Steckbrief Jaguar E-Pace

Es hat lange gedauert, bis Jaguar mit dem F-Pace den lukrativen SUV-Markt geentert hat. Nun wird die Schlagzahl mit dem Jaguar E-Pace erhöht, bevor 2019 der rein elektrische I-Pace Menschen begeistern soll. Es liegen nur ein Tag zwischen unserem Fahrerlebnis mit dem kompakten Briten auf Eis und Schnee in Schweden und auf kurvigen Bergstraßen im Hinterland von Nizza. Wie uns der E-Pace gefallen hat, erzählen wir in dieser Geschichte.

Die pure Eleganz des Jaguar E-Pace

Gerade einmal 4,39 Meter misst der Jaguar E-Pace in der Länge. Dieses äußerst kompakte Maß korrespondiert perfekt mit dem langen Radstand von 2,68 Meter. Der in unserer ersten Betrachtung für kurze Überhänge und gleichzeitig für reichlich Platz im Innenraum Sorge trägt.

Der nicht nur dem Gepäck zugutekommt. Das Ladevolumen erreicht mit 577 Litern Ausmaße, die wir sonst beispielsweise nur von einem Skoda Karoq kennen. Durch das Umklappen der 60:40 teilbaren Rückbank entstehen bis zu 1.568 Liter für die Ladung. Die Fond-Passagiere dürfen sich über eine Beinfreiheit von 892 Millimetern freuen, die auch längere Reisen für Erwachsene angenehm gestaltet.

Der bei Magna Steyr in Graz gebaute Jaguar E-Pace trägt in seiner Karosserie Anleihen vom Jaguar F-Type. Muskulös blickt er in Welt hinaus und mit der geschwungenen Dachlinie und der für die Briten charakteristischen Fensterlinie strahlt er in all seinen Fasern pure Eleganz und Dynamik aus.

Das Interieur

Sports Command bezeichnet Jaguar die nur leicht erhöhte Sitzposition des E-Pace. Fahrer und Beifahrer sind durch die vom oberen Rand der Mittelkonsole kommenden Linie deutlich getrennt untergebracht. Im Fokus des Fahrers liegt die Armaturentafel, die sich optional durch das 12,3 Zoll große TFT-Fahrerdisplay aufwerten lässt.

Mittig ist in allen Jaguar E-Pace der 10 Zoll große Touchscreen des Infotainment-Systems Touch Pro angebracht. Dessen Funktionen sind durch eine natürliche Sprachsteuerung sowie die Gestensteuerungen Wischen und Zoomen bedienbar. Besonders hübsch sind zudem die an Jaguar-Tatzen erinnernden Muster des HSE-Modells, die in der First Edition zusätzlich in Rot hervorgehoben werden.

Gar nicht hübsch und vor allem nicht zum hohen Anspruch eines Jaguar passend, sind einige Kunststoffteile auf dem Armaturenträger. Das kann anders gelöst und damit dem Premium-Charakter dieser Marke besser gerecht werden.

Die Triebwerke und der Vortrieb

Für den Jaguar E-Pace sind ausschließlich 2-Liter-Motoren im Angebot. Sie stammen alle aus der neuen Ingenium-Generation und sind als Benziner mit 183 kW (250 PS) und 221 kW (300 PS) respektive als Diesel mit 110 kW (150 PS), 132 kW (180 PS) sowie 177 kW (240 PS) verfügbar.

Während wir im schwedischen Arjeplog bei den Testfahrten bei GKN mit dem stärksten Diesel unterwegs waren und sein kraftvolles Drehmoment von 500 Nm genießen konnten, schnappten wir uns an der Cote d’ Azur den 300-PS-Benziner. Dessen Drehmoment von 400 Nm ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist.

In beiden genannten Versionen ist das von GKN stammende Allradsystem Twinster mit Torque Vectoring plus Disconnect-System verbaut. Dieses Active-Driveline-System vereint in perfekter Art und Weise die hecklastige Fahrdynamik mit der Sicherheit des Allradantriebs.

Zudem sorgen die beiden Nasskupplungen für eine hohe Effizienz. Sobald es der Untergrund und der Fahrstil erlauben, wird die Kraftübertragung der Hinterachse abgekoppelt und damit der Verbrauch gesenkt. Zusätzlich dient die gesamte Einheit im Allradantrieb als elektronisches Differenzial, das mittels Toruque Vectoring für eine deutliche Verbesserung der Traktion und Fahrstabilität verantwortlich ist.

Das Fahrverhalten

Ist es verwunderlich, dass dieses ausgereifte Allrad-Package zusammen mit den leistungsstarken Motoren ungemein viel Fahrspaß bereiten? War es auf Eis und Schnee bei ausgeschalteten ESP immer auch mal quer und mit breitem Grinsen im Gesicht, war es auf den Serpentinen in Südfrankreich die fantastische Agilität, mit der sich der E-Pace um die engen Kurven zirkeln ließ.

Allerdings wirkte der auch in Raum Nizza nochmals von uns gefahrene 240-PS-Diesel trotz seines starken Drehmoments bei zügiger Beschleunigung etwas müde. Nach einem Blick auf das Leergewicht des Jaguar E-Pace ist das auch kein Wunder. Knapp 1,9 Tonnen sind in dieser Klasse außergewöhnlich viel. Ein ähnlich großer Skoda Karoq wiegt dagegen rund 300 kg weniger!

Der Ausstattungsumfang

Der Jaguar E-Pace startet mit Frontantrieb und 150 Diesel-PS in der Basisversion bei 34.950 Euro. Mit Allrad sind es 2.500 Euro mehr. Über S, ab 40.250 Euro über SE, ab 48.975 Euro bis hin zum HSE, ab 52.875 Euro, dreht sich die Preisspirale schnell nach oben. Getoppt werden können die einzelnen Versionen (außer Basis) mit dem Paket R-Dynamic.

Wie von Jaguar mittlerweile bekannt, wird auch eine First Edition feilgeboten. Der D180 für 62.675 Euro und der P250 für 63.050 Euro. Diese Fahrzeuge sind mit einem Füllhorn volle Features ausgestattet. Unter anderem mit Sitze in Windsor-Leder, 18-fach verstellbaren Vordersitzen, Head-up-Display, elektrischer Heckklappe mit Gestensteuerung sowie dem konfigurierbaren Dynamik-Modus.

Fazit

Der Charakter des Jaguar E-Pace ähnelt eher dem Sportwagen F-Type als seinem größeren Bruder F-Pace. Die hohe Agilität wird bei den schwächeren Motorisierungen und selbst beim stärksten Diesel leider durch das zu hohe Gewicht etwas eingebremst. Dennoch macht der E-Pace mächtig viel Laune und würde uns noch mehr begeistern, wenn nach einem Facelift der billig wirkende Kunststoff am Armaturenbrett verschwunden ist.

 

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Jaguar E-Pace P300 R-Dynamic HSE

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 4-Zylinder-Benziner

Getriebe: Neungang-Automatik

Hubraum in ccm: 1.968

Leistung in kW (PS) bei U/min: 221 (300)/5.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 400/1.500 – 4.500

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 6,4

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 243

Tankinhalt in l: 69

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,0

CO2-Emission kombiniert in g/km: 181

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.359/1.984/1.649

Radstand in mm: 2.681

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.894

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.400

Kofferrauminhalt in l: 577 – 1.568

Bereifung: 245/45 R20

Felgen: 8 x 20″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 63.550

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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