Steckbrief Jaguar XE 30t

Wir finden es echt schade, dass Limousinen in Deutschland solch eine geringe Rolle spielen. Zugegeben, ein Kombi oder die allseits geliebten SUV-Modelle sind deutlich praktischer, als ein Viertürer mit normalem Kofferraum. Selbst wenn dieser, wie der Jaguar XE 30t, eine umklappbare Rückbank besitzt. Und dann sogar ein Rennrad Platz findet, ohne dass die Räder demontiert werden müssen.

Die elegante Karosserie des Jaguar XE 30t

Kurze Überhänge, knackige Proportionen, ein dynamischer Auftritt sollte genauso aussehen. Für die Briten ist der Jaguar XE 30t eine Art Blaupause des Mk II aus dem Jahre 1959. Eine elegante und sportliche Limousine, die heute noch bei Oldtimer-Rennen zu bewundern ist.

Zurück zur der zu 75 Prozent aus Aluminium gefertigten Außenhülle des XE. Die die Limousine trotz des serienmäßigen Allradantriebs des 221 kW (300 PS) starken 30t leer nur etwas mehr als 1,6 Tonnen wiegen lässt. Dazu mit einem cw-Wert von 0,26 und hoher Verwindungssteifigkeit auftrumpfen kann.

Das Interieur

Die Spange macht’s. Den italienischen Riva-Booten nachempfunden ist der unterhalb der Frontscheibe beginnenden Bogen, der sich bis in die Türen zieht und sich in allen Limousinen von Jaguar als prägendes Designelement befindet. In Verbindung mit dem knapp 3.000 Euro teuren Touch Pro Paket liegt das 12,3 Zoll große TFT-Kombiinstrument im Fokus des Fahrers.

Vier verschiedene Einstellungen können gewählt werden, unter anderem eine formatfüllende Navigationskarte. Diese entschädigt für die in unseren Augen zu kleine Darstellung des acht Zoll großen Touchscreens in der Mitte des Armaturenträgers. Ebenfalls ein Klassiker des Interieur-Designs von Jaguar ist der runde und nach der Zündung in die Höhe fahrende Wählknopf für die serienmäßige Achtgang-Automatik

Das Triebwerk

Für Jaguar ist ein 2-Liter-Turbo-Benziner echtes Downsizing. Okay, im tatsächlich kleinsten Jaguar mit einer Länge von 4,67 Metern, erwarten wir nicht zwingend einen V8 oder gar einen V12. Dennoch sind die Zeichen klar gesetzt in Richtung kleinerer, aber leistungsstarker und effizienter Triebwerke.

So auch dem von unserem Jaguar XE 30t AWD. 400 Nm an Drehmoment, eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 5,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h setzen klare Marken. Die 6,9 Liter an Durchschnittsverbrauch, die Jaguar für die 300 PS starke Wildkatze angibt, scheinen jedoch aus dem Reich der Utopie gegriffen. NEFZ lässt grüßen und so werden um die 10 Liter auf 100 Kilometer durch die Einspritzdüsen gejagt.

Das Fahrverhalten

Ein Allradantrieb der die Straße lesen kann? Mit dem Adaptive Surface Response schafft es der Jaguar XE 30t über den gesamten Geschwindigkeitsbereich sichere Manöver auszuführen. Die Grenzen der Physik überlistet dieses System allerdings nicht. Dennoch ist der Fahrspaß in jeder Situation hoch. Dazu gehört das lockere Cruisen über Landstraßen im Eco-Modus genauso wie schnelle Autobahnfahrten im Race-Modus.

Auch wenn die Achtgang-Automatik mit dem seidenweich agierenden 2-Liter-Motor herausragend agiert, wird sich der Sportfahrer freuen, über die Paddels am Lenkrad die Schaltvorgänge selbst zu beeinflussen.

Herausragend haben wir die Laufruhe und das bequeme Gestühl erlebt. Das Triebwerk schnurrt wie ein Kätzchen und ist in jeder Fahrsituation angenehm leise. In Verbindung mit den, natürlich in Leder bezogenen Sitzen, kommt ein ungemein sicheres und angenehmes Reisegefühl auf. Selbst lange Strecken mit nervigen Staus haben wir in dieser Oase der Ruhe entspannt verbracht.

Der Jaguar XE ist zudem als Diesel von 163 bis 240 PS zu bekommen. Der 2-Liter-Benziner steht mit 200 und 250 PS zur Wahl. Wahlweise entweder mit Hinterrad- oder Allradantrieb.

Ausstattungslinien

Unser Jaguar XE 30t AWD war als Portfolio konfiguriert worden. 52.760 Euro teuer ist diese Ausstattungslinie die eleganteste Möglichkeit, dieses Fahrzeug zu bestellen. Das Einstiegsmodell Pure startet mit dem 163-PS-Diesel bei 38.530 Euro, darüber ist der Prestige angesiedelt, der mit dem gleichen Motor 40.880 Euro kostet.

Der R-Sport sorgt für den sportlichsten Auftritt des XE und startet bei 41.780 Euro. Der günstigste Portfolio liegt bei 43.890 Euro und nach oben begrenzt der 300 Sport mit 58.650 Euro die Baureihe. Im Modelljahr 2019 hat Jaguar zudem die Landmark Edition im Angebot.

Wie man sich unschwer vorstellen kann, sind die Basispreise leicht zu überbieten. Mit ein paar netten Kleinigkeiten oder aber auch großzügigen Ausgaben, wie dem über 2.600 Euro teuren Parkhilfe-Paket oder den 1.541 beheiz- und kühlbaren Vorder- und den beheizbaren Rücksitzen, schnellte der Preis unseres Testwagens auf satte 73.737 Euro hoch. Jaguar hat im Gegenzug aber immer wieder interessante Leasing-Angebote, die diesen hohen Listenpreis deutlich unterbieten.

Fazit

Der Jaguar XE ist eine gelungene Kampfansage an den 3er BMW. Aber er ist halt eine Limousine und die haben es leider sehr schwer in Deutschland. Dabei könnte man sich mit dem Jaguar XE so gut differenzieren.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Jaguar XE 30t AWD Portfolio

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 4-Zylinder-Benziner

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 1.998

Leistung in kW (PS) bei U/min: 221 (300)/5.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 400/1.500 – 4.500

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 5,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 250

Tankinhalt in l: 63

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,9

CO2-Emission kombiniert in g/km: 157

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.672/1.967/1.425

Radstand in mm: 2.835

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.620

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.210

Kofferrauminhalt in l: 455

Bereifung: 225/45 R18

Felgen: 8 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 54.080

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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