Wer leistungsstarke und dennoch effiziente Elektroautos cool findet, sollte sich den neuen VW ID.4 GTX näher betrachten.

Wir waren Mitte Juni mit dem 220 kW (299 PS) starken Sportler im Harz unterwegs und waren ob der Performance mehr als nur angetan. Da wir den neuen VW ID.4 GTX bereits Ende April bei der Weltpremiere vorgestellt haben, dreht sich dieser Artikel mehr um den Fahrspaß, aber auch den Stromverbrauch.

Von Braunschweig bis Goslar

Als wir unseren GTX am Forschungsflughafen in Braunschweig übernahmen, war der Akku vollgeladen. Die prognostizierte Reichweite lag trotzdem „nur“ bei 360 Kilometern, obwohl Volkswagen eine durchschnittliche Reichweite laut WLTP von 480 Kilometern angibt.

In diesem Zusammenhang ist es wichtig zu wissen, dass sich der Bordcomputer vorherige Fahrten merkt. Da unser GTX bereits mehrere Tage im Testbetrieb befand und dadurch entsprechend schnell und definitiv nur selten effizient gefahren wurde, relativierte sich die Anzeige für uns.

Die ersten Kilometer führten uns über die Autobahn. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit von 180 km/h überschritten wir laut Tacho um 10 km/h. Wir konnten aber auch beobachten, dass  die Füllanzeige des Akkus und die Reichweite beträchtlich sanken.

Da wir aber die Autobahn nach wenigen Kilometern in Richtung Goslar auf Bundesstraße 248 verließen, war es mit den hohen Verbrauchswerten um die 30 bis 35 kWh auf 100 Kilometer schnell vorbei. Bedingt durch einige Ortsdurchfahrten sowie Ampelstopps fiel der Verbrauch schnell in Richtung 20 kWh.

Ein wesentlicher Grund war nicht nur die geringere Geschwindigkeit, sondern auch die erhöhte Rekuperation durch den B-Modus der 1-Gang-Automatik. Dieser wird einfach durch Drehen des seltsam anmutenden Schaltwählhebels am Armaturenbrett eingestellt.

So mussten wir nur in den seltensten Fällen die hydraulischen Radbremsen verwenden. Während vorne Bremsscheiben mit einem Durchmesser von 359 Millimetern montiert sind, arbeiten an den Hinterräder Trommelbremsen. Da sie nur selten genutzt werden, ist eine Korrosion ausgeschlossen.

Von Goslar nach Nörten-Hardenberg

Ab Goslar düsten wir dann hoch in den Harz. Das traumhaft schöne Mittelgebirge verfügt über kurvenreiche Straßen mit einer interessanten Topographie. Denn wo es auf der einen Seite bergauf geht, geht es auf der anderen den Berg wieder runter. Will in unserem Fall heißen, dass wir mit Schmackes berghoch logischerweise mehr Strom verbrauchten, als auf unserer vorherigen Fahrt auf der Bundesstraße.

Bis wir Clausthal-Zellerfeld erreichten. Denn von nun an ging es mit wenigen Ausnahmen fast nur noch bergab in Richtung Osterrode und unserem Endziel Nörten-Hardenberg mit seiner wunderschönen Burgruine und dem darunterliegenden und empfehlenswerten Burghotel. Was uns zu einem interessanten Ergebnis in Sachen Ladung des Akkus führt.

Auf der rund 44 Kilometer langen Teilstrecke zwischen Clausthal-Zellerfeld und unserem Ziel wurde so viel Strom gewonnen, dass wir insgesamt mit einem Durchschnittsverbrauch von 23 kWh ankamen.

Wir wollen aber nicht abschweifen und uns wieder der Performance des VW ID.4 GTX zuwenden. ESC und die Quersperre XDS+ gehören genauso zum Serienumfang wie die bedarfsgerechte Allrad-Antriebssteuerung.

Was im Umkehrschluss bedeutet, dass wir mit unserem VW ID.4 GTX ohne Traktionsverlust und störendes Reifengequietsche die Bergstraßen des Harzes erklommen. Zudem hatte unser Testwagen das Sportpaket Plus an Bord. Dazu gehören neben der 15 Millimeter Tieferlegung des normalen Sportpakets das DCC mit dem Fahrprofil Individual.

Diesen Modus und auch die weiteren Modi Eco, Comfort, Sport sowie Traction für den Einsatz abseits befestigter Straßen, sind die Garanten für eine sichere und auch gleichsam entweder effiziente oder dynamische Fahrt.

Ausstattungsoptionen

Der Grundpreis des VW ID4. GTX beträgt satte 50.415 Euro. Allerdings müssen davon 7.500 Euro an Kaufprämie abgezogen werden, was den tatsächlichen Kaufpreis auf das Niveau eines ähnlich ausgestatteten VW Golf GTI senkt. Serienmäßig sind 20 Zoll große Felgen und GTX-Sportsitze mit roten Nähten.

Unser Testwagen verfügte über 21 Zoll große Räder (490 Euro) sowie die elektrisch verstellbaren Top-Sportsitze mit dem Siegel der Arbeitsgemeinschaft Gesunder Rücken (AGR eV.) für, gut festhalten, 3.210 Euro!

Zum Serienumfang gehören unter anderem ein Navigationssystem sowie das induktive Laden geeigneter Smartphones. Zudem LED-Matrix-Scheinwerfer mit automatischer Fahrlichtschaltung, Schlechtwetterlicht, Begrüßungsfunktion (IQ-Light) und elektrisch einstell-, anklapp- und beheizbare Außenspiegel.

Mit einer Reihe von Paketen kann der VW ID.4 GTX ergänzt werden. Künftig soll es bei Volkswagen mit der Konfiguration einfacher werden. So gibt es beispielsweise ein Design-Paket und ein Design-Paket Plus. Gleiches gilt für das Infotainment-, das Comfort-, das Assistance- und das Sport-Package.

Lademöglichkeiten des VW ID.4 GTX

An der öffentlichen Ladesäule (AC) lädt der neue VW ID4. GTX mit 11 kW. An Bord ist ein Ladekabel Mode 3 Typ 2 mit 16 A beigelegt. Ein Netzladekabel für die Haushaltssteckdose kostet 175 Euro. Empfehlenswert ist eine Wärmepumpe für 1.275 Euro, die den Innenraum effizient aufheizt und damit die Reichweite erhöht.

Da der neuen GTX über die 77-kWh-Batterie verfügt kann er an entsprechenden Ladesäulen mit bis zu 125 kW mit Strom versorgt werden. Dann wird der Akku von 10 auf 80 Prozent in rund 35 Minuten geladen. Eine 11-kW-Wallbox zuhause benötigt für eine volle Ladung gute 8 Stunden.

Fazit

Fahrdynamisch ist der neue VW ID.4 GTX tatsächlich eine Reihe mit dem Golf GTI, dem Golf GTD und dem Golf GTE einzureihen. Die Entwickler zauberten ein Fahrwerk, das sowohl weich und damit traktionsstark sowie sportlich abgestimmt wurde. Dazu kommt das starke Zusammenspiel beider Elektromotoren.

Bei all dem Spaß den wir hatten, stellen wir uns aber auch der Realität der Elektromobilität. In erster Linie stellt sich die Frage, wo der GTX geladen werden kann. Optimal sind eine Wallbox zuhause und/oder am Arbeitsplatz. Aber auch eine öffentliche Schnellladestation in der Nähe des Zuhauses oder auf täglichen Wegen kann nützlich sein. Sollte sich das alles eher problematisch darstellen, hat Volkswagen ja ein tolles GT-Angebot im Portfolio.

Fotos: Martin Meiners und Ingo Barenscheen

VW ID.4 GTX

Technische Daten

Im Auto360.de Test: VW ID. 4 GTX

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motorbauart:  2 Elektromotoren, Permanent erregt (PSM)

Getriebe: 1-Gang-Automatik

Leistung in kW/ (PS): 220 (299 PS)

Maximales Drehmoment in Nm: 310 Nm

Beschleunigung 0-100 km/h in s: 6,2

Höchstgeschwindigkeit in km/h: 180

Batteriekapazität in kWh: 77

Stromverbrauch (WLTP) in kWh/100 km: 17,2

Reichweite (WLTP) in km: 480

Ladetechnik

DC-Ladesystem: CCS

Ladeleistung in kW: 125

Ladedauer AC 7,2 KW 0% – 100% SOC in h: 09:30

Ladedauer AC 11 KW 0% – 100% SOC in h: 06:15

Ladedauer DC 100 kW 5% – 80% SOC in min 00:35

Abmessungen, Gewichte

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.582/1.852/1.616

Radstand in mm: 2.765

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 2.224

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.750

Kofferrauminhalt: 543 – 1.575 l

Bereifung: 215/55 R 18

Felgen: 7,5 x 18″ Leichtmetall

Preis

Listenpreis in Euro inklusive 19 % Mehrwertsteuer: 50.415 Euro

 

Dietmar Stanka
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