Weg vom Heckantrieb eines Käfers und Bullis. Hin zum Frontantrieb mit einem wassergekühlten Vierzylinder.

Die Entwicklung des VW K70 startete NSU in Neckarsulm im Jahr 1965. Vier Jahre später wurde NSU von Audi übernommen und Volkswagen übernahm das bereits sehnlich erwartete Automobil.

Eine lange Bauzeit war dem modernen Automobil aber nicht vergönnt. Golf und Passat standen bereits in den Startlöchern, sodass nach fünf Jahren und nur 211.127 produzierten K70 im Mai 1975 die Produktion endete.

VW 412 und VW K70

VW 412 und VW K70

Möglicherweise begründete sich der geringe Erfolg an der klassischen Klientel von Volkswagen. Diese waren an die Hecktriebler-Fraktion eine VW Käfers, der VW 1600 oder auch die großen Limousinen wie dem 411 und 412 gewohnt.

Dennoch war die Zeit der heckangetriebenen Wolfsburger angezählt. Golf, Passat und Polo standen bereits in den Startlöchern und setzten Mitte der 1970er Jahre zu ihrem allseits bekannten Siegeszug an.

VW K70 hinten links

VW K70 hinten links

Die umfangreiche Ausstattung des VW K70

Die Kundschaft wusste die reichhaltige Serienausstattung leider nicht zu würdigen Selbst in der ab 9.500 DM erhältlichen Basisausstattung waren die Wisch-Wasch-Automatik der Scheibenwischer, komplett verkleidete Innentüren, eine elektrische Zeituhr sowie zwei Innenraumleuchten Serie.

In der L-Ausstattung waren die mit Velours bezogenen Vordersitze mit einer Liegesitzeinstellung versehen, beide Sonnenblenden mit Schminkspiegel ausgestattet sowie der Innenraumboden mit Teppichboden ausgeschlagen. Optional konnten unter anderem Nebelscheinwerfer, Radios von Blaupunkt und eine beheizbare Heckscheibe geordert werden.

VW K70 Front am Strand

VW K70 Front am Strand

Fahrverhalten und Modellpflege

Weich ist fast untertrieben, wenn man sich in einem VW K70 bewegt. Das moderne, aber höchstem Komfort ausgelegte Fahrwerk mit Teleskopstoßdämpfern und Federn sowie Dreieckslenkern und ab 1973 mit Querstabilisatoren an beiden Achsen, sorgte für eine gute Straßenlage. Allerdings verbunden mit einer starken Seitenneigung, die heutzutage altertümlich wirkt.

Trotz der kurzen Bauzeit und den wenigen Exemplaren erfuhr der VW K70 in jedem Jahr eine Modellpflege. Ab August 1971 wurden anstelle der eckigen Stoßstangen die abgerundeten des Audi 100 verbaut. 1972 wurden die Sitze des VW 411 verwendet und zudem die Schaltung deutlich verbessert und Doppelscheinwerfer eingesetzt.

Zu den beiden ab August 1970 verwendeten Motoren mit 1,6 Liter Hubraum und 75 respektive 90 PS gesellte sich 1973 ein kräftiger 1,8-Liter mit satten 100 PS. Dieser erreichte die 100 km/h-Marke in 13 Sekunden und erzielte eine Höchstgeschwindigkeit von 162 km/h.

Tipps für Sammler

Der K 70 Club e.V. und der K 70 Freunde e.V. sind die Ansprechpartner für alle Sorgen und Nöte sowie Ersatzteile und Hilfestellungen aller Art. Einen geeigneten VW K70 in einem vernünftigen Zustand zu finden, ist keine einfache Aufgabe. Die Angebote sind rar und liegen bei knapp unter 10.000 Euro. Aufpassen sollte man unter anderem auf den rostanfälligen Vorderwagen sowie Stoßdämpfer, Bremsen und die Wasserpumpe.

VW K70 (1970)

VW K70 (1970)

Dietmar Stanka
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