VW e-Golf: Unauffällig im Straßenverkehr
Testverbrauch des VW e-Golf: 14,1 kWh/100 Kilometer, Gesamtreichweite knapp 230 Kilometer
Die Technik des VW e-Golf: Tiefe Lage der Batterien sorgt für niedrigen Schwerpunkt
Erkennungsmerkmale des VW e-Golf: C-förmiges Tagfahrlicht und blaue Linien
VW e-Golf von hinten: der Auspuff fehlt
Alles unter Kontrolle: Innenraum des VW e-Golf mit 9,2 Zoll großem Navigationsdisplay

Steckbrief VW e-Golf

Frei nach der Ovomaltine-Werbung (man kann es zwar nicht besser, aber länger) hat Volkswagen den Elektro-Golf zum Facelift der Baureihe aufgewertet: Mit neuen, leistungsfähigeren Batterien kommt der VW e-Golf nun auf eine Norm-Reichweite von 300 Kilometern. Das entspricht unter normalen Alltagsbedingungen gut 200 Kilometern. Also längere Strecken, und das auch noch mit mehr Leistung, denn die E-Maschine liefert nun 100 kW (136 PS) statt 85 kW (115 PS).

Details im Design weisen auf die Elektro-Mobilität hin

Als VW vor mehr als drei Jahren die siebte Generation des Kompaktwagenklassikers Golf einführte, feierte auch der Modulare Querbaukasten (MQB) seine Premiere. Er lieferte die Voraussetzungen, unter der Golf-Hülle jeden möglichen Antriebsstrang zu verbauen. Deshalb ist einem Golf auf den ersten Blick nicht anzusehen, ob unter der Motorhaube Diesel, Benzin oder Gas verbrannt wird – oder eine Elektromaschine für den Vortrieb sorgt.

Das Thema Elektroantrieb wird auch nach der Modellpflege über Details im Design offenbart: Durch die C-förmige, auffällige Lichtsignatur der Tagfahrlicht-Scheinwerfer oder die blaue Linie, welche die serienmäßigen Voll-LED-Scheinwerfer und Kühlergrill verbindet. Der aktuellste VW e-Golf hat nun außerdem einen Kühlergrill, der mit seiner Wabenstruktur optisch näher an den VW Golf GTI rückt. Und der Auspuff fehlt selbstverständlich.

Deutlich verbesserte Batterie mit mehr Speicherkapazität

Die wesentlichen Änderungen des neuen VW e-Golf stecken unter dem Blech. Der Elektromotor leistet nun 100 kW (136 PS). Das verleiht ihm die typischen Fahrleistungen eines Elektroautos: Mit dem leichten Tritt aufs Fahrpedal steht das volle Drehmoment von 290 Newtonmetern zur Verfügung und schiebt den e-Golf kräftig an. Für die nötige Energie sorgt eine neue Lithium-Ionen-Batterie, die bei gleichen Abmessungen 35,8 kWh Strom speichern kann, also rund 50 Prozent mehr als der Vorgänger. Die Höchstgeschwindigkeit, bei der die Elektronik abregelt, um den Stromverbrauch in Maßen zu halten, hob VW von 140 auf 150 km/h an.

Bei einem Normverbrauch von 12,7 kWh auf 100 Kilometer ergibt sich so eine Reichweite von 300 Kilometern. Die dürften im Alltag kaum erreichbar sein. VW gibt deshalb einen Praxisverbrauch von 200 km an. Und die sind realistisch, wie eine erste Testfahrt von Auto360.de mit dem VW e-Golf zeigt.

200 Kilometer Reichweite sind machbar

Ein Golf ist prinzipiell ein Golf: Und so fährt sich der VW e-Golf dann auch. Knopfdruck genügt, schon steht das System zur Verfügung. Man darf nur nicht den Fehler machen, noch mal kurz die Tür zu öffnen, um noch etwas auf den Rücksitz zu legen – dann  muss man neu starten. Denn aus Sicherheitsgründen blockiert der Golf dann die Abfahrt.

Schon nach kurzer Zeit bilden sich aber Schweißperlen auf der Stirn des Fahrers. Denn nach knapp 40 Kilometern, davon etliche mit 120 km/h Autobahntempo, ist die Reichweite schon markant gesunken. 100 Kilometer weniger stehen auf dem großen Display, das über alle relevanten Fahrdaten informiert. Um ans Ziel zu kommen, dass in rund 100 Kilometern Entfernung liegt, wird das reichen. Aber viele Reserven bleiben nicht, wenn das so weitergeht.

Es geht nicht so weiter. Denn beim Fahren über bergige Landstraßen sorgt die Rekuperationstechnik des Golfs, die sich an die eigenen Fahrgewohnheiten anpassen lässt, immer wieder für Nachschub für die insgesamt 264 Batteriezellen. So stehen dann am Ende der Fahrt von knapp 97 Kilometern immerhin noch 132 Kilometer Restreichweite auf dem Display. Der Verbrauch liegt bei 14,1 kWh, gut zehn Prozent über dem Normverbrauch.

Niedriger Schwerpunkt, hohe Alltagstauglichkeit

Dabei war die Testfahrt alles andere als eine Sparfahrt. Die Batterien des VW e-Golf sind tief unten zwischen den Achsen untergebracht. Durch ihr Gewicht von 345 Kilogramm  liegt der Schwerpunkt rund sieben Zentimeter tiefer als beim Hybrid Golf GTE. Das macht sich gerade in Kurven außerordentlich positiv bemerkbar. Mit einem Kofferraumvolumen von 345 Litern verliert der e-Golf eine Sporttasche oder 35 Liter Platz im Vergleich zum normalen Golf, bietet aber gut 70 Liter mehr als der Golf GTE. Serienmäßig kommt der e-Golf mit 9,2 Zoll großem Bildschirm und Navigationssystem. Dieses nutzt die Daten der Topgraphie und Straßenführung, um dem Fahrer Hinweise für verbrauchsoptimiertes Fahren zu geben.

Leistungsstärkere Batterie, längere Ladezeiten

Eine Batteriekapazität, die um rund 50 Prozent wächst, treibt auch die Ladezeiten in die Höhe. Wer den e-Golf an eine normale Haushaltssteckdose anschließt, muss mit rund 17 Stunden Ladezeit rechnen, bis die Akkus wieder komplett voll sind. Den Aufpreis für die CCS-Ladedose (610 Euro), um an Gleichstrom-Schnelladestationen unterwegs Reichweite nachlegen zu können, muss man auf jeden Fall im Budget haben. Ebenfalls eine Überlegung wert ist die Wärmepumpenheizung (975 Euro), die aus der Abwärme des Elektroantriebs Wärme für den Innenraum gewinnt. Damit kann man nach VW-Angaben bei Kälte bis zu 30 Prozent mehr Reichweite erzielen.

 

 

Technische Daten

Im Auto360.de Test: VW e-Golf 

Antrieb, Fahrleistungen und Verbrauch

Motor: Permanenterregter Elektro-Synchronmotor (PSM)

Getriebe: 1-Gang-Getriebe

Leistung in kW (PS) bei U/min: 100 (136)/3.000–12.000

Maximales Drehmoment in Nm bei U/min: 290/ 0–3.000

Beschleunigung 0–100 km/h in s: 9,6

Höchstgeschwindigkei in km/h: 150

Stromverbrauch kombiniert in kWh/100 km: 12,7

Reichweite nach NEFZ in km: 300

Reichweite Praxis in km: 200

 

Batterie und Laden

Batterietyp: Lithium-Ionen

Energie in kWh: 35,8

Anzahl Zellen/Module: 264/27

Nennspannung AC/DC in V: 323

Gewicht der Batterie in kg: 345

Ladedauer AC, 2,3 kW, 100 % in h:min: 17:00

Ladedauer AC, 3,6 kW, 100 % in h:min: 10:50

Ladedauer DAC 7,2 kW, 100 % in h:min: 5:20

Ladedauer DC 40 kW, 80 % in h:min: 0:45

 

Abmessungen, Gewichte, Bereifung

Länge/Breite/Höhe in mm: 4.4270/1.799/1.482

Radstand in mm: 2.629

Leergewicht (inklusive Fahrer) in kg: 1.615

Zulässiges Gesamtgewicht in kg: 2.020

Kofferrauminhalt in l: 340–1.230

Bereifung: 205/55 R 16

Felgen: 6,5 x 16″ Leichtmetall

 

Preis

Listenpreis in Euro inklusive Mehrwertsteuer: 35.900 Euro

In Deutschland aktuell abzüglich 4000 Euro Elektroautoförderung

Klaus Justen
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Klaus Justen

Journalist bei Textpool
Klaus Justen hat langjährige Erfahrung in der Automobilbranche und in der Konzeption und Produktion von Print- und Onlinemedien. Er war als Leitender Redakteur bei Automagazinen in der Schweiz und Deutschland tätig und ist Autor für Print- und Onlinemagazine. Spezialgebiet sind neben Auto- und Technikthemen Ratgeberbeiträge rund ums Thema Geld und Auto.
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