Tausende Male hat man es in Fernsehkrimis gehört: „Alles, was Sie ab jetzt sagen, kann gegen Sie verwendet werden.“ Jeder Autofahrer müsste es also wissen – auch ohne diese Belehrung.

Und trotzdem reden sich viele bei einer Kontrolle durch die Polizei oder nach einem Unfall um Kopf und Kragen.

Nur Angaben zur Person, nicht zur Sache

Erfahrene Strafrechtler raten deshalb, keine Aussagen zur Sache zu machen, sondern nur die vorgeschriebenen Angaben zur Person. Wer etwa unter dem Schock eines Unfalls den Verlauf des Crashs falsch zu Protokoll gibt, hat hinterher bei einem Gerichtsverfahren schlechtere Karten.

Vermeintliche Entschuldigung, teurer Fehler

Oft versuchen Autofahrer auch, sich in der ersten Aussage moralisch vom Unfall zu entlasten: Wer würde schon einfach zugeben, ein anderes Auto übersehen zu haben? Klingt es nicht besser, wenn man sagt, dass man sich doch nur eben nach dem schreienden Baby auf dem Rücksitz umgedreht hat?

Klingt vielleicht besser, ist aber möglicherweise ein teurer Fehler. Denn die besorgte Mutter oder der besorgte Vater hat damit grob fahrlässig gehandelt. Das hat unter Umständen zur Folge, dass die Vollkaskoversicherung für den Schaden am eigenen Auto nicht mehr komplett eintritt.

Falscher Zungenschlag im Protokoll der Polizei

Leicht erhalten Aussagen auch im Polizeiprotokoll einen anderen Zungenschlag. So musste ein Autofahrer um seinen Führerschein kämpfen, der nach dem Unfall aussagte, da habe er wohl geschlafen. Gemeint war, er habe nicht aufgepasst. Doch heraus kam der Vorwurf, übermüdet am Steuer gesessen zu haben.

Beim Thema Alkohol kann man nur falsch liegen

Gerade, wenn Alkohol im Spiel ist, sind Aussagen bei der Polizei gefährlich, wissen Strafverteidiger.

Wird bei einem Autofahrer ein hoher Promillewert gemessen und der Polizist fragt, ob er sich denn noch fahrtüchtig gefühlt habe, kann die Antwort nur falsch sein.

Antwortet der Fahrer mit ja, wird dies später im Strafverfahren möglicherweise als übermäßige Gewöhnung an Alkohol ausgelegt.

Antwortet er mit nein, weil er sich nicht mehr fahrtüchtig gefühlt hat, wird er wegen einer vorsätzlichen Alkoholfahrt statt einer fahrlässigen verurteilt. Außerdem verliert er auch den Schutz seiner Rechtsschutzversicherung.

Bleibt das Recht zu Schweigen. Denn wer nichts sagt, sagt nichts Falsches.

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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