Vor 10 Jahren, es war ein lauer Sommertag, wurde am Nürburgring der Toyota GT86 vorgestellt. Ende Mai 2022 war der Schauplatz der Präsentation des Toyota GR86 wieder eine Rennstrecke.

In der Nähe von Sevilla gelegen und noch relativ unbekannt. Der Circuito Monteblanco. Gegenüber dem GT86 ist die Leistung des 2,4-Liter-Boxer-Saugmotors deutlich gestiegen. Es sind nun 172 kW (235 PS) und ein Drehmoment von 250 Nm, das bereits bei 3.700 Umdrehungen pro Minute anliegt. Der GT86 musste mit einem 2-Liter-Boxer auskommen, der 147 kW (200 PS) leistete. Aber es war nicht zwingend diese Leistung, sondern das erst bei 6.000 Umdrehungen pro Minute anliegende Drehmoment von 205 Nm, das den Vorgänger etwas träge erscheinen ließ.

Hingucker Toyota GR86

Toyota bezeichnet das Design des GR86 als die Idee der funktionalen Schönheit. Dem schließen wir uns gerne an, denn kompakte Sportwagen mit einer Länge von 4,26 Metern ist ein echter Hingucker. Einige Details des 2000GT sind auch beim GR86 zu finden. Die LED-Scheinwerfer weisen innen eine L-förmige Anordnung auf und sind ähnlich wie ein Parabol geformt. Für uns ist er jedoch die Reinkarnation der Celica aus den 1970er Jahren.

Die Aerodynamik ist bei einem Sport-Coupé eines der elementaren Bestandteile für eine gute Performance. Für den GR86 haben die Entwickler mit einem tief gezogenen Frontspoiler begonnen, der seitlich von zwei länglichen Lufteinlässen flankiert wird. Auf der Seite sind neben den Luftauslässen im Bereich des Kotflügels die Schweller entsprechend gestaltet. Am Heck sorgt ein Heckspoiler für den nötigen Anpressdruck.

Das Interieur des 2+2-Sitzers ist im Bereich des Cockpits von einer horizontalen Linie geprägt. Über den 7-Zoll großen Touchscreen lassen sich einige Funktionen bis hin zu den Smartphone-Anbindungen mit Apple CarPlay und Android Auto steuern. Zudem sind die Bilder der Rückfahrkamera mitsamt Orientierungslinien sichtbar. Ein fest eingebautes Navi sei wohl nicht geplant, aber mit diesem Sportler ist der Weg eh das Ziel.

Vor dem Multifunktionslederlenkrad ist ein acht Zoll großes Info-Display montiert, das über diverse Einstellungen verfügt. Die Pedale sind gelocht und in der Mittelkonsole sind unterhalb des Displays die Schalter für die Klimaautomatik angebracht. Klassisch steht für den auf den Hinterrädern angetriebenen Toyota GR86 ein echter Handbremshebel zur Verfügung.

Das neue Boxer-Triebwerk

Boxermotoren sind grundsätzlich flachbauend, was dem Toyota GR86 einen niedrigen Schwerpunkt beschert. Durch die Vergrößerung der Zylinderbohrung von 86 auf 94 Millimeter stieg der Hubraum von 1.988 auf 2.387 Kubikmeter an.

Gewichtsreduzierung und gleichzeitig eine Erhöhung der Standfestigkeit wurden unter anderem durch dünnere Zylinderlaufbuchsen erreicht. Zudem tragen optimierte Wassermantelkomponenten ebenso bei wie Kipphebelabdeckungen, die nun aus einem Kunstharzmaterial statt aus Aluminium bestehen.

Kurbelwellenzapfen mit einem vergrößerten Durchmesser, verstärkte Pleuelstangen und eine entsprechend adaptierte Form des Pleuellagers und des Brennraums sorgen dafür, dass die Zuverlässigkeit und die Drehzahlfestigkeit des Motors gewahrt bleiben.

Mit der aus anderen Toyota-Modellen bekannten D-4S-Benzineinspritzung wird auch im neuen GR86 die Direkt- und Saugrohreinspritzung miteinander kombiniert. Daraus resultiert das schnelle Ansprechverhalten beim Gas geben, das uns von Anfang an begeistert hart.

Die Direkteinspritzung wirkt sich kühlend auf die Zylinder aus und liefert auf diese Weise eine der Grundlagen für die hohe Verdichtung. Die Saugrohreinspritzung kommt bei geringer bis mittlerer Last zum Einsatz und verbessert die Effizienz des Motors.

Purer Fahrspaß mit dem Toyota GR86

Raus aus Sevilla und ab zur Rennstrecke. Bereits auf der kurzen Strecke zu der in Richtung Portugal führenden Autobahn war der Unterschied zum Vorgänger spürbar. Das Sport-Coupé hängt fein am Gas und lässt problemlos auch Schaltfaule Fahrfreude verspüren.

Wir schalteten trotz verschiedener Geschwindigkeitssituationen, die zwischen 80 und etwas mehr als 120 km/h lagen, nicht runter. Erst bei der Abfahrt zur Rennstrecke mussten wir in das knackig und kurz ausgelegte Schaltwerk eingreifen. Und dann natürlich wieder auf der Rennstrecke.

Die in der morgendlichen Kühle trotz strahlendem Sonnenschein perfekt für ein paar Runden war. Nach der obligatorischen Einführungssession hieß es Feuer frei. Mit dem fein justierten Fahrwerk, der deutlich steiferen Karosserie und dem Trackmodus wurde das Fahrvergnügen von Kurve zu Kurve gesteigert.

Apropos Fahrmodi. Fünf Stufen stehen zur Wahl, normales Fahren, Anfahren mit wenig Traktion oder wenn der GR86 mal feststecken sollte, sportliches Fahren mit der Unterstützung des elektronische Stabilitätsprogramms VSC (Vehicle Stability Control). Als vierter Modus sportliches Anfahren und last but not least Aus und damit kein VSC und keine Traktionskontrolle für die Driftsession auf abgesperrten Straßen.

Zurück über Landstraßen

Da wir nicht zu sehr in die technischen Tiefen des Toyota GR86 eintauchen wollen, da diese den Rahmen sprengen würden, nur noch ein paar Details, die wir auf der Rückfahrt über wunderbar kurvige Landstraßen erleben durften. Da gehören unter anderem die sofort Rückmeldungen sendende elektronische Lenkung genau wie standfesten Bremsen mit großzügig dimensionierten Bremsscheiben dazu.

Des Weiteren die modifizierten Stoßdämpfer und Federn, die das Sport-Coupé trotz aller Agilität und Sportlichkeit nicht zu hart werden ließen. Damit ist der GR86 durchaus auch für die Langstrecke geeignet. Wobei wir, des Komforts wegen, eher dazu neigen würden, die Höchstgeschwindigkeit von 226 km/h nicht permanent ausreizen würden.

Ein weiteres technisches Schmankerl ist das gegenüber dem GT86 weiter entwickeltes Torsen-Sperrdifferenzial für die Verbesserung der Traktion der angetriebenen Hinterräder in Kurven. Das gerippte Gehäuse dient der Kühlung und die in den Differenzialhalterungen verwendeten Gummi-Elemente sind hitzebeständiger als bisher um der erhöhten Motorleistung gerecht zu werden.

Tja, der Rückweg nach Sevilla hätte gerne ein bisschen länger sein dürfen. Aber leider warten auch Charterflieger nicht und so mussten wir schweren Herzens den Toyota GR86 wieder abgeben.

Die Versionen des GR86

Es ist schnell erzählt. Das Einstiegsmodell Pure kostet 33.990 Euro, das GR86 genannte Modell liegt mit der manuellen Sechsgang-Handschaltung bei 36.100 Euro. Wer es bequemer haben will, wählt die Sechsstufen-Automatik für 38.880 Euro. Gegenüber dem Pure mit 17-Zöllern, verfügt die beiden GR86-Varianten über 18 Zoll große Leichtmetallräder. Darauf sind die hervorragenden Michelin Pilot Sport 4 montiert, die eine hohe Performance aufweisen.

Das ist aber noch nicht alles. Beim „Pure“ ziert ein gesticktes „G“ das Gewebe der Lehne. Die Sitze des GR86 sind aus einer Kombination von Echtleder und dem rutschresistenten Ultrasuede bezogen. Weitere Details sind beispielsweise Unterschiede beim Umfang der Assistenzsysteme.

Fazit

Wenn der Pure reicht, ist dieses Coupé ein Schnäppchen. Aber auch der GR86 ist durchaus preiswert zu nennen. Der Sportwagen ist definitiv ein günstiges Automobil mit sehr guten Werten in diesem immer kleiner werdenden Segment. Das auch leider auf der Zielgeraden ist, da solche Fahrzeuge aussterben. Da heißt es schnell sein, denn die Produktion endet im März 2024. Wer auf den Subaru BRZ setzt, sollte herausragende Kontakte zu einem Händler haben. Denn nach der Aussage des Geschäftsführers von Subaru Deutschland werden nur wenige Einheiten bei uns auftauchen.

Toyota GR86

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Toyota GR86

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: 4-Zylinder-Benziner

Getriebe: Sechsgang-Schaltung

Hubraum in ccm: 2.387

Leistung in kW (PS) bei U/min: 172 (235) 7.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 250/3.700

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 6,3

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 226

Tankinhalt: 50 l

Kraftstoffverbrauch kombiniert: 8,8 l auf 100 km

CO2-Emission kombiniert in g/km:  200

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.265/1.775/1.310

Radstand in mm: 2.575

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.370

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 1.600

Kofferrauminhalt: 276 l

Bereifung: 215/40 R 18

Felgen: 7,5 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 36.100 Euro

Dietmar Stanka
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