Die Vielzahl an SUV und deren große Beliebtheit trifft das Segment der Kombis besonders hart.

Das gilt vor allem für Exoten, wie dem Jaguar XF Sportbrake. Dabei sind gerade bei diesem Automobil praktischer Nutzen und ein sehr gelungenes Design herausragende Merkmale. Wenn dann noch ein 221 kW (300 PS) starker Turbodiesel mit 700 Nm Drehmoment die Raubkatze vorwärtstreibt, ist Fahrspaß garantiert.

Äußere und innere Werte

Bevor wir uns dem Fahrverhalten des Jaguar XF Sportbrake 30d Portfolio widmen, sehen wir uns die essentiellen äußeren und inneren Werte an. Knapp fünf Meter streckt sich der formschöne Kombi in die Länge und reiht sich damit nahtlos in die Linie der relevanten deutschen Mitbewerber ein. Was übrigens auch für die Preispolitik gilt, der wir uns später widmen werden.

Neben dem markanten Kühlergrill, der je nach Ausführung in Chrom glänzt oder in schwarz mehr Dynamik signalisiert, ist der gelungene Abschluss ein echter Hingucker. Die Heckklappe öffnet weit nach oben und zeigt ein ordentliches großes und ebenes Ladeabteil. Die Beladungskapazität weist Werte von 565 bis 1.700 Liter auf und ja, das Rennrad passt ohne Mucken hinein.

Viel Platz steht auch den Passagieren zur Verfügung. Neben viel Kopffreiheit dürfen sich die Mitfahrer im Fond auch über reichlich Beinfreiheit freuen.

Die für Jaguar typische Riva-Spange trennt den Armaturenträger von der Frontscheibe und verleiht dem XF Sportbrake seine eigene Note. Darunter sind die je nach Fahrmodus unterschiedlich konfigurierbaren Armaturen sowie der 10 Zoll große Touchscreen und die Bedieneinheiten angeordnet.

Der uns zur Verfügung stehende Testwagen war als Portfolio ausgestattet. Das perforierte Leder der Sitze mit den rund zwei Zentimetern dicken Wülsten mag schön anzusehen sein, dient aber nicht dem Komfort. Wir empfehlen daher, eine andere Konfiguration mit einer glatten Struktur zu wählen.

Die Fahrdynamik des Jaguar XF Sportbrake 30d

Es geht nichts über Hubraum und einen seidenweich agierenden Sechszylinder mit drei Litern Hubraum. Das Triebwerk arbeitet leise und unaufdringlich, zeigt aber bei jedem Gasstoß enorme Vortriebskraft. Wenn die vier Fahrmodi sinnvoll eingesetzt werden, ergänzen sich ökonomisches und sportliches Fahren auf eine gute Art und Weise.

Die ersten 900 Kilometer legten wir auf einer Geschäftsreise an einem Tag auf Autobahnen zurück. Eine große Herausforderung, wurden wir doch permanent von kilometerlangen Baustellen eingebremst. Auf der einen Seite ärgerlich, auf der anderen im Eco-Modus fahrend, spritsparend.

Ganz anders, wenn denn die Fahrbahn mal frei war. Dann spielten wir in der Liga der Schnellsten ganz vorne mit. Die Achtgang-Automatik von ZF aus Friedrichshafen unterstützte uns in der dynamischen Fahrweise aufs Feinste und so konnten wir streckenweise locker die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h erreichen.

Neben Fahrten bei schönstem Wetter düsten wir auch über regennasse Straßen. Der nur auf den Hinterrädern angetriebene Jaguar XF Sportbrake 30d zeigt bei forscher Fahrweise gerne mal die Tendenz zum Übersteuern. Abhilfe schaffte der Fahrmodus Schnee und Nässe, der die 700 Nm an Drehmoment perfekt einregelt.

Nicht zu vergessen der Modus Komfort, der mit seiner weiten Spreizung eine große Abdeckung bietet. Kommen wir kurz auf den Verbrauch zu sprechen, der ebenfalls einer weiten Spreizung unterliegt. Auf der Landstraße pendelte sich der Dieselkonsum bei weniger als 6 Liter ein, bei Vollgas auf der Autobahn standen auch mal 10 Liter in der Anzeige des Bordcomputers.

Ausstattungsfeatures

Der Jaguar XF Sportbrake startet als Pure mit dem sparsamen 163-PS-Diesel bei 46.640 Euro. Unser 30d wird ausschließlich als Portfolio für 70.340 Euro und als S für 72.040 Euro angeboten. Wir würden uns alleine schon wegen der Sitzstruktur für den S entscheiden.

Für die anderen Motorisierungen, alle mit vier Zylindern und einer Leistung zwischen 163 und 300 PS, stehen die Versionen Prestige, R-Sport und Chequered Flag zur Wahl. Zudem steht für die 180 respektive 240 PS leistenden Diesel und den 300 PS starken Benziner der Allradantrieb zur Verfügung.

Der im englischen Castle Bromwich in der Nähe von Birmingham gefertigte XF ist als 30d hoch eingepreist. Jaguar steht damit der Preispolitik von Audi, BMW und Mercedes-Benz in nichts nach. Vielleicht auch ein Grund, warum dieses gelungene Modell so wenig Erfolg hat.

An den serienmäßigen Ausstattungsumfängen liegt es wohl nicht. Große 18-Zöller aus Aluminium zieren die Radhäuser, die Hinterachse verfügt über eine Luftfederung mit Niveau-Regulierung, der Innenraum wird mit einer Zweizonen-Klimaautomatik belüftet.

Bluetooth sorgt genauso wie Android Auto und Apple CarPlay für die Smartphone-Anbindung und die Anhänger-Stabilitätshilfe für sicheres Fahren mit Trailern. Zudem helfen die Einparkhilfe vorne und hinten inklusive Rückfahrkamera für sicheres Rangieren.

Teuer ist das Navigationssystem in Kombination mit dem Meridian Surround-Soundsystem, das satte 3.030 Euro kostet. Zudem kostet bei Jaguar das Digitalradio DAB+ 396 Euro. Die empfehlenswerte adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Stauassistenten liegt bei 1.613 Euro. Schaut man also zu tief in die Aufpreisliste, können sich locker noch gute 20.000 Euro an Sonderausstattungen summieren.

Fazit

Der Jaguar XF Sportbrake 30d ist ein feine Alternative zu einem SUV. Na gut, man sitzt tiefer, dafür auch sportlicher. Und die Aerodynamik ist definitiv besser. 0,29 stehen dem ebenfalls guten cw-Wert von 0,32 des F-Pace gegenüber. Vielleicht ist es ja aber auch mal wieder gut, gegen den Trend zu schwimmen und sich auf die gute alte Zeit der Kombis zu zurückzubesinnen.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Jaguar XF Sportbrake 30d Portfolio

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 6-Zylinder-Diesel

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 2.993

Leistung in kW (PS) bei U/min: 221 (300)/4.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 700/2.000

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 6,6

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 250

Tankinhalt in l: 74

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,1

CO2-Emission kombiniert in g/km: 160

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.955/1.987/1.496

Radstand in mm: 2.960

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.924

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.430

Kofferrauminhalt in l: 565 – 1.700

Bereifung: 245/45 R18

Felgen: 8 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 70.340

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka