Die zweite Generation des Toyota Mirai stellten wir vor einigen Monaten mit Bildern aus Japan vor.

Mitte Juni hatten wir erstmals die Gelegenheit das Brennstoffzellenfahrzeug einer Testfahrt zu unterziehen. Wir waren dafür zu Gast bei Faun, dem größten Hersteller von Müll- und Straßenreinigungsfahrzeugen in Deutschland. Ein wesentlicher Grund für diese Standortwahl ist der Umstand, dass Faun Fahrzeuge mit Brennstoffzellen herstellt, was wir demnächst in einem Artikel genauer erläutern werden.

Der optische Auftritt des Toyota Mirai

Die zweite Generation des Toyota Mirai hat nicht nur an Größe, sondern auch an Dynamik, Eleganz und Sportlichkeit zugelegt. Böse Zungen behaupten gar, dass diesem Toyota das Logo eines Lexus besser stehen würde. Wir sind der Meinung, dass der Mirai sehr gut in die Portfolio von Toyota passt.

Das Cockpit wird von dem mittig positionierten und 12,3 Zoll großen Multimedia-Touchscreen beherrscht. Der Fahrer blickt ebenfalls auf ein digitales Display. Links davon sind genauso wie rechts Schalter und Bedienelemente platziert. Das wirkt ein wenig willkürlich und hat mit einer sinnvollen Anordnung relativ wenig zu tun.

Schade, denn die qualitative Anmutung und der Materialmix sind gelungen. Im Top-Modell Advanced wird die Informationsflut durch das serienmäßige Headup-Display ergänzt. Sinnvoll ist eine Bedienung zudem über das Multifunktionslenkrad und noch besser, über die Sprachsteuerung.

Der Kofferraum ist mit 321 Litern reichlich klein ausgefallen. Leider sind aus Package-Gründen die Rücksitze nicht umklappbar. Vielleicht überlegt sich Toyota bei der dritten Generation die Verwendung einer großen Kofferraumklappe wie die eines Skoda Octavia oder Superb.

Die Brennstoffzelle

Das Herzstück des Toyota Mirai ist die neu entwickelte Brennstoffzelle, die nun unter der Motorhaube ihren Platz gefunden hat, anstatt im Vorgänger unterhalb der Vordersitze. Anstatt 370 sind es jetzt 330 Zellen, die über eine spezifische Leistungsdichte von 5,4 kW pro Liter verfügen.

Insgesamt verloren nahezu alle Komponenten deutlich an Gewicht. Zudem startet der Mirai nun auch bei Temperaturen von bis zu minus 30 Grad Celsius. Neben der Brennstoffzelle wird in manchen Fahrsituationen auch die 1,2 kWh große Lithium-Ionen-Batterie genutzt.

Das gilt vor allem beim Rangieren oder Anfahren. Die drei Tanks haben ein Gesamtvolumen von 5,6 Kilogramm, was im optimalsten Fall eine Reichweite von bis zu 650 Kilometern ermöglicht. Die Betankung dauert etwa 5 Minuten und entspricht damit in etwa der Zeit, einen Tank eines Benziners, Diesel oder CNG-Fahrzeugs zu befüllen.

Der besonders umweltfreundliche Aspekt des Toyota Mirai ist die Reinigung der Umgebungsluft, die während der Fahrt aufgenommen wird. Über einen Filter, der ähnlich wie ein Katalysator arbeitet, fängt ein elektrisch geladenes Vlieselement mikroskopisch kleine Partikel ab. Darunter sind beispielsweise Schwefeldioxid (SO²), Stickoxide (NOx) und PM-2,5-Nanopartikel. Damit bleiben 90 bis 100 Prozent aller Partikel mit einem Durchmesser zwischen 0 und 2,5 Mikrometer hängen, sodass die Luft nach diesem Prozess sauberer ist, als vorher.

Fahreindrücke

Etwa eine halbe Autostunde nördlich von Bremen hat Faun in Osterholz-Scharmbeck seinen Sitz. Unsere Fahrt führte uns durch Ansiedlungen, Landstraßen und auch ein Stück Autobahn. Ein guter Mix für einen ersten Testlauf mit dem neuen Toyota Mirai.

Von den drei Fahrmodi Eco, Normal und Sport wählten wir den ersten. Schließlich wollten auf den ersten Kilometern auf der Landstraße sparsam unterwegs sein. Dem fulminanten Antritt der 134 kW (182 PS) stand dies aber nicht im Weg. Obwohl der Mirai laut Werksangabe 9 Sekunden für den Spurt von 0 auf 100 km/h benötigt, fühlt sich die Beschleunigung deutlich schneller an. Das mag an der lautlosen Fortbewegung liegen, die mit einem Elektromotor möglich ist.

Mit dem Heckantrieb und der perfekten Gewichtsverteilung von nahezu 50:50 ist das Fahrverhalten einer Oberklassen-Limousine ähnlich. Das Fahrverhalten ist ein gut gelungener Mix aus Dynamik und Komfort.

Der Verbrauch lag bei unserer Ausfahrt zwischen 0,7 und 1,25 Kilogramm auf 100 Kilometer. Lockeres Cruisen auf der Landstraße wird mit niedrigen Hunger nach dem teuren Wasserstoff belohnt, das Kilogramm kostet rund 10 Euro, bei schnellen Autobahnfahrten bis zur Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h lechzt die Brennstoffzelle nach mehr Stoff.

Ausstattungsversionen

Mit drei anstatt nur einer Ausstattungslinie, ist der neue Toyota Mirai in Europa im Handel erhältlich. Die Einstiegsversion kostet 63.900 Euro und verfügt unter anderem über LED-Scheinwerfer, eine Zweizonen-Klimaautomatik, elektrisch verstell- und beheizbare Vordersitze sowie den schlüssellosen Zugang, ein Navi sowie ein JBL-Soundsystem mit 14 Lautsprechern.

Der Executive wird ab 66.900 Euro angeboten und rollt ebenso wie die Einstiegsversion auf 19 Zoll großen Rädern. Ergänzend ist diese Version unter anderem mit Bi-LED-Scheinwerfern, Sitzbezügen mit einer wertigen Ledernachbildung, Lenkradheizung, einem 360-Grad-Kamerasystem sowie den Parkassistenten vorne und hinten ausgestattet. Der Rückfahrassistent verfügt über eine automatische Notbremsfunktion und der Tote-Winkel-Warner bietet weitere Sicherheit.

Für 73.900 ist der Toyota Mirai als Advanced zu bekommen. 20 Zoll große Leichtmetallfelgen, ein Panoramadach, ein digitaler Innenspiegel, der Einparkassistent, das Headzp-Display sowie eine Dreizonen-Klimaautomatik sollen Kunden zum Kauf animieren. Angenehm ist das mit Semianilinleder bezogene Gestühl, das vorn und hinten beheiz- und kühlbar ist.

Herstellung von Wasserstoff

Industriell hergestellter Wasserstoff, wie er heute oftmals an den rund 100 Wasserstofftankstellen verwendet wird, muss dringend von grünem Wasserstoff abgelöst werden. Nur dann ist emissionsfreie Mobilität gegeben. Der erste Elektrolyseur soll 2022 in Niederbayern entstehen. Wir berichteten bereits über diese Planung bei der Übergabe eines Toyota Mirai an die Geschäftsführung der Cryomotive GmbH.

Mit Hilfe von überschüssiger Wind- oder Sonnenenergie respektive Wasserkraft wie in der Schweiz reichlich vorhanden, wird in einem Elektrolyseur der Strom in Wasserstoff verwandelt und damit gleichzeitig gespeichert. Die optimalste Lösung wäre, direkt am Herstellungsort eine Tankstelle zu betreiben. Dann würden weitere Transporte komplett wegfallen.

Da dies aber nur in Ausnahmefällen umsetzbar ist und überschüssiger Strom in Deutschland nicht im Überfluss vorhanden ist, müssen weitere Lösungsansätze entwickelt werden. Über diese werden wir gesondert berichten.

Fazit

Günstiger, effizienter, größer und faszinierend gezeichnet. Solchermaßen präsentiert sich der neue Toyota Mirai deutlich begehrenswerter. Der Ausbau der Wasserstofftankstellen in Deutschland schreitet zügig voran, was einen Kauf dieses Brennstoffzellen-Fahrzeugs attraktiver gestaltet.

Es stellt sich nur noch die Frage, warum nur Toyota und Hyundai mit dem Nexo Serienfahrzeuge mit Wasserstoffantrieb anbietet? Sämtliche deutschen Hersteller kündigen seit Jahren immer wieder Fahrzeuge an. Nun ist es an der Zeit, Taten folgen zu lassen.

Toyota Mirai Advanced

Technische Daten

Im Auto360.de Test: Toyota Mirai Advanced

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Elektromotor

Getriebe: 1-stufiges Reduktionsgetriebe

Leistung in kW (PS): 134 (182)

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 300/0

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 9,2

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 175

Wasserstoffvorrat in kg: 5,6 bei 700 bar

Wasserstoffverbrauch kombiniert in kg/100 km: 0,76

CO2-Emission kombiniert in g/km: 0

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.975/1.885/1.480

Radstand in mm: 2.920

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.950

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.415

Kofferrauminhalt in l: 321

Bereifung: 245/45 R20

Felgen: 8 x 20″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 73.900 Euro

Dietmar Stanka
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