Steckbrief Mercedes-Benz E 350 e

Die zwei Herzen unter der Haube des Mercedes-Benz E 350 e benötigen unterschiedliche Kraftstoffe. Der 2-Liter-Motor mit 115 kW (211 PS) wird mit Super gefüttert, die Batterie des 65 kW (88 PS) starken Elektromotors wird mit Strom geladen.

Das Ladekabel ist somit essentiell für den sinnvollen Antrieb dieses Plug-In-Hybriden. Anders formuliert, permanentes laden ist Pflicht für solch ein Automobil.

Denn nur im gemischten oder sogar dem reinen Elektroantrieb kann ein Plug-In-Hybrid seine Vorteile ausspielen. Würde man nur im Sport oder Sport+ Modus unterwegs sein, könnte man gleich zu einem reinen Benziner oder Diesel greifen.

Wenige oder keine Lademöglichkeiten?

Die zudem günstiger wären, als der mindestens 59.440,50 Euro teure E 350 e. Beispielsweise ein E 300, der mit 180 kW (245 PS) und einem Preis von 52.895 Euro zudem den größeren Kofferraum mit 540 anstatt nur 450 Litern aufweist.

Gut, die gesamte Systemleistung des E 350 e kommt auf 210 kW (286 PS) und 550 Nm an Drehmoment. Dem gegenüber steht aber das höhere Gewicht von 270 kg.

Das lässt den Schluss zu, dass solch ein Plug-In-Hybrid so oft wie möglich geladen werden muss. Pendler mit einem täglichen Arbeitsweg von rund 20 Kilometern, die zuhause und in der Firma Strom laden können, sind mit dem E 350 e gut unterwegs. Warum gerade 20  und nicht die vom Herseller avisierten 33 Kilometer? Nun, die erreicht der Mercedes-Benz E 350 e genauso wenig, wie der im vergangenen Jahr von uns getestete GLC 350 e 4MATIC.

Die neue E-Klasse

Kommen wir ganz allgemein zur neuen E-Klasse. Einem Automobil mit einer langen Tradition und einem weltweit hohen Ansehen. Die 2016 eingeführte fünfte Generation ist ein technisches Meisterwerk deutscher Ingenieurskunst.

In unserem Testwagen sind beispielsweise die beiden hochauflösenden 12,3 Zoll großen Bildschirme für sämtliche Informationen verbaut. Die Anzeigen lassen sich je nach Belieben justieren. So stehen drei verschieden Möglichkeiten für die die Tacho- und Drehzahlmesser-Einheit im Blickfeld des Fahrers zur Wahl.

Der im Zentrum montierte zweite Bildschirm bildet hochauflösend die Navigationskarte, das Audiosystem, die Klimaautomatik sowie eine Fülle weiterer Fahrzeugeinstellungen ab.

Das Interieur des Daimlers darf durchaus als allererste Sahne bezeichnet werden. Die hohe Kunst einer herausragenden Verarbeitungsqualität und der perfekt aufeinander abgestimmte Materialmix ist Stuttgarter Top-Niveau.

Das Fahrverhalten des Mercedes-Benz E 350 e

Ein traumhaft angenehmes Fahrverhalten erzielt der E 350 e mit der 1.900 Euro teuren Air Body Control. Die Luftfederung mit drei unterschiedlich großen Kammern ist bei niedrigen Geschwindigkeiten einer Sänfte gleich, bei höheren stellt sich das sichere Gefühl hoher Fahrstabilität ein.

Mit den Fahrmodi Comfort, Eco, Sport, Sport+ und Individual können je nach Lust und Laune die Fahreigenschaften von Fahrwerk und Antrieb justiert werden. Im Individual-Modus können beispielsweise der ökonomische Antrieb mit sportlich abgestimmten Lenkungs- und Fahrwerkseigenschaften kombiniert werden.

Bei meinen ausführlichen Testfahrten lag die Verbrauchswerte bei vollgeladener Batterie und Strecken unter 20 Kilometern tatsächlich bei null Litern Benzinkonsum. Anders sah es aus, als ich auf der Autobahn Gas geben konnte und den Mercedes-Benz E 350 e in Richtung seiner Spitzengeschwindigkeit von 250 km/ toben ließ.

Dann saugte der 2-Liter-Turbo locker mehr als 12 Liter durch seine Einspritzdüsen. Summa summarum lag der reine Sprit-Verbrauch nach der zweiwöchigen Testphase bei 7 Litern auf 100 km. Allerdings erforderte dieses Ergebnis höchste Disziplin bei der Stromzufuhr. Sparsam, zumindest was den Verbrennungsmotor anbetrifft, ist diese E-Klasse nur als Stromer. In diesem Fall wird aber auch Energie verbraucht. Laut Daimler 11,5 bis 14 kWh auf 100 Kilometer.

Fazit

Sie haben keine oder nur wenig Möglichkeiten ein Automobil zu laden. Dann bitte Finger weg von dem Mercedes-Benz E 350 e. Eine Reihe anderer Triebwerke der E-Klasse, ob Benziner oder Diesel, sind dann die deutlich bessere Wahl. Sollten Sie allerdings über eine Stromversorgung für das Auto zuhause und/oder Ihrem Arbeitsplatz haben und diese diszipliniert nutzen, ist diese E-Klasse ein adäquates Fahrzeug.

Fotos: Franz-Josef Seidl

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Mercedes-Benz E 350 e

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 4-Zylinder-Benziner

Getriebe: Neungang-Automatik

Hubraum in ccm: 1.991

Leistung in kW (PS) bei U/min: 155 (211)/5.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 350/1.250 bis 4.000

Leistung Elektromotor in kW (PS): 65 (88)

Systemleistung in kW (PS) 210 (286)

Nenndrehmoment Systemleistung in Nm: 550

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 6,2

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 250

Tankinhalt: 50 l

Kraftstoffverbrauch Kombinierter Verkehr: 2,5 l auf 100 km

CO2-Emission kombiniert in g/km: 57

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.923/1.852/1.468

Radstand in mm: 2.939

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.925

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.565

Kofferrauminhalt in l: 450

Bereifung: vorne 245/45 R 18, hinten 275/40 R 18

Felgen: vorne 8 x 18″, hinten 9 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 59,440,50 Euro

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka

Letzte Artikel von Dietmar Stanka (Alle anzeigen)