Liebe deutsche Automobilhersteller. Ist es nicht beschämend, dass die Zukunft der Mobilität, der Claim von Auto360.de, hauptsächlich von Herstellern aus dem asiatischen Raum beherrscht wird? Bestes Beispiel ist der neue Hyundai Nexo. Ein herausragend konzipiertes Brennstoffzellen-Fahrzeug mit einer beeindruckenden Reichweite nach der ab 1. September 2018 geltenden WLTP-Norm von 666 Kilometern.

Das Konzept des Hyundai Nexo

Den ersten Eindruck vom Hyundai Nexo konnten wir Anfang August bei einer ersten Testfahrt erleben. Und ja, es war ein Hammer-Wow-Effekt. Eine traumhaft gestylte Karosserie mit einer außergewöhnlichen Lichtsignatur korrespondiert mit matten Chromapplikationen und Windblades an der C-Säule.

Ein weiteres Highlight sind die versenkten Türgriffe. Diese sorgen im Zusammenspiel mit weiteren aerodynamischen Maßnahmen wie einem vollständig verkleideten Unterboden und der gezielten Luftführung um die Vorderräder einen für einen SUV niedrigen cw-Wert von 0,33 ermöglicht.

Im Interieur setzt sich die außergewöhnliche Formensprache fort, aber ohne die Ergonomie zu vernachlässigen. Reinsetzen, Spiegel einstellen, Schalter und Bedienelemente checken. All das passierte bei unserem ersten Platznehmen innerhalb weniger Sekunden. Die Elemente der riesig wirkenden und optisch schwebenden Mittelkonsole sind übersichtlich und logisch angeordnet.

Sämtliche Informationen über das Fahrzeug sind über das sieben Zoll große Instrumentendisplay und den 12,3 Zoll großen Navigationsbildschirm abrufbar. Die Steuerung erfolgt intuitiv über den Touchscreen oder den Dreh-/Drücksteller.

Luftig und angenehm sind die Platzverhältnisse vorne wie hinten. Auf einer Außenlänge von 4,67 Metern sind fünf bequeme Sitze und ein Stauraum von 461 bis 1.466 Litern untergebracht.

Die Brennstoffzellen-Technik

Um gleich einem möglichen Missverständnis zu begegnen, sei erwähnt, dass ein Fahrzeug mit Brennstoffzelle mit Wasserstoff versorgt und durch einen Elektromotor angetrieben wird. Ergo ist der Hyundai Nexo ein Elektrofahrzeug, das nie an einer Steckdose geladen werden muss, da die notwendige Energie für die Batterie von der Brennstoffzelle und dem getankten Wasserstoff erzeugt wird.

Ganz einfach also. Übrigens genauso wie der Tankvorgang, der innerhalb von fünf Minuten erledigt ist. An im Moment 44 Tankstellen in Deutschland, die taktisch gut an den Hauptverkehrsrouten gelegen sind. Bis Ende 2018 soll die Zahl verdoppelt werden und auf Auto360.de werden wir über die aktuellen Entwicklungen ständig berichten.

Insgesamt 6,33 kg Wasserstoff werden bei 700 bar in Hochdrucktanks gespeichert. Die Brennstoffzellen verbinden den Wasserstoff mit Sauerstoff und die damit entstehende umgekehrte Elektrolyse erzeugt den Strom für die Batterien. Diese treibt den Elektromotor mit einer Leistung von 120 kW (163 PS) und einem Drehmoment von 395 Nm an. In 9,2 Sekunden spurtet der Hyundai Nexo auf 100 km/h und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von 177 km/h. Laut WLTP, dem neuen Messverfahren für Verbrauch und CO2, werden auf 100 Kilometer 0,92 kg Wasserstoff benötigt. Die CO2-Emission beträgt 0 Gramm pro Kilometer, da nur Wasserdampf produziert wird.

Das Fahrvergnügen

Es ist die wahre Freude, mit dem Hyundai Nexo unterwegs zu sein. Die leichtfüßige Art und Weise des Brennstoffzellen-SUV fasziniert ebenso wie eine Reihe außergewöhnlicher Assistenzsysteme.

Setzt man beispielsweise den Blinker, wird im Instrumentendisplay das Spiegelbild des Tote-Winkel-Warners eingeblendet. Einen Radfahrer oder Fußgänger zu übersehen, gehört somit der Vergangenheit an.

Einparken in engste Lücken, ohne dass jemand am Steuer sitzt, funktioniert im Hyundai Nexo mit der Fernbedienung von außen. Der Querverkehrswarner bremst den Wagen automatisch ab, wenn beim rückwärtsfahren ein Hindernis erkannt wird.

Teilautonomes Fahren ist mit dem adaptiven Geschwindigkeits-Assistenten mit Abstandsregelung und Stopp-Funktion sowie dem aktiven Spurhalte- und Stauassistenten schon heute möglich.

Die Ausstattung des Hyundai Nexo

69.000 Euro kostet der Spaß, einen Hyundai Nexo zu besitzen. Wir finden, dass dieses Automobil jeden Cent wert ist. Schaut man sich nämlich die umfangreiche Serienausstattung an und vergleicht den Nexo mit konventionell angetriebenen SUV gleicher Größe, stellt man fest, dass diese mindestens genauso viel, wenn nicht sogar mehr kosten.

Neben den bereits erwähnten Assistenzsystemen wartet der Hyundai Nexo mit Voll-LED-Scheinwerfern, einer Zwei-Zonen-Klimaautomatik, beheizbaren Vordersitzen und Lenkrad, einem Navigationssystem, dem Digitalradio DAB+ sowie eine elektrischen Heckklappe und schlüssellosem Zugang auf. Weitere Features wie der Around-View-Monitor, ein Soundsystem von Krell, belüftete Vordersitze und Sitzheizung hinten, können mit dem Premium-Paket für 3.500 Euro ergänzt werden.

Fazit

Ja. Genauso sieht die Mobilität der Zukunft aus. Mit dem Hyundai Nexo begründen die Koreaner ein neues Segment, das weiter ausgebaut werden soll. Eine wesentliche Voraussetzung ist eine eben geschlossen Kooperation mit Audi, die die Kompetenz beider Hersteller in der Entwicklung von Brennstoffzellen-Fahrzeugen weiter ausbaut. Wir werden weiter über die Fortschritte über die CO2-freie individuelle Fortbewegung berichten.

 

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Hyundai Nexo

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Elektromotor

Getriebe: 1-stufiges Reduktionsgetriebe

Leistung in kW (PS): 120 (163)

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 395/0

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 9,2

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 177

Wasserstoffvorrat in kg: 6,33 bei 700 bar

Tankkapazität in l: 156,6

Wasserstoffverbrauch kombiniert in kg/100 km: 0,95

CO2-Emission kombiniert in g/km: 0

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.670/1.860/1.630

Radstand in mm: 2.740

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.889

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.340

Kofferrauminhalt in l: 461 – 1.466

Bereifung: 225/60 R17

Felgen: 7 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 69.000 Euro

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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