Mit vier Zylindern ist das Jaguar F-Type P300 Cabriolet am unteren Ende der Skala motorisiert.

In unserem umfangreichen Praxistest durfte sich der Brite mit dem Zweiliter-Turbobenziner beweisen und sich der Frage stellen, ob Vier genug sind. 221 kW (300 PS) und ein Drehmoment von 400 Nm versprachen vorab bereits auf dem Papier reichlich Power.

Ein erstes Facelift

Zugegeben. Wir fanden den Jaguar F-Type mit seinem Erscheinen als Cabriolet im Jahr 2013 atemberaubend. Ein Sportwagen genau nach unserem Geschmack. Ein Jahr später kam das Coupé auf den Markt und 2018 erfolgte das erste Facelift. Die klassische Linienführung wurde dabei ebenso wenig verändert wie Form und Grafik des Kühlergrills.

Retuschiert wurden dagegen die Frontstoßfänger und dessen seitliche Lufteinlassöffnungen. Ehemals im doppelten Haifischkiemen-Look designt, sind sie nun einteilig und deutlich größer und wirken dadurch kraftvoller. Je nach Ausstattungsversion sind leicht abweichende Details sichtbar. So sind die rautenförmigen Gitter des R-Dynamics in glänzend schwarz lackiert.

Die vorderen und hinteren Leuchten sind schmaler und schärfer gezeichnet. In der Basis mit Xenon ausgestattet, sind die Frontscheinwerfer ab der Version R-Dynamics mit LED versehen. Die hohen Farbtemperaturen von 5.000 bis 6.000 K (Kelvin) erlauben ein tagesähnliches und augenschonendes Licht.

Die adaptiven Scheinwerfer wechseln automatisch zwischen dem Stadt-, Land-, Autobahn- und Schlechtwettermodus. Das potente Heck wird durch die schmalen und um die Ecken bis in die Radkästen gezogenen schmalen Leuchteinheiten betont.

Zudem sorgt der ab rund 100 km/h automatisch ausfahrende Spoiler dezent für eine Senkung des Auftriebs um 120 Kilogramm. Unterhalb von 65 km/h verzieht er sich wieder, außer man betätigt ihn manuell per Knopfdruck aus dem Cockpit.

Das Cockpit des Jaguar F-Type P300 Cabriolet

Das Hineinschlüpfen in das Jaguar F-Type P300 Cabriolet ist ähnlich wie das in einem handwerklich hergestellten Budapester. Maßgeschneidert und passgenau sitzen die beiden Passagiere bestens eingebettet. Für den Fahrer sind sämtliche Bedienelemente und Schalter ergonomisch angeordnet.

Der fein gestaltete Arbeits- oder sollten wir ihn nicht besser „Immersupervielspaß“-Platz nennen, offenbart nur kleine Schwächen. So fehlt zwischen den Sitzen ein Ablagefach und die Cupholder fallen im Durchmesser etwas klein aus. Dafür passen in die Türeinlässe mit etwas Geschick sogar 0,75 Liter fassende Glasflaschen.

Apropos hineinpassen. Der Kofferraum fällt mit knapp 200 Litern an Volumen nicht gerade üppig aus. Eine Mulde, beispielsweise für einen Einkaufskorb oder eine weiche Tasche für Badesachen, macht das Beladen leichter. Wir hatten übrigens auch ein zusammengefaltetes SUP im Kofferraum liegen. Inklusive Paddel und der bereits erwähnten Badetasche mit Handtüchern und Wechselwäsche.

Das kleine Triebwerk des Jaguar F-Type P300 Cabriolet

Es ist anfangs wichtig, sich gedanklich davon zu trennen, dass ein 2-Liter-Turbo auch kompakten Sportlern wie einem VW Golf GTI Kraft einhaucht. Sobald der Starterknopf gedrückt wurde und sich einem das Triebwerk grummelnd ins Gehör schleicht, ist der Vergleich längst vergessen. Mit dem Druck auf den mit einem Auspuffendrohr gezeichneten Knopf verstärkt sich der Sound basslastig, ohne aber jemals aufdringlich zu werden. Geschaltet wird übrigens mit einer Achtgang-Automatik. Aber müssen wir das bei Fahrzeugen von Jaguar überhaupt noch erwähnen?

Von unten raus müssen wir einmal mehr Schmitts Katze zitieren. Das F-Type P300 Cabriolet kommt trotz seines Leergewichts von über 1,5 Tonnen extrem flott aus den Puschen. 5,7 Sekunden soll der Sprint von 0 auf 100 km/h dauern, wir glauben es ungemessen.

Oben ist bei 250 km/h Schluss. Und ja, wir haben es sogar offen geschafft, dieses Tempo zu erreichen. Macht auf Dauer aber keinen Spaß, also wieder runter vom Gas und auf eine lockere Autobahngeschwindigkeit von 180 km/h reduzieren. Wobei das natürliche Revier des Jaguar F-Type P300 Cabriolet kurvenreiche Landstraßen in hübschen Gegenden ist.

Anfang September hatten wir noch dazu das Glück, das Dach so gut wie nie schließen zu müssen. Traumhafte Temperaturen, den ganzen Tag Sonne und die Alpen vor der Haustür. Der liebe Gott würde sich in Frankreich auch nicht wohlerfühlen. Also war feines Cruisen angesagt, das den durchschnittlichen Verbrauch auf deutlich unter 10 Liter brachte.

Na gut, die 8,1 Liter kombinierten Konsums, die der Hersteller kommuniziert haben wir nicht erreicht. Dafür waren wir einfach zu oft im Dynamic-Modus unterwegs. Neben Normal und Rutschig einer von den drei Einstellungen.

Das Fahrwerk des F-Type P300 Cabriolet war uns ein wenig zu weich abgestimmt. Ein bisschen mehr Straffheit hätte für noch mehr Fahrspaß gesorgt. Aber die harte Auslegung ist wohl eher den 5-Liter-Boliden mit 450 respektive 575 PS vorbehalten.

Ausstattungsversionen

Neben den von uns getesteten Cabrio ist der Jaguar F-Type P300 auch als Coupé ab 64.200 Euro erhältlich. Für den R-Dynamic liegt der Preis bei 66.900 Euro. Das von uns getestete Cabriolet startet in der Basis bei 71.200, als R-Dynamic kostet es 73.900 Euro. Zudem ist noch eine umfangreich ausgestattete First Edition bestellbar. Für das Cabriolet werden dann 84.600 und für das Coupé 78.300 Euro fällig.

Fazit

Vier sind tatsächlich genug. Kaum zu glauben, dass der 2-Liter-Turbo subjektiv dem von uns vor mehr als zwei Jahren getesteten 3-Liter-Sechszylinder problemlos Paroli bietet. So geben wir ein klares „Daumen hoch“ für die vier Zylinder des Jaguar F-Type P300. Und egal vier, sechs oder acht. Ein Eyecatcher und Freudebringer ist dieses Sportwagen definitiv.

Jaguar F-Type P300 Cabriolet

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Jaguar F-Type P300 Cabriolet

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 4-Zylinder-Benziner

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 1.997

Leistung in kW (PS) bei U/min: 221 (300)/5.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 400/1.500-4.500

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 5,7

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 250

Tankinhalt in l: 63

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 8,1

CO2-Emission kombiniert in g/km: 184

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.470/1.923/1.307

Radstand in mm: 2.622

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.540

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 1.925

Kofferrauminhalt in l: 199

Bereifung: vorne 245/45 R 18, hinten 275/40 R 18

Felgen: vorne 8 x 18″, hinten 9 X 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive 19 Prozent Mehrwertsteuer: 71.200,00

Listenpreis in Euro inklusive 16 Prozent Mehrwertsteuer: 69.405,04

Dietmar Stanka
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