Die Weltpremiere des Opel Grandland X Plug-in-Hybrid4 fand auf der IAA 2019 in Frankfurt statt.

Seit Mitte Januar ist der erste Plug-in-Hybrid der Rüsselsheimer im Handel und wir fuhren ihn zeitgleich auf einer großen Runde, die uns vom Flughafen in Basel über etwas mehr als 300 Kilometer durch den Schwarzwald und wieder zurückführte.

Der praktische Nutzen

Den Opel Grandland X haben wir bei seiner Markteinführung bereits ausführlich beschrieben. Deshalb beschränken wir uns hier auf ein paar harte Fakten. Bedingt durch die Batterie sowie die beiden Elektromotoren schrumpfte das Kofferraumvolumen von 514 auf 390 Liter. Werden die Rücksitze umgeklappt, sind es 1.529 Liter. Für einen SUV mit einer Länge von knapp 4,50 Metern nicht gerade viel.

Dafür glänzt der Opel Grandland X Plug-in-Hybrid4 auf Wunsch mit einer schwarz lackierten Motorhaube und Leichtmetallrädern in BiColor. Im Gegensatz zu den konventionell angetriebenen Modellen der Baureihe verfügt der PHEV über Hybrid-spezifische Darstellungen im Display. Auf diese gehen wir bei der Vorstellung der einzelnen Fahrmodi noch ein.

Die Antriebseinheiten

Ein Benziner und zwei Elektromotoren summieren sich auf eine Systemleistung von 221 kW (300 PS). Damit ist der Opel Grandland X Plug-in-Hybrid4 im Moment der stärkste Vertreter des deutschen Automobilherstellers. Einzeln aufgedröselt wird der elektrifizierte SUV von einem 1,6-Liter-Benziner mit 147 kW (200 PS) sowie zwei Elektromotoren mit 81 kW (110 PS) vorne und 83 kW (113 PS) hinten angetrieben.

Die Kraft des vorderen E-Motors wird zusammen mit der des Benziners über eine elektrifizierte Achtgang-Automatik auf die Vorderräder übertragen. Der hintere Elektromotor und das Differenzial sind in der Hinterachse integriert und sorgen mit dem dann zur Verfügung stehenden Allradantrieb für eine optimale Traktion.

Die Automatik lässt zwei Betriebsmodi zu. Klassisch D und für eine stärkere Rekuperation B. Wir empfehlen den B-Modus, da bei der Gaswegnahme die Bremswirkung größer ist und bei vorausschauender Fahrweise weniger gebremst werden muss und weil damit mehr Energie in die Batterie zurückgeführt wird.

Mit der e-Save-Funktion, die über das Infodisplay abgerufen wird, lässt sich noch vorhandene elektrische Energie speichern. Zudem ist es bei leerer Batterie möglich, entweder 10, 20 oder unbegrenzte Kilometer über den Benziner zu generieren. Allerdings empfehlen wir diese Option nur, wenn aus verkehrsrechtlichen Gründen zwingend Elektroantrieb notwendig ist.

Spätestens im Sommer 2020 bringt Opel den Grandland X Plug-in-Hybrid auch mit Frontantrieb auf den Markt. Dieser startet bei 44.190 Euro und partizipiert wegen des niedrigeren Preises von einer höheren Förderung. Wir werden zu gegebener Zeit näher auf dieses Modell eingehen.

So fährt man den Opel Grandland X Plug-in-Hybrid4 richtig

Wird ein Plug-in-Hybrid seiner Bauart entsprechend optimal gefahren, kann dieser tatsächlich effizient sein. Opel verspricht laut dem neuen Verbrauchszyklus WLTP eine rein elektrische Reichweite von 59 Kilometern, wenn die 13,2 kWh fassende Batterie vollgeladen ist.

Als wir am Flughafen starteten betrug die rein elektrische Reichweite 36 Kilometer. Trotz vollgeladener Batterie kein Wunder, waren doch die Testwagen schon ein paar Tage unterwegs und teilweise mit viel Schmackes gefahren worden. Deshalb merkte sich der Bordcomputer die vorhergehenden Fahrprofile, die dann den Niederschlag in niedrigerer Reichweite fanden.

Wenn die Batterie auch nur noch ein bisschen Kapazität hat, startet der Opel Grandland X Plug-in-Hybrid4 immer im Elektromodus mit dem Motor der Hinterachse. Situativ kann sich der vordere Motor dazu schalten. Bis zu einer Geschwindigkeit von 135 km/h ist der reine Elektrobetrieb möglich.

Die ersten paar Kilometer durch Saint Louis und Weil am Rhein legten wir elektrisch zurück. Kurz vor Lörrach wechselten wir in den Hybrid-Modus. Die intelligente Option, die je nach Fahrsituation einen Mix aus Verbrennungs- und Elektroantrieb ermöglicht. Oder anders gesagt, die effizienteste Art der Fortbewegung, wenn es über längere Strecken geht oder aber die Batterie nicht mehr über genügend Saft verfügt.

An Todtnau vorbei, hoch auf den mehr als 1.200 Meter hohen Feldberg ließen wir die Kuh fliegen. Im Sportmodus mobilisiert der Opel all seine Kräfte und mutiert zu einem echten Racer, der in 6,1 Sekunden von 0 auf 100 km/h stürmt und eine Spitze von 235 km/h erreicht.

Dass sich dann unsere bis dato gute Kraftstoff-Verbrauchsbilanz von rund 3,3 Litern schlagartig umkehrte, ist logisch. Die 6 Liter waren schnell überschritten, was dem guten Gesamteindruck aber keinen Abbruch tat. Last but not least erwähnen wir den Allradmodus, der permanenten elektrischen Antrieb auf beiden Achsen zulässt.

Ausstattungsumfänge

In der Version Innovation kostet der Opel Grandland X Plug-in-Hybrid 51.165 Euro, die aber nicht in dieser Höhe fällig werden. Aufgrund der Förderungen für Elektrofahrzeuge ergibt sich folgendes Gebilde. Laut Beschluss soll künftig die von 3.000 auf 3.750 Euro erhöhte Umweltprämie gelten.

Dies bedeutet dann den Abzug des hälftigen Anteils des Herstellers einen Nettopreis von 41.121 Euro. Plus der fälligen Mehrwertsteuer liegt der Kaufpreis dann bei 48.934 Euro. Abzüglich des staatlichen Anteils von 1.875 Euro sinkt der endgültige Preis um 4.100 auf 47.059 Euro. Wird das Fahrzeug als Dienstwagen genutzt, kommt noch der Vorteil der halbierten Besteuerung hinzu.

Neben dem Allradantrieb und der mächtigen Leistung statteten die Rüsselsheimer mit vielen Features aus. Dazu gehören unter anderem 18 Zoll große Leichtmetallfelgen, eine sensorgesteuerte, elektrische Heckklappe, schlüsselloser Zugang, die Einparkhilfe vorne und hinten und Sitzheizung vorne.

Wählt man den von uns gefahrenen Ultimate für 53.830 Euro, sind zudem ein Navigationssystem mit Android Auto und Apple CarPlay-Verbindung, 19 Zoll große Räder, Nebelscheinwerfer, adaptive LED-Scheinwerfer sowie Nebelscheinwerfer und die von der Aktion Gesunder Rücken (AGR e.V.) ausgezeichneten Vordersitze an Bord.

Fazit

Mit dem Opel Grandland X Plug-in-Hybrid4 machen die Rüsselsheimer ein gutes Angebot im Reigen der anderen Mitbewerber. Natürlich steht ein günstigerer SUV, der Mitsubishi Outlander PHEV zur Wahl. Aber das Gesamtpaket an hoher Leistung und herausragender Ausstattung reicht schon eher an die Angebote aus Ingolstadt, München und Stuttgart heran. Und die sind bekanntlich deutlich teurer.

Wir kommen aber nicht umhin, mit erhobenem Zeigefinger darauf hinzuweisen, dass ein Plug-in-Hybrid wann immer möglich, an die Steckdose muss. Nur dann ist die angestrebte Effizienz gewährleistet, lokale Emissionen im Fahrbetrieb zu vermeiden. Am sinnvollsten ist es zudem, den dazu notwendigen Strom aus regenerativen Quellen zu beziehen. Vielleicht ja sogar aus den eigenen Solarzellen.

Fotos: Dani Heyne

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Opel Grandland X Plug-in-Hybrid4 Ultimate

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Vierzylinder-Benziner + 2 Elektro-Motoren

Getriebe: Stufenlos

Hubraum in ccm: 1.598

Motorleistung in kW (PS)

– Benzinmotor: 147 (200)

– Elektromotoren: 81,2 (110) + 83 (113)

– Systemleistung: 221 (300)

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min:

– Benzinmotor: 300 bei 3.000

– Elektromotoren: 320/500 – 2.500 vorne + 116 Nm/0 – 4.760 hinten

– Systemleistung 520

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 6,1

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 235

Batterie: Lithium-Ionen

Batteriekapazität in kWh: 13,2

Elektrische Reichweite in km (WLTP): 59-57

Tankinhalt in l: 43

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 1,4 + 15,9 kWh

CO2-Emission kombiniert in g/km: 32

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.477/1.906/1.609

Radstand in mm: 2.675

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.875

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.350

Kofferrauminhalt in l: 390 – 1.528

Bereifung: 205/55 R19

Felgen: 7 x 19″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 53.830

Dietmar Stanka