Mit dem 911 Targa komplettiert Porsche die Elfer-Baureihe. Nach Coupé und Cabrio kommt nun die Version mit festem Dach, das sich öffnen lässt.

Vor 55 Jahren feierte der Porsche 911 Targa seine Premiere und hat, mit Unterbrechungen, eine gewissen Sonderrolle in der Sportwagenbaureihe aus Zuffenhausen. Keine geschlossene Blechbüchse wie das Coupé, dafür aber die Möglichkeit, ein kompaktes Targadach mit ein paar Handgriffen auszubauen und es im Kofferraum zu verstauen. Ein 911er Cabriolet mit Textilverdeck musste noch warten bis 1982, ehe es im G-Modell des Elfers Premiere feiern durfte.

Ein simpler Targa-Deckel zum Herausnehmen – davon ist man bei Porsche inzwischen soweit entfernt wie der örtliche VfB von Spitzenfußball. In der vorigen Baureihe 991 erlebte der Targa 2014 seine Wiedergeburt. Ein hochkomplexes Retractable Hardtop, das mit einer ausgeklügelten Kinematk auf Knopfdruck die wuchtige Heckabdeckung aus Glas nach hinten schwenkt und dann das Targaverdeck automatisch darunter verstaut, ehe dann wieder die Abdeckung in die Ausgangsposition zurückfährt. Erkennbar ist der Targa am breiten silbernen Bügel. Der ganze Vorgang dauert 19 Sekunden, ein wenig Geduld muss der Porsche-Fahrer vor dem offenen Fahrvergnügen also mitbringen. Geöffnet oder geschlossen werden kann das Verdeck auch nur im Stand. Durch das hohe Eigengewicht des Dachs liefe man Gefahr, dass bei einer heftigeren Windböe oder beim Durchfahren eines Schlaglochs die komplexe Mechanik Schaden nehmen würde.

Offenfahren auch bei höherem Autobahntempo

Nachdem im vergangenen Jahr die Baureihe 992 auf den Markt kam, schiebt Porsche nun die Targa-Version des aktuellsten Elfers nach. Dabei hieß die Devise: „Never Change a winning Team“. Der Klappmechanismus blieb mechanisch unverändert. Feinheiten gibt es bei der Softwaresteuerung. Nachdem man bei der Lancierung des Targaverdecks vor sechs Jahren viel Entwicklungsarbeit und Geld investiert hat, war eine technische Überarbeitung nicht nötig, heißt es in Zuffenhausen. Die Kunden seien zufrieden, nennenswerte technische Probleme  gebe es nicht.

Der große Dachausschnitt ermöglicht offen das Fahrerlebnis eines Cabrios, geschlossen ist es wie im 911 Coupé – mit dem kleinen Unterschied, dass Motoren- und Auspuffklang eine Spur intensiver ins Ohr des Fahrers dringen. Hier wirkt die große Glaskuppel im Heck als Verstärker. Um Windturbulenzen und daraus resultierendes Wummern im Fahrzeug zu vermeiden (Schiebedachbesitzer kennen den Effekt), lässt sich am Frontrahmen des 911 Targa ein kleiner Windabweiser hochfahren, der diese nervigen Effekte vermeidet. So kann man mit viel Frischluft über dem Kopf auch höheres Autobahntempo fahren, ohne dass die Ohren Schaden nehmen.

Den Targa gibt es ausschließlich mit Allradantrieb

Porsche bietet den 911 Targa ausschließlich in der Allradversion an, zwei Motorvarianten stehen zur Wahl: Im 911 Targa 4 leistet der Sechszylinder-Boxermotor mit Biturboaufladung 385 PS, im Targa 4S sind es 450 PS. Das ermöglicht entspanntes Cruisen bis sehr zügiges Fahren, je kurviger die Strecke, desto schöner, wie erste offene Testfahrten im Nordschwarzwald eindrücklich belegten. Beschleunigungswerte? 3,6 oder 4,2 Sekunden von null auf 100, Höchstgeschwindigkeit 304 km/h im 4S, im Targa 4 sind es ebenso akademische 289.

Serienmäßig sind die beiden Modelle mit Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) ausgestattet, das in beeindruckendem Tempo die Gänge einlegt. Die Charakteristik lässt sich durch die Wahl des Fahrprogramms steuern. Vor allem mit Blick auf den nordamerikanischen Markt bietet Porsche den 911 Targa auch mit Handschaltung an. Das Siebengang-Getriebe wird aber nur in Kombination mit dem 4S geliefert – und kostet exakt soviel wie das Modell mit PDK. Allerdings ist im Handschalter, der die Kräfte an der Hinterachse mit einer mechanischen Quersperre in geordnete Bahnen lenkt, das Sport-Chrono-Paket serienmäßig.

Ansonsten bietet der Targa all das, was der 911er der Baureihe 992 so hat. Optimierten Allradantrieb, das elektronisch geregelte Dämpfersystem PASM, ein Wet-Mode für das elektronisch unterstützte Fahren bei nasser Strasse oder das Porsche Torque Vectoring mit vollvariabler Verteilung des Antriebsmoments. Und natürlich auch all das, was die Aupfreisliste an Assistenzsystemen und Infotainment-Technik zu bieten hat.

Die Preisliste für den 911 Targa startet bei gut 125.000 Euro

Weil es den 911 Targa ausschließlich mit Allradantrieb gibt, beginnt die Preisliste in deutlich anderen Regionen als beim Coupé, das in der Basisversion aktuell ab rund 103.000 Euro zu haben ist. Der 911 Targa 4 mit 385 PS kostet aktuell (also mit 16 Prozent Mehrwertsteuer) 125.247 Euro, der 911 Targa 4S exakt 140.327 Euro. Nachdem die Mehrwertsteuersenkung ausgelaufen ist, muss man also für den 4S rund 3500 Euro mehr ausgeben – so man nicht als Unternehmen kauft und die Mehrwertsteuer sowieso als Vorsteuer geltend gemacht wird.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Porsche 911 Targa 4S

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Boxer, 6 Zylinder, Biturbo, Partikelfilter

Getriebe: Doppelkupplungsgetriebe, acht Gänge, automatisch

Hubraum in ccm: 2.981

Leistung in kW (PS) bei U/min: 331 (450) / 6.500

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 530/2.300 – 5.000

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 3,6

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 304

Tankinhalt in l: 67

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 9,9

CO2-Emission kombiniert in g/km: 227

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.519/1.852/1.299

Radstand in mm: 2.450

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.750

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.085

Kofferrauminhalt in l: 132

Bereifung: 245/35 ZR 20 vorne, 305/30 ZR 21 hinten

Felgen: 8,5J x 20″ Leichtmetall vorne, 11,5J x 21″ Leichtmetall hinten

Preis

Listenpreis in Euro inklusive 19 % Mehrwertsteuer: 143.956 Euro

Listenpreis in Euro inklusive 16 % Mehrwertsteuer: 140.327 Euro

Porsche 911 Targa
Klaus Justen
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