30 Jahre Discovery feiert Land Rover 2019. So lange weilt der größte und auch stärkste Vertreter des britischen Geländewagen-Spezialisten bereits unter uns.

In unserem Praxistest der fünften Generation waren wir mit dem Discovery 3.0l SD6 unterwegs. Unter der Haube ein bärenstarker 3-Liter-Diesel mit 225 kW (306 PS) und einem Drehmoment von 700 Nm.

Die fünfte Generation

Der Land Rover Discovery war von Anfang an als großzügig dimensionierter Geländewagen geplant. Vor 30 Jahren wurde er als Pendant zum luxuriösen Range Rover konzipiert. Heute ist der Disco, wie er von den Fans genannt wird, ähnlich edel ausgestattet wie ein Range.

Das leicht erhöhte Dach ist nicht mehr so ausgeprägt wie bei den ersten Generationen, ermöglicht aber immer noch Theaterbestuhlung. Dessen Merkmal ist die jeweilige Erhöhung der zweiten und dritten Sitzreihe mit ausreichend Kopffreiheit. Die Entwickler haben es zudem geschafft, dass die beiden optionalen Plätze 6 und 7 auch von erwachsenen Menschen besetzt werden können.

Unser Testwagen war jedoch als Fünfsitzer konfiguriert, der mit einem üppigen Kofferraumvolumen von 1.231 Litern aufwartet. Werden die zweite Reihe flachgelegt, entstehen 2.500 Liter. Der Ladeboden ist eben und wird von einer elektrisch betriebenen Klappe, die als Sitzgelegenheit oder aufgestellt als Schutz dient, nach hinten begrenzt.

Wenn wir das Thema „Platz“ weiterspielen, dürfen die Ablagen in den Türeinlässen oder der Mittelkonsole nicht fehlen. Große Flaschen und eine Menge weiterer Utensilien verschwinden an den Türen und in dem Fach der Mittelkonsole passen sogar zwei Zweiliter-Flaschen. Geheimes, wie vielleicht eine Geldbörse findet ihren Platz in dem ausklappbaren Fach hinter dem Bedienpanel der Klimaautomatik.

Digital geht es auf dem Instrumententräger zu. Das individuell oder je nach Fahrmodi individuell einstellbare 12,3 Zoll große TFT-Display ist klar definiert. Optional wird für 1.357 Euro ein ebenfalls konfigurierbares Head-Up-Display angeboten.

Mehr als nur ein Infotainment-System für Audio, Telefon und Navigation ist das über den 10 Zoll großen Bildschirm dargestellte InControl Touch Pro. Dort werden beispielsweise auch die Kameraaufnahmen bei Geländefahrten angezeigt, um immer auf dem rechten Pfad zu bleiben.

Fahrdynamik im Land Rover Discovery

Über den kräftigen V6-Twinturbodiesel mit 306 PS aus drei Litern Hubraum berichteten wir bereits in Kürze. Nun hatten wir die Gelegenheit dieses Triebwerk im Land Rover Discovery über zwei Wochen einem Praxistest zu unterziehen. Das Drehmoment von 700 Nm ermöglicht eine Beschleunigung von 0 auf 100 km/h in 7,5 Sekunden.

Souverän also der Vortrieb und trotzdem gelassen. Die erhöhte Sitzposition lässt Erhabenheit zu, die zu bedachtsamem Fahren führt. Wobei wir den Disco ab und an mal die Sporen gegeben haben. Dann marschiert der große Geländewagen mit Vehemenz und einer herausragenden Laufruhe in Richtung 220 km/h.

Gut nur, dass es diese Möglichkeiten nicht allzu oft gibt. Denn das hätte uns den Durchschnittsverbrauch von 8,5 Litern auf 100 Kilometern aus Stadt- und Landstraßenverkehr möglicherweise verhagelt.

So fein und gut der Land Rover Discovery auf Asphalt unterwegs ist, so locker und lässig meistert er unbefestigte Straßen und Wege. Dem über einen Drehregler bedienbare Terrain Response 2-Programm kann man im Auto-Modus entweder alles selbst überlassen, oder aber auch die jeweils sinnvolle Einstellung selbst wählen.

Wir besuchten einen guten Freund in den Bergen, der auf über 1.000 Metern ein Bergrestaurant betreibt. Wir wählten für die teils sehr steile Auffahrt den Modus Schotter/Schnee, da wir wussten, dass der Forstweg gute 500 Meter vor dem Restaurant schneebedeckt war.

Testhalber stoppten wir auf einer dieser verschneiten und teilweise vereisten Passagen und probierten die Offroad-Steuerung All-Terrain Progress Control (ATPC) aus. Neben der Geschwindigkeitsregelung, die ein geringes Tempo für das Bewältigen schwieriger Strecken ermöglicht, erleichtert dieses System auch das Anfahren auf glattem Untergrund.

Bergab aktivierten wir die Bergabfahrhilfe (Hill Descent Control) ebenfalls zu Testzwecken. Auf der gut befestigten Straße wäre diese nicht zwingend notwendig. Dennoch ist es immer wieder faszinierend zu beobachten, wie die Elektronik den über 2 Tonnen schweren Geländewagen bändigt.

Ausstattungsfeatures

Neben dem von uns getesteten V6-Diesel wird der Land Rover Discovery als Basismodell S mit dem 2-Liter-Benziner mit 300 PS für 56.600 Euro angeboten.  Ab der Ausstattungslinie SE beginnt der V6 bei 67.200 Euro. Der als HSE ausgestattete Testwagen hat einen Grundpreis von 78.100 Euro.

Im Serienumfang sind unter anderem 20 Zoll große Leichtmetallfelgen, LED-Scheinwerfer, das Anhänger-Stabilisierungsprogramm, der schlüssellose Zugang, die Zweizonen-Klimaautomatik, automatisch abblendende und elektrisch verstell-, beheiz- und einklappbare Außenspiegel enthalten.

Ein paar aufpreispflichtige Gimmicks unseres Testwagens fanden wir besonders cool und interessant. Dazu gehört das Black Pack für 600 Euro mit schwarzen Applikationen. Dann das Winterpaket für 1.153 Euro mit beheizbaren Vorder- und Rücksitzen, Frontscheibe, Scheibenwischerdüsen und Lenkrad. Und last but not least das On-/Offroadpaket Plus mit einem aktiven Sperrdifferenzial hinten, ATPC und der Terrain Response Automatik.

Ein Land Rover Discovery kann natürlich noch weiter ausgerüstet werden. Mit einem Meridian Soundsystem mit 825 Watt und 17 Lautsprechern für 1.459 Euro. Oder der elektrisch ein- und ausfahrbaren Anhängerkupplung für 1.250 Euro. Und einem zweigeteilten und nahezu die gesamte Dachfläche einnehmenden Glasschiebedach für 1.979 Euro. Aber auch den sinnvollen adaptiven LED-Scheinwerfern für den vergleichsweise geringen Aufpreis von 470 Euro.

Fazit

Der Land Rover Discovery ist dem Range Rover so nahe wie noch nie. Die Abgrenzung scheint marginal und möglicherweise nur eine Frage des Image. Wir finden den Disco echt stark, auch wenn die Preise britisch ausgedrückt, leicht „Shocking“ sind. Im Umfeld seiner Mitbewerber ist er dennoch gut positioniert und abseits befestigter Pfade nahezu unschlagbar.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Land Rover Discovery 3.0l SD6 HSE

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 6-Zylinder-Diesel

Getriebe: Achtgang-Automatik

Hubraum in ccm: 2.993

Leistung in kW(PS) bei U/min: 225 (306)/3.750

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 700/1.500 bis 1.750

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 7,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 209

Tankinhalt: 85 l

Kraftstoffverbrauch kombiniert auf 100 km in l: 7,8

CO2-Emission kombiniert in g/km: 206

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.956/2.073/1.888

Radstand in mm: 2.923

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 2.311

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 3.240

Kofferrauminhalt: 258 – 2.500 l

Bereifung: 255/55 R 20

Felgen: 8,5 x 20″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 78.100 Euro

 

Dietmar Stanka
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