Steckbrief Shelby Cobra GT 500

„Pass auf mein Baby auf“, ruft mir Karl Geiger hinterher, als ich mit dem Schlüssel seiner Shelby Cobra GT 500 sein Büro verlasse. „Du weißt schon, dass Du der Erste bist, der mit der Shelby fahren darf.“ Na klar hab ich aufgepasst. Auf meiner Fahrt an einem der wenigen schönen und sonnenbeschienen Tage im April 2017.

Lackiert in Acapulco Blue steht das Prachtstück in der Tiefgarage. Oberhalb des verchromten Seitenschwellers ein weißer Streifen mit dem Schriftzug GT 500. Darüber auf den vorderen Kotflügeln das Markenzeichen von Carroll Shelbys Werken: die Cobra.

Der Fastback

Karl Geigers Shelby Cobra GT 500 ist ein Fastback. Das langgestreckte Coupé mit relativ viel Platz in den beiden hinteren Sitzmulden. Da lässt es sich auch mal im Fond aushalten. Vorausgesetzt man kommt rein und vor allem wieder raus.

Die Basis des Shelby Cobra GT 500 verließ als Ford Mustang Fastback laut den Aufzeichnungen von Marti Auto Works in El Mirage/Arizona die Produktionsstätte in Metuchen Anfang Januar 1968. Als einer von insgesamt 4.451 in diesem Jahr gebauten Shelbys.

Von Nebraska nach München

Dieser eine fand den Weg nach Omaha in Nebraska und viele Jahre später nach München. Da das Baby einige Zeit im Showroom stand, ist behutsames Warmfahren oberste Pflicht. Der 7-Liter-V8 springt nach dem ersten Umdrehen des Schlüssels problemlos an. Wohl voller Vorfreude, endlich mal wieder gefordert zu werden.

Geschaltet wird diese Shelby Cobra GT 500 mit einer Dreigang-Automatik. Um noch einmal die Statistik von Marti Auto Works zu bemühen, die im Übrigen großen Wert darauf legen, als Quelle genannt zu werden, einer von nur 615 mit dem Automaten. Der große Rest wurde oder, falls noch existent, wird manuell mit vier Gängen durch die Welt bewegt.

Die Ausfahrt mit der Shelby Cobra GT 500

Für meine Ausfahrt in Richtung Münchner Osten bedeutet die Automatik aber auf den ersten Kilometer US-Highway-Geschwindigkeit. Schließlich müssen 6,5 Liter an Öl durch den Big Block bewegt werden, damit auch wirklich sämtliche Teile des V8 ordentlich geschmiert werden.

Ich genieße die ersten Kilometer der langsamen Fahrt über die  Autobahn und noch mehr die bewundernden Blicke der mich Überholenden. Das Gebrabbel des Motors ist dabei ein herrlicher Nebeneffekt. Runter von der Autobahn düse ich weiter über kurvenreiche Landstraßen. Deutlich schneller als mit der Dodge Coronet R/T geht’s mit der Shelby Cobra GT 500 um die Ecken.

Hohes Investment

Der Shelby hat gegenüber dem Dodge, den ich vergangenen Herbst gefahren bin, ein besseres Fahrwerk und das deutlich bessere Kurvenverhalten. Aber auch preislich unterscheiden sich beiden Muscle-Cars. Ging der Dodge für gute 50.000 Euro über die Theke von GeigerCars, soll der Shelby Cobra GT 500 schlappe 159.000 Euro einbringen.

Ein Haufen Holz für ein Fahrzeug, das 1968 4.317 US-Dollar kostete. Wertsteigernd darf bei diesem Auto in jedem Fall die auf der Sonnenblende des Fahrers zu findende Originalunterschrift von Carroll Shelby betrachtet werden. Oder auch die Tatsache, dass diese Shelby Cobra GT 500 erst zwei Besitzer hatte.

Dass dieser hohe Preis nicht eine Wunschvorstellung von Karl Geiger ist, damit ihm garantiert niemand sein Baby abkauft, zeigen die in den USA aufgerufenen Preise der Shelby Cobra GT 500. Je nach Zustand können für dieses Modell knapp 200.000 US-Dollar fällig werden.

Noch teurer sind die raren Shelby Cobra Cabrios und der GT 500 KR, wobei das KR für King of the Road steht. Carroll Shelby überrumpelte mit dieser Namensgebung nach einer unbestätigten Geschichte General Motors. Der große Konkurrent wollte angeblich eines seiner Modelle so nennen, aber Shelby war schneller. So wie meist auch seine getunten Mustangs.

Das Triebwerk

Satte 569 Nm leistet der überarbeitete 428 CI V-8 Police Interceptor von Ford. Der Sprint von 0 auf 60 Meilen pro Stunde dauert 6,5 Sekunden und die Quarter Mile wird nach 14,75 Sekunden mit einer Geschwindigkeit von 98 Meilen pro Stunde durcheilt.

Trotz des deutlich besseren Handlings gegenüber dem bereits erwähnten Dodge ist und bleibt auch der Shelby Cobra GT 500 eher ein Ampelstart-Gewinner als der Racer für die Landstraße. Zu leichtgängig ist die Servolenkung, zu träge das Einlenken in enge Kurven. Egal, das Cruisen mit diesem Schätzchen ist ein herrliches Erlebnis. Die schmachtenden „Will-auch-mal-Blicke“ sind ungezählt.

Mustang oder was?

Die eingefleischten Fans von Shelby werden sich kaum wundern, dass ich die Bezeichnung „Ford Mustang“ für dieses Modell nie verwendet habe. Es ist schließlich weder das Markenlogo von Ford noch ein galoppierender Mustang oder auch der Schriftzug Ford zu sehen. Bereits mit dem Modelljahr 1966 verschwanden nahezu alle Ford Typisierungen auf den Shelbys.

Ab dem Modelljahr 1968 bis zum Ende der Bauzeit 1970 trugen alle Shelbys den Beinamen Cobra. Das Logo der Schlange an den vorderen Kotflügeln macht dies auch optisch deutlich. Der Motor wurde zudem als 428 Super Cobra Jet bezeichnet.

Fazit

Genug von Schlangen? Okay. Einige Meilen und Stunden später, schließlich musste der Shelby Cobra GT 500 noch fotografiert werden, rolle ich in die Tiefgarage von GeigerCars. Schnell in die Parklücke geschlüpft und dem Knistern des Motors nachgelauscht, bringe ich kurz danach Karl Geiger den Schlüssel zurück. „Und“, fragt er mich, „wie läuft mein Baby?“ Die Antwort von mir war nur ein breites Grinsen.

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Shelby Cobra GT 500

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: V8-Benziner

Getriebe: Dreigang-Automatik

Hubraum in ccm: 7.013

Leistung in kW (PS) bei U/min: 265 (360)/4.600

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 569/3.200

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 6,5

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 207

Kraftstoffverbrauch kombiniert in l/100 km: 18

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge in mm: 4.663

Radstand in mm: 2.743

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.562

Felgen: 7 x 15

Bereifung: 245/60 R15

Preis

Listenpreis in US-Dollar 1968: 4.317

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka

Dietmar Stanka wurde bereits als Kleinkind vom automobilen Virus befallen. Seine ersten journalistischen Sporen verdiente er sich als 15-jähriger. Für die Nordbayerischen Nachrichten berichtete er über Eishockey und Musik-Events in seiner Heimatstadt Pegnitz. Mit 17 nahm er als Beifahrer in Rallyeautos Platz und ein Jahr später wechselte er die Perspektive und fuhr selbst einen heißen Reifen. Im Jahr 2000 wandelte er seine Leidenschaft für Automobile in einen erfüllenden Beruf um. Unter anderem ist er als freier Autor für Grip, Träume Wagen, Autohaus, wiwo.de, ramp und den Finanzenverlag (BÖRSE ONLINE, EURO, Euro am Sonntag) tätig.
Dietmar Stanka