Steckbrief Kia Stinger

Wenn sich ein asiatisches Unternehmen in den Kopf gesetzt hat, die Welt zu erobern, dann ist das meist von großem Erfolg gekrönt. Dies gilt auch für Kia, die mit ihrem breiten Automobil-Portfolio vom Kleinstwagen bis zu hin Mittelklasse-Fahrzeugen und größeren SUV rund 72 Prozent des Marktes abdecken. Der Kia Stinger sticht im wahrsten Sinne aus dieser Palette heraus. Er ist ein echtes Prachtstück der Marke und gleichzeitig das bisher leistungsstärkste Fahrzeug aus Südkorea.

Stichhaltiges Design

Der Stachel soll tief ins Fleisch der etablierten Mitbewerber dringen. Das könnte im Angesicht der elegant gestylten Karosserie im typischen Gran-Turismo-Look schon klappen. Zudem ist der ab 43.990 Euro erhältliche Kia Stinger mit einer umfangreichen Ausstattung und hochwertigen Verarbeitung im Vergleich günstig zu nennen.

Es ist trotzdem nicht alles Gold, was glänzt. In der reichlich eng geschnittenen Karosse sollen fünf Passagiere Platz finden. Was wir definitiv bezweifeln. Bedingt durch den Hinterrad- oder auch Allradantrieb wird der Innenraum von einem mächtigen Kardantunnel durchschnitten. Und wer mag schon auf der Rückbank mit angezogenen Knien sitzen?

Das Cockpit wird mittig von dem acht Zoll großen Touchscreen beherrscht über den unter anderem das serienmäßige Navigationssystem gesteuert wird. Die elektrisch verstellbaren Vordersitze sind genau wie das ebenfalls elektrisch justierbare Lederlenkrad mit einer Memory-Funktion ausgestattet.

Motorenauswahl

Drei Motoren stehen für den neuen Kia Stinger zur Wahl. Ein 2-Liter-Benziner mit 188 kW (255 PS), ein 2,2-Liter-Diesel mit 147 kW (200 PS) und das Spitzenmodell GT mit einem 3,3-Liter-BiTurbo mit 272 kW (370 PS). Während der 2-Liter nur über einen Hinterradantrieb verfügt, kann der Diesel wahlweise auch mit Allradantrieb geordert werden. Der stärkste Kia Stinger hat immer Allrad an Bord.

Logischerweise schnappte ich mir die 370-PS-Rakete, die es in 4,9 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h schafft und eine Höchstgeschwindigkeit  von 270 km/h erreicht. In dem hecklastig ausgelegten Allradantrieb steckt eine gehörige Portion Fahrspaß. Ausprobiert habe ich das auf der Rennstrecke auf Mallorca, auf der der Kia Stinger Anfang Oktober für erste Testfahrten zur Verfügung stand.

Fahrvergnügen

Werfen wir aber erst einmal einen Blick auf die fünf frei wählbaren Fahrmodi. Smart, Eco, Comfort, Sport und Sport+ genannt. Gestartet wird immer im Comfort-Modus, der entspanntes Dahingleiten ermöglicht. Eco steht für Effizienz und mit Smart regelt der Kia Stinger die Einstellungen je nach der Fahrweise. Im Sport-Modus wird der Stinger seinem Namen entsprechend giftiger und im Sport+-Modus verzichtet die Limousine auf jeglichen Eingriff der elektronischen Traktionskontrolle. Herrlich, wie dann der Stinger quer durch die Kurven fliegt.

Wer Mallorca bereits erkundet hat, weiß ob der unterschiedlichsten Fahrbahnbeläge. Das können glatt asphaltierte Pisten, oder aber enge und mit reichlich Unebenheiten versehene Landstraßen sein. Im Comfort-Modus scheint der Kia Stinger über letztgenannte Pfade mit seinem adaptiven Fahrwerk zu schweben. Anders dann in den Sport-Modi, wo nicht nur die elektronische Lenkung nicht nur wesentlich straffer, sondern das ganze Automobil deutlich härter ausgelegt ist.

Harmonisch funktioniert das von Kia selbst entwickelte und für alle Motoren verwendete Achtgang-Automatikgetriebe. Die Schaltvorgänge sind kaum spürbar, der 3,3-Liter hängt immer wunderbar am Gas. Für den schnellen Ritt auf der Rennstrecke habe ich im Sport+-Modus die Paddels am Lenkrad genutzt. Ratzfatz die Gänge wechseln funktionierte mit hoher Perfektion.

Nimmt man den Kia Stinger mit seinen 370 PS entsprechend seiner Leistung richtig ran, ist er ganz und gar kein Kostverächter. Rund 12 Liter zeigte der Bordcomputer nach meiner Fahrt aus der Nähe von Palma quer über die Insel nach Inca und dann hoch bis Alcúdia und weiter nach Canyamel. Wer es sparsamer möchte, sollte sich mit dem Diesel anfreunden, der in ähnlicher Konfiguration auch im Sorento sein Werk leistet.

Zu hohes Gewicht

Laut Aussagen von Kia stellte das BMW 4er Gran Coupé bei der Entwicklung die Benchmark dar. Kein Wunder, zeichnet doch Albert Biermann, ehemals der stellvertretende Leiter der Entwicklungsabteilung von BMW M Automobile seit April 2015 bei Hyundai und Kia für die Entwicklung sportlicher Automobile verantwortlich. Aber auch wenn der Kia Stinger fahrdynamisch die Performance des BMW erreicht, bleibt ein viel zu hohes Gewicht zu beklagen. Rund 200 kg trägt der Südkoreaner als die jeweils vergleichbaren Bayern mehr auf seinen Hüften. Dieses Mehr an Pfunden bedingt auch den höheren Normverbrauch des Kia. Als Beispiel mögen die mit 250 bzw. 255 PS nahezu gleich starken 2-Liter-Turbo-Benziner gelten. Kombiniert verbrennt der BMW 6,5 Liter, der Kia immerhin 8,3 Liter!

Ausstattungsumfang

Mir ist kein Automobil bekannt, dass in diesem Segment mit einer solch umfangreichen Serienausstattung unterwegs ist. Die GT-Line für die beiden schwächeren Kia Stinger verfügt unter anderem über eine Zweizonen-Klimaautomatik, ein Head-up-Display, eine adaptive Geschwindigkeitsregelanlage mit Stop&Go-Funktion, schlüssellosen Zugang, Rückfahrkamera sowie eine Lederausstattung.

Der Benziner kostet 43.990 Euro, der Diesel 1.000 mehr und als Allradler in der Summe 46.990 Euro. Der GT genannte 3,3-Liter steht mit 54.900 Euro in der Liste. Bei dieser Version kommen zusätzlich LED-Hauptscheinwerfer ins Spiel, desweiteren das adaptive Fahrwerk, eine Brembo-Bremsanlage, Sitzheizung hinten sowie Sitzbelüftung vorne und eine brutal geile Harman/Kardon-Soundanlage mit 15 Lautsprechern. Davon sind die zwei Subwoofer unter den Vordersitzen verbaut und nutzen die unteren Holme als Resonanzkörper.

Fazit

Mit dem Stinger hat Kia ein interessantes Auto auf die Räder gestellt. Man will halt mal zeigen, was man außer Picanto, Rio, Stonic und Co. sonst noch kann. Das kann bei den etablierten Hersteller wie Audi, BMW oder auch Jaguar möglicherweise einen kleinen Stich hinterlassen. Wirklich gefährlich wird der Kia Stinger jedoch nicht sein. Dennoch ist er eine Alternative für Individualisten, die sich gerne von der Masse absetzen wollen. Noch dazu sparen sie jede Menge Geld, das dann für den Zweitwagen übrig bleibt.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Kia Stinger GT

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 6-Zylinder-Benziner

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 3.342

Leistung in kW (PS) bei U/min: 272 (370)/6.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 510/1.300 – 4.500

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 4,9

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 270

Tankinhalt: 60 l

Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr: 10,6 l auf 100 km

CO2-Emission kombiniert in g/km: 244

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.830/1.870/1.400

Radstand in mm: 2.905

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.971

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.325

Kofferrauminhalt in l: 406 – 1.114

Bereifung: 225/40 R 19 vorne, 255/35 R 19 hinten

Felgen: 8 x 19″ vorne, 8,5 x 19″ hinten  Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 54.900

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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