Ein Sechszylinder-Hybrid, dessen Batterie an der Steckdose aufgeladen werden kann, und kräftige Retuschen bei der Optik: BMW verpasst der 7er-Reihe für die zweite Hälfte des Modellzyklus ein Facelift.

Ende 2015 brachte BMW die sechste  Generation seiner Oberklasselimousine auf den Markt. G11 ist das offizielle Baureihenkürzel der BMW 7er-Reihe, und bei der Markteinführung war viel von den inneren Werten die Rede. Das neue Bedienkonzept mit Gestensteuerung und die breite Palette an Fahrerasssistenzsystemen standen im Mittelpunkt. Die Optik der Oberklasselimousine sei dabei ein wenig nüchtern und zurückhaltend geraten, gaben vor allem die Käufer in Fernost und in den USA den Bayern in den letzten Jahren als Feedback.

Die Niere der 7er-Reihe ist deutlich größer geworden

Nach dreieinhalb Jahren erhält der 7er nun  eine Modellpflege – und selten passt der englische Begriff Facelift besser.  Wie bei allen neuen Modellen der Marke strahlt die Niere nun noch mehr Dominanz aus, sie wuchs in der Fläche um 40 Prozent.Die Vorderkante der Motorhaube steht nun 50 Millimeter höher,  Der Amerikaner nennt so etwas  «bold» – warum bescheiden auftreten, wenn es auch eine Spur kerniger geht.

Damit trifft der neue 7er den Geschmack der Kundschaft vor allem in China und den USA. Denn die Hauptklientel der Oberklasselimousine sitzt längst nicht mehr in Deutschland und Zentraleuropa. Fast jeder zweite  – genau genommen 41 Prozent –der rund 60 000 jedes Jahr gebauten 7er wird nach China verkauft. Im Reich der Mitte  ist der Durchschnittskäufer übrigens 38 Jahre alt und damit altersmäßig in einer völlig anderen Liga als in Europa.

Neuer Sechszylinder-Hybrid mit rund 50 Kilometern Elektro-Reichweite

Die Motorenpalette umfasst drei Diesel-Sechszylinder mit 265, 320 und 400 PS. Als Benziner sind der V8 mit 530 PS im 750i und der V12 mit 6,6 Litern Hubraum und 585 PS im M760i im Programm. Der bärenstarke Zwölfzylinder stemmt 850 Newtonmeter maximales Drehmoment auf die Kurbelwelle und schiebt den knapp 2,3 Tonnen schweren Wagen in 3,8 Sekunden von null auf Tempo 100. Der beim M760i serienmäßige Allradantrieb xDrive hilft dabei, die Kraft auch auf die Straße zu bringen. Ab 174.000 Euro muss man für den M760i einplanen.

In Europa, wo rund 6000 7er jährlich verkauft werden, sind als Geschäftswagen vor allem die Diesel von Bedeutung; das Einstiegsmodell in die Baureihe ist der 730d, der in der Standardlänge mit Hinterradantrieb knapp 89.000 Euro kostet.

Konkurrenz könnte dem Diesel nun aus der neuesten Antriebsvariante erwachsen:  Der 745e (auch als Le) ist nun mit einer für die Kundschaft standesgemäßen Verbrennungseinheit des Hybrid-Antriebsstrangs ausgestattet. Kombinierte das Vor-Faceliftmodell noch einen aufgeladenen Vierzylinder mit zwei Litern Hubraum mit einem Elektromotor, arbeitet im neuen 7er ein Turbo-Sechszylinder-Reihenmotor.

Während der drei Liter große Verbrenner 286 PS und 450 Newtonmeter maximales Drehmoment  leistet, steuert der E-Motor 83 kW/113 PS bei, dies ergibt eine Systemleistung von  394 PS. Die Batterie wuchs auf eine Speicherkapazität von 12,0 kWh. Die Batterie sitzt unter den Rücksitzen, der  46 Liter grosse Kraftstofftank über der Hinterachse. Das Kofferraumvolumen schrumpft von 515 auf 420 Liter.

Nach WLTP-Norm sind mit dem 745e bis zu 58 Kilometer elektrische Reichweite möglich, beim 745Le xDrive sind es 50 km. In der Praxis dürften es vermutlich kaum mehr als 40 km sein.

Ladesystem mit 3,7 kW Leistung

Bei ersten Fahrten mit dem 745e überzeugt der Plug-in-Hybrid durch seinen überaus harmonischen Antriebsstrang. Der E-Motor ist in das Achtgang-Automatikgetriebe integriert. Im Fahrmodus Hybrid kann er den 7er bis Tempo 110 rein elektrisch antrieben, im Modus Electric sind sogar 140 km/h elektrisch möglich.

Benötigt der Fahrer Unterstützung durch den Verbrenner, kann er zum Beispiel bei einem Überholmanöver über Kickdown des Gaspedals den Sechszylinder dazuschalten. Der Verbrenner läuft dabei seidenweich an. Ruft man beim Anfahren die volle Leistung ab, stehen 600 Newtonmeter maximales Drehmoment bereit.

Die Verbrauchswerte des Plug-in-Hybriden liegen zwischen 2,1 bis 2,6 l/100 km, je nach Karosserieform und Antriebskonfiguration. Erreichen lässt sich der Wert allerdings nur mit sehr sanftem Gasfuß und dann, wenn man die Lithium-Ionen-Batterie bei jeder Gelegenheit nachlädt, um auf einen möglichst hohen Elektroanteil zu kommen.

Das Ladesystem des BMW 7er Plug-in arbeitet mit maximal 3,7 kW Leistung. Das lässt sich an der heimischen Wallbox gut erreichen, die Batterie ist nach gut vier Stunde schon wieder voll. Der Halt am Schnelllader ist damit eher  überflüssig. Der 745e kostet ab 101.290 Euro, in der längeren Version 106.690 Euro. Soll der 745Le mit xDrive ausgestattet sein, kommen noch einmal 4400 Euro dazu – plus all das, was die umfangreiche Optionenliste noch hergibt.

Technische Daten

Wie gut ist der neue BMW Plug-in-Hybrid? Im Auto360.de Test: BMW 745e/745Le

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 6-Zylinder, Reihe, Benziner, Turbo plus E-Motor
Getriebe: Achtgang-Automatik
Hubraum in ccm: 2.998
Leistung Verbrenner bei U/min in kW (PS): 210 (296)/5.000-6.000
Leistung E-Motor in kW (PS): 83 (113 PS)
Systemleistung in kW (PS): 290 (394)
Maximales System-Drehmoment in Nm: 600
Beschleunigung 0-100 km/h in s: 5,2
Höchstgeschwindigkeit in km/h: 250
Tankinhalt: 46 l
Kraftstoffverbrauch kombiniert: 2,1 bis 2,6  l auf 100 km
CO2-Emission kombiniert in g/km: 48 bis 52
Batterie: Lithium-Ionen
Batteriekapazität in kWh: 12,0 Elektrische
Reichweite in km: 52-58

Abmessungen, Gewichte, Bereifung
Länge/Breite/Höhe in mm: 5.120/1.902/1.467 (L: 5.260/1.902/1.479)
Radstand in mm: 3.070 (L: 3.210)
Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 2.070 (L xDrive: 2160)
Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.655 (L xDrive: 2.705)
Kofferrauminhalt in l:  420
Bereifung:45/60 R18
Felgen: 8J x 18″ Leichtmetall

Preis
Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer:101.290 (745e)

Folgen Sie

Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
Klaus Justen
Folgen Sie