Im Herbst 2019 stellten wir den neuen Opel Corsa als Benziner und Diesel vor.

Anfang April hatten wir im Nachgang der wegen der Corana-Pandemie ausgefallenen Pressevorstellung die Gelegenheit, den rein elektrisch angetriebenen Opel Corsa-e in und um München ausführlich zu testen. Eines sei vorweg verraten, der kleine Flitzer macht verdammt viel Spaß und passt zu unserer Philosophie vernünftiger Elektroautos.

Praktisch und kompakt

Bis auf das höhere Gewicht von rund 1,5 Tonnen und den minimal kleineren Kofferraum (267 bis 1.042 Liter) lässt sich der Opel Corsa-e von seinen konventionellen Geschwistern fast nicht unterscheiden. Na gut, der Auspuff fehlt und an der B-Säule prangt das e-Logo, genauso wie auf der Heckklappe. Unter dem Deckel auf der linken Seite verbirgt sich anstatt des Tankstutzens der Ladestecker.

Die Attraktivität des äußeren Auftritts setzt sich auch im Innenraum fort. Bei etwas mehr als 4 Metern Länge und einem Radstand von knapp 2,54 Metern fühlen sich auch die Passagiere im Fond wohl. Der Materialmix spricht für sich und die Verarbeitung der im spanischen Saragossa produzierten Fahrzeuge ist auf einem hohen Niveau.

Das Batteriepackage mit einer Kapazität von 50 kWh ist platzsparend im Unterboden verbaut, ein Vorteil der gemeinsam mit PSA entwickelten Architektur Common Modular Platform (CMP). Insgesamt sorgen 216 Zellen in 18 identischen Modulen mit einem Gesamtgewicht von 345 Kilogramm für die Energie.

So fährt sich der Opel Corsa-e

Als Neuling in einem Elektroauto muss man sich in erster Linie daran gewöhnen, dass nach dem Druck auf den Starterknopf keinerlei Geräusche zu hören sind. Da heißt es nur, den Wahlhebel auf D stellen und losdüsen. Das kann verdammt schnell gehen, denn der Opel Corsa-e beschleunigt aus dem Stand in 2,8 Sekunden auf 50 km/h.

Aber alles noch einmal zurück auf Start, der im Normal-Modus erfolgt. Einer von drei Fahrmodi, die zur Wahl stehen. Normal steht für eine Leistung von 80 kW und 220 Nm Drehmoment. Eco für 60 kW und 180 Nm und Sport für die volle Leistung von 100 kW und satten 260 Nm Drehmoment.

Für die erste Etappe des Tages blieben wir im Normal-Modus und fuhren aus München raus in Richtung Garmisch-Partenkirchen. Obwohl die Batterie nahezu vollgeladen war, zeigte der Bordcomputer nur eine Reichweite von 140 Kilometern an. Ein Indiz dafür, dass der vorhergehende Nutzer mächtig auf dem Gaspedal stand.

Einmal auf der Autobahn A 95 angekommen, drückten wir den Gasfuß ebenfalls in Richtung Bodenblech und schon zeigte die Verbrauchsanzeige Werte von um die 26 kWh auf 100 Kilometer an. Da schrumpft die Reichweite, die Opel nach WLTP mit 337 Kilometern nach der aktuellen WLTP-Norm deutlich nach unten.

Mehr Reichweite erzielen

Aber wir wollten ja keine Geschwindigkeitsrekorde brechen, wie einst Dr. Georg von Opel im Mai 1971 mit einem von zwei Bosch Gleichstrommotoren betriebenen Elektro GT, sondern die Alltagstauglichkeit des Corsa-e unter Beweis stellen. Dazu stellten wir nach dem Verlassen der Autobahn den formschönen Wählhebel von D auf B.

Diese Stufe lässt eine höhere Rekuperation zu und verzögert bei der Gaswegnahme das Fahrzeug wesentlich stärker. Mit etwa Übung kann man in bestimmten Verkehrssituationen auf aktives Bremsen nahezu verzichten. So düsten wir mit flotter Fahrweise über kurvenreiche Landstraßen und verzögerten fast immer nur mit dem Lüpfen des Gaspedals.

Dabei faszinierte uns der deutliche Rückgang des Stromverbrauchs bis auf rund 18 kWh. Rekuperation und vorausschauendes Fahren wurden mit einer nach der ersten Strecke von mehr als 90 Kilometern von der gleichen Reichweite wie beim Start belohnt. Und ja, mit ein wenig Vernunft sind die von Opel avisierten 16,8 kWh problemlos erreichbar.

Viel drin im Opel Corsa-e

Drei Versionen bieten die Rüsselsheimer an. Den Selection für 29.900, die Edition für 30.650 und die First Edition für 32.900 Euro. Abzüglich der bereits ausführlich von uns beschriebenen Förderung in Höhe von 6.000 Euro.

Der Selection verfügt über eine Klimaautomatik mit Fernsteuerung. Mit dieser lässt sich in der warmen Jahreszeit das Auto vorkühlen oder bei Minustemperaturen aufwärmen. Sinnvoll aber nur dann, wenn das Auto an der Steckdose hängt. Zudem verfügt diese Version über einen schlüssellosen Zugang, das Apple CarPlay und Android Auto kompatible Multimedia Radio mit 7-Zoll-Farb-Touchscreen und ein volldigitales Cockpit.

Außerdem sind der Frontkollisionswarner mit automatischer Gefahrenbremsung und Fußgängererkennung, der Spurhalte-Assistent, die Verkehrsschilderkennung sowie die Geschwindigkeitsregelungsanlage im Lieferumfang enthalten.

Die von uns gefahrene First Edition hat LED-Scheinwerfer, 17-Zoll-Aluräder und Lederlenkrad an Bord. Die adaptiven IntelliLux LED-Matrix Scheinwerfer kosten 700 Euro extra und gelten im Moment als einmalig in dieser Klasse.

Lademöglichkeiten

Serienmäßig verfügt der Opel Corsa-e über einen 1-phasigen Onboard-Charger mit 7,4 kW und einem Mode-2-Ladekabel mit 1,8 kW für die Haushaltssteckdose. Optional stehen Mode-3-Ladekabel für öffentliches Laden 1-phasig mit 7,4 kW für 250 und 3-phasig mit 11 kW für 280 Euro zur Wahl. Zudem wird ein 3-phasiger Universal-Charger für 720 Euro angeboten.

Aufgedröselt bedeutet das für die jeweiligen Lademöglichkeiten, dass über die Haushaltssteckdose in einer Stunde eine Reichweite von 10 Kilometern erreicht wird. Dagegen sind es mit dem Universal Charger schon bis zu 60 Kilometer. Richtig schnell geht es mit einer Gleichstromladung an einer öffentlichen Ladestation. Diese lädt den Akku innerhalb von 30 Minuten von 0 auf 80 Prozent.

Sinnvoll ist zudem der Einbau einer Wallbox in die eigene Garage. Dafür hat Opel zusammen mit PSA eine Partnerschaft mit inno2grid geschlossen.

Fazit

So stellen wir uns Elektroautos vor. Leistbar, umfangreich ausgestattet und mit locker 300 Kilometern an Reichweite versehen. Dazu kompakt und damit agil und perfekt für urbane Verhältnisse. Opel hat mit dem Corsa-e ein perfektes Automobil auf die Räder gestellt, das auch Skeptiker dieser Antriebsart überzeugen kann.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Opel Corsa-e First Edition

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motorbauart:  1 Elektromotor, Permanent erregt (PSM)

Getriebe: Automatik mit fester Übersetzung

Leistung in kW/ (PS): 100 (136 PS)

Maximales Drehmoment in Nm: 260 Nm

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 8,1

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 150

Batteriekapazität in kWh: 50

Stromverbrauch (WLTP) in kWh/100 km: 16,8

Reichweite (WLTP) in km: 337

Ladetechnik

DC-Ladesystem: CCS

Ladeleistung in kW: 100

Ladezeit (Schnelllader 0-80 Prozent) in min: 30

Ladezeit  (Wechselstrom 11 kW von 0 auf 100 Prozent) in h:  5:00 h

Abmessungen, Gewichte

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.060/1.765/1.435

Radstand in mm: 2.538

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.530

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: n.n.

Kofferrauminhalt: 267 – 1.042 l

Bereifung: 205/45 R 17

Felgen: 7 x 17″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 32.900 Euro

Dietmar Stanka