Zugegeben. Rein optisch hat uns der Range Rover Evoque bereits in der ersten Auflage begeistert.

Orientierte er sich doch sehr nahe an der faszinierenden Studie LRX. Im praktischen Gebrauch überwogen die Nachteile des knapp geschneiderten Innenraums vor allem beim Dreitürer, den es auch als Cabrio gab. Nichtsdestotrotz war und ist der Evoque ein Publikumsliebling und trotz gesalzener Preise äußerst erfolgreich. Gut 800.000 Einheiten wurden seit 2010 verkauft, was rund 25 Prozent des gesamten Volumens der Marke ausmachte.

Reduzierter und dynamischer

Keine Angst. Der Range Rover Evoque ist auch in der zweiten Generation unverkennbar. Jedoch deutlich reduzierter und glatter gebügelt. Als Beispiele sind die ultraschmalen Matrix-LED-Scheinwerfer und die LED-Rückleuchten genannt. Oder auch die versenkten Türschlösser, die uns in ähnlicher Form seit Jahren aus dem Jaguar F-Type bekannt sind.

Obwohl sich die schiere Masse an Automobil nicht geändert hat, wuchs der Innenraum leicht an. Vor allem die Fondpassagiere werden sich freuen, da der Knieraum um 20 Millimeter gewachsen ist. Hinten passt auch etwas mehr rein, der Kofferraum wuchs um 16 auf 591 Liter. Wird die im Verhältnis 40/20/40 umklappbare Rückbank flachgelegt, entsteht ein Volumen von bis zu 1.383 Litern.

Unter der Coupé-haft anmutenden Hülle verbirgt sich edel wirkendes Interieur. Nachhaltigkeits-Fanatikern dürfte die Wahl zwischen dem aus dem Range Rover Velar bekannte Kvadrat-Wollmischgewebe oder das Eukalyptus-Textil-Gewebe für die Sitze gefallen.

Motoren mit Mild-Hybrid und 48-Volt-Bordnetz

Bei der Leistungsausbeute der Ingenium-Vierzylinder, die als Benziner und Diesel zur Wahl stehen, gibt es nichts Neues zu berichten. Die Turbobenziner schmeißen entweder 147 kW (200 PS), 184 kW (250 PS) oder 221 kW (300 PS) in die Waagschale.

Die Diesel orientieren sich zwischen 110 kW (150 PS), 132 kW (180 PS) und 177 kW (240 PS). Die Version mit 150 PS wird auch mit Frontantrieb angeboten und startet bei 38.100 Euro.

Dieses Triebwerk ist zudem das einzige mit einem manuellen Sechsgang-Getriebe. Der Rest kommt nicht nur mit Allradantrieb, sondern auch mit einer Neungang-Automatik und dem Mild-Hybrid mit dem 48-Volt-Bordnetz.

Fahrverhalten im Gelände

Manchen mag die Wahl von Hamburg als Veranstaltungsort für die europäische Pressevorstellung des Range Rover Evoque seltsam vorkommen. Auf der anderen Seite verfügt die Hansestadt über ein weitläufiges Umland und ja, auch einen ziemlich coolen Offroad-Parcour, den die Land Rover Driving Experience im Hafenbereich aufgebaut hat. Denn auch wenn der Evoque eher der klassische Salonlöwe ist, so sind in ihm doch aus sämtliche Gene der Geländewagen-Familie zu finden.

Also ab in den Parcours, der sogar Wasserdurchfahrten bis zu 600 Millimetern aufweisen dürfte Das ist die neue Wattiefe des Range Rover Evoque, die um immerhin 100 Millimeter gegenüber dem Vorgänger angestiegen ist.

Der Böschungswinkel liegt vorne bei 25 und hinten bei 30,6 Grad, der Rampenwinkel 20,7 Grad. Die Bodenfreiheit weist 212 Millimeter auf. Das zu den nackten Daten, die von dem serienmäßigen Allradsystem Terrain Response 2 aufs Feinste umgesetzt werden.

Hübsch wird ein Offroad-Ausflug durch dessen Unterstützung mit den Fahrmodi Komfort (mehr für Asphalt), Sand, Gras/Schotter/Schnee und Schlamm. Wer nicht selbst aktiv werden will, wählt den Automodus, der die Drehmomentabgabe entsprechend der Straßenverhältnisse wählt und den Range Rover Evoque mühelos über die aufgebauten Hindernisse steuerte.

Weit weg also von jeglichem Abenteuer und dem ursprünglichen Geländewagen-Charakter. Da mag man traurig sein oder froh. Heute macht die Technik eben vieles deutlich einfacher. So auch eine Ansicht der beiden Vorderräder inklusive eines fiktiven Blicks durch die Motorhaube mit dem neuen ClearSight Ground View. Solchermaßen ausgestattet meistern selbst komplett unerfahrene Lenker des Range Rover Evoque anspruchsvolle Geländepassagen, auch der künstlichen Art.

Und auf der Straße

Nach dem Spielen im Sandkasten für große Jungs und Mädels ließen wir uns noch ein wenig durch den profanen Verkehr treiben. Hier ebenfalls unterstützt von einer Vielzahl von Assistenten und Sensoren, die uns vor allerlei Dingen warnten oder gleich selbstständig abbremsten.

Den Ausflug in die Lüneburger Heide und zurück nach Hamburg hat eine Länge von gut 140 Kilometern. Im Gegensatz zu dem eindeutig von uns favorisierten Diesel mit 240 PS, den wir im Offroad-Parcours fuhren, waren wir mit dem 200 PS starken Benziner unterwegs.

Nachdem wir aus Hamburg draußen und auf der Autobahn Richtung Hannover fuhren, ließen wir den SUV mal richtig fliegen. Die 216 km/h an Höchstgeschwindigkeit erreichten wir etwas zäh, eine gute Reisegeschwindigkeit liegt unserer Meinung nach bei 160 km/h.

Zurück über die Landstraßen und kurz vor Hamburg in einem drei Kilometer langen Stau, fuhren wir entsprechend jeglicher Verkehrsvorschriften. Der kumulierte Verbrauch lag trotzdem bei gut 11 Litern. Kein Wunder bei einem rund 1,9 Tonnen schweren SUV mit Allradantrieb.

Ausstattungsversionen des Range Rover Evoque

Bei den Ausstattungen griffen die Briten auf altbewährte Bezeichnungen zurück. Das Basismodell wird schlicht Evoque genannt, dann folgen S, SE und HSE. Sportlicher und dann auch mit einem geringeren Böschungswinkel von nur noch 20,6 Grad vorne wird es mit dem Lineup R-Dynamics.

Die weiter oben beschriebenen Annehmlichkeiten des Allradantriebs, der Neungang-Automatik und des Mild-Hybrid lassen sich die Briten teuer bezahlen, wie der Preis des 150-PS-Diesels von 43.250 Euro in der Basisversion beweist. Und die Spirale dreht sich weiter bis hoch zum 300 PS starken HSE R Dynamics, der 70.3000 Euro kostet.

Nimmt man sich die 64 Seiten umfassende Preisliste vor, finden sich wahrscheinlich noch ein paar Features, die unbedingt rein sollten. Gut ist, dass der Range Rover Evoque bereits beim Einstiegsmodell über die Active Drive Line verfügt. Das gemeinsam mit GKN Driveline entwickelte System entkoppelt bei regelmäßiger Fahrt den Antriebsstrang von den Hinterrädern, was zu einer spürbaren Reduzierung von Verbrauch und Reibungsverlusten führt.

Fazit

Nun, die Preise sind weiterhin hoch und das Design ebenso betörend. Aber es wird ja nur selten so heiß gegessen, wie es gekocht wurde. Will heißen, dass die Rabattschlachten und Top-Angebote der Autoindustrie auch an Range Rover nicht spurlos vorübergegangen sind. Gespräche mit dem Handel sind meist lohnenswert und die Leasingangebote der Land Rover Bank ebenso. So mag der neue Range Rover Evoque weiter auf der Erfolgswelle schwimmen.

Fotos: Tobias Kempe

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Range Rover Evoque D240 SE

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Vierzylinder-Diesel

Getriebe: Neungang-Automatik

Hubraum in ccm: 1.999

Leistung in kW (PS) bei U/min: 177 (240)/2.400

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 500/1.750 – 2.500

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 7,7

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 225

Tankinhalt in l: 65

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 6,3

CO2-Emission kombiniert in g/km: 165

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.371/1.996/1.649

Radstand in mm: 2.681

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.955

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.510

Kofferrauminhalt in l: 591 – 1.383

Bereifung: 235/60 R18

Felgen: 8 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 58.800

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
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