wir Anfang des Jahres als 177 PS starken Benziner getestet haben. Zweitens wegen des permanenten Stop-and-Go-Verkehrs. Denn dann wird die Batterie durch die Rekuperation immer wieder geladen. Das lässt die Reichweite kaum schmelzen.

Drittens hatten wir die Advanced Smart Cruise Control aktiviert. Dieser adaptive Geschwindigkeitsassistent bietet eine Ahnung vom autonomen Fahren. Damit wird das eingestellte Tempo eingehalten, der korrekte Sicherheitsabstand wird eingehalten. Will heißen, er wird entweder automatisch reduziert oder auch wieder erhöht, je nachdem wie sich das vorausfahrende Fahrzeug verhält.

Zudem verfügt das System über die Stopp-Funktion, die den Hyundai Kona Elektro bis zum Stillstand abbremst. Dauert der Halt nur wenige Sekunden, beschleunigt der kompakte SUV selbstständig und hängt sich wieder an den Vordermann. Solchermaßen assistiert, wird jeder nervige Stau zum Kinderspiel.

Anders sah es auf der dann freien Autobahn aus, als wir den Tempomaten auf die in Frankreich erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h stellten. Von rund 12 kWh Stromverbrauch auf 100 Kilometer schnellte die Verbrauchsanzeige ruckzuck auf 16 kWh.

Reichweite und Leistung des Hyundai Kona Elektro

Zwei Varianten des ab 34.600 Euro erhältlichen Hyundai Kona Elektro stehen zur Wahl. Die Einstiegsversion mit 100 kW (136 PS) und einer Akku-Speicherkapazität von 39 kWh, die laut WLTP eine Reichweite von bis zu 312 Kilometern ermöglicht.

Uns stand der 150 kW (204 PS) starke Hyundai Kona Elektro zur Verfügung, der uns bis zu 482 Kilometer weit bringen soll. Ergo genau die Strecke von unserem Hotel in der Champagne bis zum Frankfurter Flughafen. Der Akku fasst sagenhafte 64 kWh und soll an einer 100-kWh-Schnellladestation in nur 54 Minuten zu 80 Prozent aufgeladen sein.

Vom Chateau de Fere nach Saarbrücken

Mitten in der Champagne liegt das traumhafte Anwesen des Chateau de Fère. Passend zum vom Hyundai ausgegebenen Motto “Be an electric musceteer” wohnte in diesem Schloss Dardagnon, D’Artagnan, ein Freund der drei Musketiere. Das Hotel ist ein echter Geheimtipp, den wir wärmsten Herzens empfehlen können. Die Lage ist ein Traum, die Küche eine kulinarische Offenbarung und die Zimmer liebevoll gestaltet.

Um kurz nach 9 Uhr fiel der Startschuss für die fünf Hyundai Kona Elektro, die von insgesamt neun Journalisten und Bloggern besetzt waren. Erst ein bisschen Landstraße zum Aufwärmen und dann auf die Autobahn Richtung Reims und dann weiter an Verdun und Metz vorbei bis zu unserem Zwischenstopp nach Saarbrücken.

Dort wartete neben einem kleinen Lunch auch eine Ladesäule mit einer Leistung von 100 kWh auf uns. Auf der leicht hügeligen Landstraße und einer Ortsdurchfahrt probierten wir die insgesamt vier Modi und ebenfalls vier Rekuperationsstufen aus. Der Sportmodus für den Fahrspaß, aber mit hohem Stromverbrauch. Den Eco-Modus, der den Fahrspaß auf ein Minimum eindämpft, wobei uns der Eco+-Modus noch dramatisch zäher vorkam und der von uns nahezu meistens benutzte Comfort-Modus.

Um nämlich die vier Stufen der Energierückgewinnung zu nutzen, müssen nur die Schaltpaddels am Lenkrad betätigt werden. Die richtige Wahl der einzelnen Stufen erspart fast immer die klassische Betätigung der Bremse. Das hält nicht nur die Felgen sauber, sondern spart auch den häufigen Wechsel der Bremsscheiben. Dennoch ist es wichtig, die Bremsen ab und zu richtig zu fordern, da sich ansonsten schnell Flugrost ansetzen kann.

Auf der Autobahn setzten wir uns durch den Einsatz des adaptiven Geschwindigkeitsassistenten, den wir auf die in Frankreich erlaubte Höchstgeschwindigkeit von 130 km/h  hinter einen der Hyundai Kona Elektro und hielten uns im Windschatten bei rund 100 km/h eine Strecke von gut 200 Kilometern auf. Allerdings wurde es mit diesem Tempo auf Dauer immer öder und öder.

Nach einer Mautstation hatten wir im wahrsten Sinne die Schnauze voll und ließen unseren Kona laufen. Mit viel mehr Spaß und deutlich weniger Ermüdungserscheinungen kamen wir gegen 12.30 Uhr in Saarbrücken an. Eine gute Stunde später düsten wir mit guten 120 km/h weiter zum Frankfurter Flughafen.

 

Unser Ergebnis und ein eindeutiges Fazit

16,2 kWh Verbrauch auf 100 Kilometern waren das Gesamtergebnis unserer Langstreckenfahrt von mehr als 600 Kilometern von Paris nach Frankfurt. Damit haben wir definitiv den Beweis angetreten, dass der Hyundai Kona Elektro mit 204 PS auch für weitere Strecken tauglich ist.

Entweder mit eiserner Disziplin gute 450 Kilometer oder mit mehr Fahrspaß und höherem Tempo zwischen 280 und 350 Kilometern. Klar sollte aber auch bei solchen Reichweiten bedacht werden, dass ein Elektroauto an jeder sich bietenden Stelle geladen werden sollte. Zudem raten wir zu einem Kauf nur dann, wenn entweder zuhause und/oder am Arbeitsplatz Lademöglichkeiten bestehen.

Last but not least sollte man sich daheim eine Wallbox installieren lassen. Denn nur dann können auch mal in kürzerer Zeit entsprechende Batterieladungen ermöglicht werden. Wir werden in Kürze über den Test des ADAC über diese Boxen berichten.

Fotos: Axel Wierdemann

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Hyundai Kona Elektro Premium

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Permanenterregter Elektro-Synchronmotor (PSM)

Getriebe: 1-Gang-Getriebe

Leistung in kW (PS): 150 (204)

Maximales Drehmoment in Nm: 395

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 7,6

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 167

Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 14,3

Reichweite nach WLTP in km: 482

Batterie

Batterietyp: Lithium-Polymer

Energie in kWh: 64,0

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.180/1.800/1.570

Radstand in mm: 2.600

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.615

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.020

Kofferrauminhalt in l: 323 – 1.200

Bereifung: 205/55 R 17

Felgen: 6,5 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 45.600 Euro

In Deutschland aktuell abzüglich 4000 Euro Elektroautoförderung

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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