Begonnen hat es mit dem Kia Niro im September 2016. Als Hybrid begründete er die Baureihe, die speziell für elektrifizierte Antriebe entwickelt wurde.

2017 folgte der Plug-in Hybrid und nun steht der e-Niro in den Startlöchern. Bestellbar ist er in Deutschland ab dem 10. Dezember 2018, die Markteinführung erfolgt am 6. April 2019. Wir sind den rein elektrisch angetriebenen Crossover Anfang Dezember bei strahlendem Sonnenschein und Frühlingstemperaturen an der Coté d’Azur gefahren.

Ein echtes Raumwunder

Wird ein Automobil von Anfang an für den elektrifizierten Betrieb entwickelt, entfallen viele Kompromisse. So auch die mangelnder Platzverhältnisse wegen des voluminösen Batteriepaketes. Für die Passagiere steht deshalb im e-Niro vorne genauso viel Platz wie im Hybrid zur Verfügung. Hinten ist die Einbuße minimal und faktisch nicht spürbar.

Interessanterweise fasst der Kofferraum 451 Liter und damit 15 Liter mehr als der des Hybrid-Modells. Wird die Rücksitzlehne (60:40 teilbar) komplett flachgelegt, entstehen ein Fassungsvermögen von bis zu 1.405 Litern.

Das Interieur des Kia e-Niro

Weg von den schnöden Maßen und rauf auf den Fahrersitz. Wir blicken auf ein ergonomisch gestaltetes Cockpit mit einem mittig angebrachten 8 Zoll (7 Zoll in der Edition 7 und im Vision) großen Touchscreen, dessen Design uns auch aus anderen Modellen der Koreaner bekannt ist.  

Freischwebend zeigt sich das Bedienfeld vor der Mittelkonsole, auf dem der Gangwahl-Drehschalter seine Präsenz zeigt. Daneben liegen weitere Bedienelemente wie beispielsweise die Tasten für die Sitz- und Lenkradheizung, der Fahrmodi-Einstellungen und die Parkbremse. Wegen des fehlenden Mitteltunnels nutzten die Gestalter die frei gewordene Fläche und schafften Platz für eine großzügige Ablage.

Ist der Seitenhalt der Vordersitze auch für höhere Kurvengeschwindigkeiten geeignet, hat uns die etwas zu kurz geratene Beinauflage etwas gestört. Auch wenn der Kia e-Niro viele elektronischen Helfer wie Parksensoren und Rückfahrkameras an Bord hat, freuten wir uns über die gute Rundumsicht.

So fährt sich der Kia e-Niro

Vom Flughafen in Nizza führte uns die ungemein verschnörkelten Straßenzüge auf die Autobahn A8 in Richtung Marseille. Es war um die Mittagszeit und die Verkehrsverhältnisse ließen eine zügige Fahrt zu. Klar, immer im Bereich der geltenden Vorschriften, aber gerne auch mal die Kraft der 150 kW (204 PS) antestend.

Das gelang in erster Linie auf den Steigungen, die wir im Sportmodus absolvierten. In diesem stromfressenden, aber ungemein kraftvollen Modus tobte sich der e-Niro richtig aus. Die sofort anliegenden 395 Nm an Drehmoment schießen den fast 1,9 Tonnen schweren Crossover in echt sportliche 7,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h.

Diese Power schlägt natürlich auch in Geschwindigkeitsbereichen zwischen 90 und 130 km/h voll durch. Lässt man die Kuh permanent so fliegen, steigt der Verbrauch deutlich über die von Kia angegebenen 15,9 kWh auf 100 Kilometer. Locker 21 kWh flossen dann aus der Batterie in den Elektromotor und ließen die Reichweite deutlich schrumpfen.

Andere Straßen, andere Verhältnisse. Kurz hinter Cannes fuhren wir von der Autobahn in Richtung St. Tropez auf der weltbekannten Küstenstraße namens Corniche. Besonders schlaue Lenker bremsen dann so gut wie nicht mehr, sondern nutzen zum langsamer werden die Schaltpaddels am Lenkrad.

Über diese wird die Rekuperation beeinflusst und damit auch die Bremswirkung. Das füllt erstens die Batterie, erhöht zweitens die Reichweite und bereitet drittens auch verdammt viel Laune. Schließlich ist man aktiv am Verkehrsgeschehen beteiligt und kann den e-Niro mit viel Kraft um die Kurven hetzen.

Dank eines gut abgestimmten Fahrwerks und des niedrigen Schwerpunkts wegen, liegt der Crossover wie das berühmte Brett auf der Straße. In Summe senkte sich unser Durchschnittsstromverbrauch auf etwas mehr als 17 kWh.

Ausstattung und Preise

Die von Kia bekannten Namen der Ausstattungslinien Edition 7, Vision und Spirit gelten auch für den e-Niro. Gestartet wird bei 34.290 Euro, allerdings mit dem nur 100 kW (136 PS) leistenden Modell mit einer Batteriekapazität von 39,2 kWh. Wer die volle Ladung mit 64 kWh möchte, muss für diese Version 38.090 Euro hinblättern.

Unser Testwagen in der Topvariante Spirit kostet 44.790 Euro. Nachlässe von Seiten der Händler sind nicht zu erwarten. Dafür gibt es aber die Förderung von 4.000 Euro, die in Abzug zu bringen ist. Somit könnte man für wenig mehr als 30.000 Euro rein elektrisch unterwegs sein.

Kurz zu den Details der Ausstattung des Kia e-Niro. Unter anderem sind 17 Zoll große Leichtmetallfelgen, Bluetooth, Multifunktionslenkrad und der Frontkollisionswarner serienmäßig an Bord. LED-Scheinwerfer kosten für den Vision 990 Euro, im Spirit sind sie serienmäßig.

Fazit

Die vermeintlichen Ähnlichkeiten zum Konzernbruder Hyundai Kona Elektro reduzieren sich auf den Antrieb und die Batteriekapazitäten. So bleibt für beide Hersteller genügend Potential ihre Elektrofahrzeuge zu verkaufen. Wären da nicht die Wartezeiten, die wir auch beim Kia durchaus auf bis zu acht Monate prognostizieren. Wer also zuschlagen will, sollte am 10. Dezember 2018 zum nächsten Kia-Händler eilen.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Kia e-Niro Spirit

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Permanenterregter Elektro-Synchronmotor (PSM)

Getriebe: 1-Gang-Getriebe

Leistung in kW (PS): 150 (204)

Maximales Drehmoment in Nm: 395

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 7,8

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 167

Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 15,9

Reichweite nach WLTP in km: 455

Batterie

Batterietyp: Lithium-Polymer

Energie in kWh: 64,0

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.375/1.805/1.570

Radstand in mm: 2.700

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.866

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.230

Kofferrauminhalt in l: 451 – 1.405

Bereifung: 215/55 R 17

Felgen: 7 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 44.790 Euro

In Deutschland aktuell abzüglich 4000 Euro Elektroautoförderung

 

 

Dietmar Stanka