Dass ein SUV mit einem Sportwagen-Motor ausgestattet wird, widerspricht jeglichem Gedanken von Effizienz. 

Das gilt auch für den Jaguar F-Pace SVR, der den mit einem Kompressor geladenen 5-Liter-V8 mit 405 kW (550 PS) unter der Haube trägt. Da aber die Mitbewerber mit den Kürzeln AMG, M und RS auch solche Triebwerke verpflanzen, wollen sich die Briten auch ein Stück dieses Kuchens sichern.

Auftritt mit voller Breitseite

Ein SUV ist im Regelfall rein aerodynamisch betrachtet mit einer Schrankwand vergleichbar. Für den Feinschliff des über 283 km/h schnellen Jaguar F-Pace SVR legten die Entwickler gegenüber dem regulären Modell Hand an.

Größere Lufteinlässe an der Front und Öffnungen in den Radlaufverkleidungen kühlen nicht nur, sondern senkten den cw-Wert zusammen mit dem Dachspoiler und Windleitprofilen auf 0,39. Zudem ist der Supersportler breiter und tiefer konstruiert.

Das Gestühl besteht vorne aus 14-fach verstellbaren Schalensitzen, die sogar über Schlitze für Hosenträger-Sicherheitsgurte aufweisen. Die Fondpassagiere müssen auch nicht darben und dürfen sich auf ähnlich konturierten Sportsitzen räkeln.

Die Praxistauglichkeit wird durch das gleiche Kofferraumvolumen aller F-Pace-Modelle von 650 Litern nicht in Frage gestellt. Über den 10 Zoll großen Touchscreen werden von der Audioanlage über das Telefon bis hin zum Navi und den obligatorischen Apps bedient.

Die Kraft des V8

Losbollern ohne Ende. Dazu eine Sounduntermalung, die uns aus dem F-Type wohlbekannt ist. Dafür sorgt die Klappensteuerung der aktiven und aus Titan bestehenden Auspuffanlage. 4,3 Sekunden dauert der Sprint aus dem Stand bis zur 100-km/h-Marke.

Fest eingepresst in die feinen Sitze, das griffige Lederlenkrad in der Hand düsten wir im Norden Münchens über kurvige Landstraßen. Leicht hecklastig ausgelegt fühlt sich der Jaguar F-Pace SVR trotz seiner knapp 2,1 Tonnen leichtfüßig an. Denn obwohl natürlich ein Allradantrieb an Bord ist, bewegt sich SVR bei genügend Grip auf trockenen Straßen rein über die Hinterräder angetrieben.

Die Ingenieure von SVO (Special Vehicle Operations) spendierten dem Über-SUV progressive Federn, die von um 30 und hinten um 10 Prozent steifer als bei den anderen Modellen ausgelegt sind. Dazu Querstabilisatoren, die die Rollneigung um 5 Prozent senken.

Das Ergebnis ist wie zu erwarten phänomenal. Das Teil liegt auf der Straße wie das oftmals zitierte Brett. Wankneigungen sind nahezu unbekannt, aufpassen muss man wie der Teufel aber auf den Gasfuß.

Die 100er Marke ist so brutal schnell erreicht, dass man permanent in Gefahr ist, die zulässige Landstraßen-Geschwindigkeit zu überschreiten. Auf den Spritverbrauch sollte man bei diesen Petrolhead-Orgien übrigens gar nicht achten.

Ausstattungsumfänge des Jaguar F-Pace SVR

101.000 Euro ruft Jaguar für diesen SUV-Hammer auf. Ein paar Details ob der Ausstattungsfeatures haben wir bereits erwähnt. Leder ist natürlich usus, gegerbt auf den Sitzen, um den Halt zu verbessern. Gerollt wird serienmäßig auf 21-Zöllern. Vorne mit 265ern, hinten mit 295ern Pneus.

Wie von Jaguar mittlerweile gewohnt, wird mit einer Achtgang-Automatik geschaltet, die von ZF in Friedrichshafen stammt. Über den 4G-Wifi-Hotspot können bis zu acht Endgeräte mit dem Internet verbunden werden. Für den, der es braucht, absolut das Höchste.

Wirklich sinnvoll sind dagegen die adaptiven LED-Scheinwerfer, die Sportbremsanlage mit 395 Millimeter großen Scheiben sowie die Anhänger-Stabilitätskontrolle und das 11 Lautsprecher umfassende Meridian Soundsystem mit 380 Watt.

Fazit

Mal mit dem Jaguar F-Pace SVR unterwegs sein, ist schon eine coole Sache. Für die tägliche Nutzung stellt sich aber die Frage nach der Sinnhaftigkeit solcher Antriebskonzepte in diesem Fahrzeugsegment. Wir wollen aber keine Spielverderber sein und attestieren dem stärksten SUV von Jaguar eine gehörige Portion an unglaublichem Fahrspaß.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Jaguar F-Pace SVR AWD

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: V8-Benziner

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 5.000

Leistung in kW (PS) bei U/min: 405 (550)/6.000 – 6.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 680/2.500 – 5.500

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 4,3

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 283

Tankinhalt in l: 82

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 11,9

CO2-Emission kombiniert in g/km: 272

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.737/2.071/1.670

Radstand in mm: 2.874

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 2.070

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.460

Kofferrauminhalt in l: 650 – 1.740

Bereifung: 265/45 R 21

Felgen: 9 x 21″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 101.000

 

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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