Handyverbot am Steuer: das hat sich herumgesprochen. Aber auch das Bedienen des Touchscreens und seiner Menüs kann Punkte und Bußgeld kosten. Ebenso, wenn man zum Taschenrechner greift.

Modernes Innenraumdesign verzichtet immer mehr auf Knöpfe und Schalter. Viele Funktionen rutschen dabei in das Untermenü auf einem Touchscreen – was nicht ganz ohne Tücken ist. Denn die Bedienung eines solchen Touchscreens während der Fahrt fällt unter die Regeln der Straßenverkehrsordnung. Die schreibt vor, dass Handys zur Bedienung nicht in die Hand genommen werden dürfen. Aber auch, dass bei der Bedienung anderer Geräte der Blick nur kurz von der Straße genommen werden darf.

Blick ins Menü, Tesla im Graben

Der Besitzer eines Tesla hatte deshalb nach einem Unfall doppelten Ärger: Er rutschte mit seinem Modell 3 bei regennasser Fahrbahn von der Straße in einen Graben. Und er wurde auch noch durch sämtliche Instanzen letztendlich vom Oberlandesgericht Karlsruhe (OLG Karlsruhe, Aktenzeichen 1 Rb 36 SS 832/19) zu Fahrverbot, Punkten und Bußgeld verdonnert. Beim Tesla Modell 3 kann zwar der Scheibenwischer am Lenkrad eingestellt werden. Doch wegen des starken Regens wollte der Fahrer die Intervalle verkürzen. Und das ging nur über das Menü via Touchscreen. Die Ablenkung war zu groß, es kam zum Unfall. Quintessenz: In einem solchen Fall ist es besser, kurz rechts ranzufahren.

Navigationsziel besser über Sprachsteuerung

Das gilt aber prinzipiell für jeden, der einen Touchscreen in seinem Auto hat. Es ist nicht nur mühselig, während der Fahrt über eine holprige Straße das Ziel für die Navigation händisch einzutippen, es ist auch gefährlich und provoziert Schlangenlinien. Und es hat, wenn man erwischt wird, Folgen in Form von Bußgeld oder mehr. Da ist es erheblich komfortabler und sicherer, das nächste Ziel für die Navi über die Sprachsteuerung einzugeben. Das funktioniert bei den meisten Automodellen inzwischen sehr gut. Wer ein vernetztes Auto hat, kann sich seine Ziele schon vor der Fahrt vom Smartphone ins Auto schicken. Das ist in vielen Fällen noch komfortabler.

Verrechnet: Auch Taschenrechner bringt Punkte

Wie ist es mit anderen Geräten – zum Beispiel mit einem Taschenrechner? Bei diesem Punkt waren sich verschiedene Oberlandesgerichte uneinig, und so landete der Fall eines Immobilienmakler vor dem Bundesgerichtshof. Der Makler hatte während der Fahrt zu einer Hausbesichtigung noch schnell den Taschenrechner bemüht, um sich die Höhe seiner Provision auszurechnen. Dafür hätte er besser den Kopf bemüht.  Das ist die Konsequenz aus einem am  18. Februar 2021 vom BGH veröffentlichten Beschluss (Beschluss vom 16.12.2020, Aktenzeichen. 4 StR 526/19). Die BGH-Richter kommen darin zum klaren Ergebnis: Der Taschenrechner fällt unter die elektronischen Geräte des Paragraphen 23 der Straßenverkehrsordnung. Seine Benutzung wird also bestraft. Ganz nebenbei war der Immobilienmakler auch noch reichlich schnell unterwegs, als er seine Provision checkte. Das hatte ihn schon knapp 150 Euro gekostet.

Ablenkung am Steuer: Blindflug über viele Meter

Wie gefährlich Ablenkung am Steuer ist, belegen Untersuchungen von Dekra oder TüV. So ermittelte die Gutachterorganisation Dekra, dass mehr als jeder zweite Autofahrer während der Fahrt sein Smartphone bedient. Die Ablenkung durch das schnelle Lesen einer Nachricht ist in etwa so, als ob man für mehrere Sekunden die Augen schließen würde. Wer bei Tempo 100 nur eine Sekunde unaufmerksam ist, legt in dieser Zeit fast 30 Meter im Blindflug zurück, rechnet der TüV Süd vor.

Strafen für die Handynutzung am Steuer

Die Handynutzung wird deshalb auch im Bußgeldkatalog mit 100 Euro Strafe und einem Punkt in Flensburg bestraft. Wurde dabei ein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet, erhöht sich die Strafe schon auf 150 Euro, zwei Punkte und einen Monat Fahrverbot. Kommt es zum Unfall, sind 200 Euro fällig sowie ebenfalls zwei Punkte und ein Monat Fahrverbot.

Klaus Justen
Folgen Sie